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Berliner Diplomatenviertel

05.01.2026

Blick in den Tiergarten

Das Tiergartenviertel in Berlin entstand im 19. Jahrhundert als weitläufige Villenkolonie. Ihre Bewohner waren reiche Bürger, Beamte, Künstler und Unternehmer. Erste diplomatische Vertretungen zogen bereits Ende des 19. Jahrhunderts dorthin, u.a. 1888 die kaiserliche Gesandtschaft Chinas.

Vom Villenviertel zum Diplomatenviertel
Weitere diplomatische Vertretungen folgten. Bis 1938 waren fast 40 Botschaften und nahezu 30 Konsulate im Tiergartenviertel vertreten. Zuvor hatten viele Botschaften in Berlin traditionell in der Nähe des Reichstags und in der Umgebung der Wilhelmstraße ihren Sitz; mit dem Zuzug vieler diplomatischer Vertretungen in das Tiergartenviertel änderte sich das. Es wurde zu Berlins zentralem Diplomaten-Hotspot.

NS-Regime
Unter dem nationalsozialistischen Regime und dessen städtebaulichen Ambitionen für eine sogenannte „Welthauptstadt Germania“ wurden ab Mitte der 1930er Jahre tiefgreifende Veränderungen geplant: Der westliche Teil des Tiergartenviertels sollte offiziell „Botschaftsviertel“ werden, mehrere Staaten errichteten dort Neubauten für ihre Gesandtschaften, u.a. Japan, Italien und Spanien.

Zweiter Weltkrieg
Der Zweite Weltkrieg zerstörte viele der prachtvollen Villen und historischen Botschaftsgebäude, ein großer Teil wurde so schwer in Mitleidenschaft gezogen, dass er abgerissen werden musste. Die politische Teilung Deutschlands und Berlins nach dem Krieg führte dazu, dass das angeschlagene Diplomatenviertel weiter verfiel. Zu den starken Kriegsschäden kam der spätere jahrzehntelange Leerstand, der den Häusern weiter zusetzte. 

Botschaften im geteilten Deutschland
Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland (BRD) 1949 wurde Bonn vorläufiger Regierungssitz der BRD. Damit verlegten auch viele diplomatische Vertretungen ihren Sitz nach Bonn, West-Berlin stand unter alliierter Aufsicht. Staaten, die die DDR anerkannten und Beziehungen zu ihr unterhielten, hatten ihre diplomatischen Vertretungen überwiegend in Ost-Berlin.

Wiedervereinigung und Rückkehr nach Berlin
Anfang der 1990er Jahre, nach der Wiedervereinigung Deutschlands, wurde Berlin wieder Hauptstadt. Der Umzug von Regierung und Verwaltung dauerte bis zur Jahrtausendwende. Im Zuge dieser Entwicklung kehrten viele Länder mit ihren Botschaften nach Berlin zurück.
Im alten Botschaftsviertel am Tiergarten entstanden und entstehen neue Botschaftsbauten, teilweise mit spektakulärer Architektur, die ihre Länder, ihre Kultur, Geschichte und Geografie auf faszinierende Weise repräsentieren und mit ihrer vielfältigen Architekturlandschaft Berlin als internationale Metropole bereichern.

Das Diplomatenviertel gehört heute zu einem der repräsentativsten und teuersten Wohn- und Botschaftsquartiere Berlins, rund 30 Botschaften haben hier heute wieder ihren Sitz. Die japanische Botschaft ist eine von ihnen. Exemplarisch soll sie hier vorgestellt werden. 

Die faszinierenden Geschichten aller anderen Botschaften im Tiergartenviertel lesen Sie in der Januar/Februar Print-Ausgabe des Diplomatischen Magazins, die  Anfang Januar 2026 erschienen ist. Zu beziehen über: redaktion@diplomatisches-magazin.de