Verena Hubertz, wurde 1987 in Trier geboren. Die studierte Betriebswirtin gründete ein internationales, preisgekröntes App-basiertes Koch-Startup. 2021 wurde sie für den Wahlkreis Trier Mitglied des Deutschen Bundestages und arbeitete als Stellvertretende Fraktionsvorsitzende in den Bereichen Wirtschaft, Bauen & Wohnen, Tourismus sowie Klima & Energie. Seit 6. Mai 2025 ist sie Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen.
In Deutschland fehlen Hunderttausende von Wohnungen, auch im sozialen Wohnungsbau. Mit der neuen Bundesregierung soll die Wende im Wohnungsbau endlich gelingen. Das Diplomatische Magazin hat darüber mit Bundesbauministerin Verena Hubertz gesprochen.
DMFrau Ministerin Hubertz, Sie sagten bei Ihrem Amtsantritt im Mai: „Bauen und Wohnen ist die soziale Frage unserer Zeit. Hier gibt es viele Probleme zu lösen“. Welche Herausforderungen sind die dringlichsten?
Bundesbauministerin Verena Hubertz
Es gibt so einige Herausforderungen im Wohnungsbau. Aber kurz gesagt: Wir bauen zu wenig und wir bauen zu teuer. Ich habe nach meinem Amtsantritt von den drei T’s gesprochen: Tempo, Technologie und Toleranz. Das brauchen wir, um wieder Schwung in den Wohnungsmarkt zu bringen. Neben mehr Schnelligkeit ist das zum einen: Technologie. Denn mit neuen Verfahren lassen sich Kosten sparen. Das serielle Bauen bietet hier unglaubliche Potentiale. Wenn ich mir ein Auto kaufe, sind dort Komponenten vorgefertigt, standardisiert und im großen Maßstab produziert. Das ist auch beim Hausbau möglich. Und wir brauchen Toleranz. Ohne Nachverdichtung, auch in der eigenen Nachbarschaft, werden wir das Wohnungsproblem, insbesondere in Großstädten, nicht lösen können.
DMWas davon ist inzwischen auf den Weg gebracht?
Bundesbauministerin Verena Hubertz
Wir haben uns im Koalitionsvertrag viel zusammen vorgenommen, um die Wohnsituation der Menschen zu verbessern. Wir haben den Bau-Turbo gezündet und bereits die Haushalte für 2025 und 2026 durchs Kabinett gebracht. Und da steckt ganz viel für den Wohnungsbau drin. Neben Rekordmitteln für den sozialen Wohnungsbau werden auch über 11 Milliarden Euro aus dem neuen Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität in den Wohnungsbau fließen. Zudem arbeiten wir auch an einer Vereinfachung unserer Förderprogramme für den Wohnungsbau. Ich möchte das entschlacken und vereinfachen. Künftig soll es nur noch ein Programm für den Neubau und ein Programm für die Sanierung geben. Zu einem guten Zusammenleben gehört auch besseres Zusammenleben durch kluge Stadtentwicklung. Deshalb verdoppeln wir die Mittel für die Städtebauförderung innerhalb dieser Legislaturperiode auch auf über 1,5 Milliarden Euro jährlich.
DMSie haben angekündigt, 23,5 Milliarden Euro bis 2029 für den Sozialen Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen. Verteilt auf 16 Bundesländer ist das jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein, oder?
Bundesbauministerin Verena Hubertz
Nein, das sind Investitionen in noch nie dagewesener Höhe. Der soziale Wohnungsbau ist eine ganz wichtige Säule für bezahlbares Wohnen. Die Bereitstellung der Rekordmittel ist ein klares Signal: Bund und Länder investieren gemeinsam in ein soziales Miteinander. Die Zahl der Sozialwohnungen sinkt. Ich möchte, dass wir hier die Trendumkehr schaffen. Und das geht nur u.a. mit viel Geld. Deshalb stocken die Länder die Mittel des Bundes auch mindestens in der gleichen Höhe auf. Wir reden also von etwa 50 Milliarden Euro, die in den nächsten Jahren in die soziale Wohnraumförderung fließen. Und ganz wichtig: Die Gelder werden auch abgerufen. In vielen Ländern übersteigen die Anträge von Investoren und Bauherren die verfügbaren Fördermöglichkeiten deutlich. Hier ist also viel in Bewegung.
DMWo hakt es beim angekündigten Bauturbo?
Bundesbauministerin Verena Hubertz
Der Bau-Turbo ist bereits vom Kabinett beschlossen und liegt nun zur Beratung im Deutschen Bundestag. Mir war ganz wichtig, dass wir das zügig angegangen sind. Durch den Bau-Turbo haben die Gemeinden nun die Möglichkeit, deutlich schneller Wohnraum zu errichten. Er kann und soll dabei wie ein starker Hebel wirken, der nach klaren Spielregeln eingesetzt werden kann: Jedes Bauprojekt braucht die Zustimmung der Gemeinde, ohne geht es nicht. Sie kann bei der Entscheidung zudem auch ihre Bürgerinnen und Bürger mit ins Boot holen, wenn es für die Unterstützung des Bauprojektes sinnvoll erscheint. Dort, wo ich vorher manchmal fünf Jahre gebraucht habe, um einen Bebauungsplan aufzustellen, kann dies künftig nach zwei Monaten geschehen. Ein riesiger Fortschritt. Das gilt im Übrigen nicht nur für den Wohnungsbau, sondern auch für Kitas und Schulen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass die Gemeinden vom Bau-Turbo Gebrauch machen werden.
Die Baukosten sind in den letzten Jahren enorm gestiegen durch eine Verteuerung von Baumaterialien, Energie- und Arbeitskosten
DMWorum geht es bei der Nationalen Stadtentwicklungspolitik?
Bundesbauministerin Verena Hubertz
Die Nationale Stadtentwicklungspolitik ist seit fast 20 Jahren ein Instrument, Städte und Gemeinden bei ihrem Strukturwandel und einer integrierten Stadtentwicklung zu unterstützen. Wir arbeiten als Bund eng mit den Ländern und Kommunen zusammen. Ob es nun darum geht, die Städte zu begrünen, lokalen Handel wiederzubeleben oder Menschen in ihren Quartieren zu vernetzen – der Blick richtet sich auf das bessere Zusammenleben. Denn Städte, die für die Zukunft bereit sind, in denen leben auch Bürgerinnen und Bürger, die zukunftsbereit sind. Davon profitieren am Ende alle, deswegen arbeiten in diesem Prozess Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft zusammen. Bei unserem jährlichen Bundeskongress werden dieses Jahr in Rostock unter dem Leitthema: „Sozial. Produktiv. Grün – Quartiere gut gemacht“ aktuelle Lösungsansätze der Stadtentwicklung diskutiert.
DMFrau Ministerin, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.
Interview: Marie Wildermann
Nationale Stadtentwicklungspolitik Der 18. Bundeskongress Nationale Stadtentwicklungspolitik unter dem Thema „Sozial – Produktiv – Grün: Quartiere gut gemacht” vom 15.-17. September 2025 in der StadtHalle Rostock fokussiert sich auf die kooperative Quartiersentwicklung und den Austausch von Ideen für eine nachhaltige Stadtgestaltung. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft, Praxis und Zivilgesellschaft werden über zukunftsweisende Strategien für die Gestaltung von städtischen und ländlichen Räumen diskutieren.
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