Event

Treffen unterm Schanyrak

05.06.2024

In der Jurte im Garten der kasachischen Botschaft

Schanyrak heißt der Hauptteil einer Jurte, der eine Sicht auf das Blau des Himmels freigibt, ein Blau, das sich auf der kasachischen Flagge wiederfindet. Die Jurte gehörte untrennbar zum traditionellen, nomadischen Leben. Sie war das Zentrum der Familie, aber auch der wichtigste Versammlungsort der einflussreichsten Entscheidungsträger. Nach diesem Schanyrak ist ein neues Veranstaltungsformat benannt – von der Botschaft Kasachstans in Deutschland auf den Weg gebracht und unter der Schirmherrschaft des Diplomatischen Magazins. Das „Treffen unterm Schanyrak“ widmet sich kulturellen und historischen Themen.

Das erste Event Ende April stand ganz im Zeichen des Pferdes und der Geschichte seiner Domestizierung. Seit der Antike spielt das Pferd eine Schlüsselrolle im Leben der Nomaden. Der Pferdekult manifestiert sich in Glaubensvorstellungen und Bräuchen, zahlreiche kasachische Legenden und Sprichwörter sind den Pferden gewidmet.

Neben Botschafter S.E. Nurlan Onzhanov nahmen namhafte Experten und Wissenschaftler am „Treffen unterm Schanyrak“ teil, das die Geschichte der Pferdedomestizierung beleuchtete. Überschattet wurde die Veranstaltung von den aktuellen Ereignissen in Kasachstan. Botschafter Onzhanov sprach über die verheerenden Überschwemmungen in Kasachstan, die von der Weltöffentlichkeit kaum wahrgenommen würden, ebenso wenig wie die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen zur Eindämmung der Naturkatastrophe und zur Beseitigung der Folgen.

Nach der Einführung durch Botschafter Onzhanov referierte Dr. Anton Gaas, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums für Vor- und Frühgeschichte an den Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Er berichtete von den archäologischen Ausgrabungen der Grabhügel von Botai und Berel in Kasachstan. Die gefundenen Artefakte belegten die Domestizierung von Pferden hauptsächlich auf dem Gebiet des heutigen Kasachstan. Ausgrabungen der Siedlung Botai im Norden des Landes hätten deutlich gemacht, dass dieser Prozess vor etwa 5500 Jahren stattfand. Die Domestizierung der Pferde war die wichtigste technologische Errungenschaft der antiken Welt, so Dr. Gaas. Sie revolutionierte die Wirtschaft, die Kriegsführung und die Völkermigrationen.

Stefan Schomann, Autor des Buches „Auf den Spuren der Wildpferde“, berichtete von seiner Reise nach Kasachstan auf der Suche nach „Przewalski Pferden“, den „Urpferden“. Die Lesung aus seinem Buch entführte die Zuhörer in die atemberaubenden Steppen Kasachstans, in die Welt der Wildpferde und sie gab Einblicke in die komplexe Mensch-Natur-Beziehung.

In diesem Zusammenhang begrüßten die Teilnehmer die Pläne der Berliner und Prager Zoos, jeweils vier Przewalski-Pferde in ihren natürlichen Lebensraum in Kasachstan, in das Naturreservat Altyn Dala, im Juni dieses Jahres zu überführen.

Hans Zollmann, Gründer und Geschäftsführer der Zollmann GmbH, die seit mehr als sechs Jahrzehnten in Deutschland Kumys und verschiedene kosmetische Produkte aus Stutenmilch herstellt, sprach über die wohltuenden Eigenschaften und die therapeutische Wirkung von Kumys auf die Gesundheit.

Während der lebhaften Diskussion erörterten die Teilnehmer verschiedene Aspekte der Pferdedomestizierung, tauschten Meinungen aus und besprachen mögliche Ansätze für die weitere Forschung zu diesem Thema. Zum Abschluss gab es die Gelegenheit, eine authentische kasachische Jurte im Garten der Botschaft zu besichtigen und nationale Köstlichkeiten zu probieren.

Der Jurte atmosphärisch nachempfunden: In der kasachischen Botschaft in Berlin. v.l.: Sholpan Shynassylova, Gesandte der Botschaft; Dr. Anton Gaas; S.E. Nurlan Onzhanov; Stefan Schomann; Hans Zollmann