Brücke zwischen Europa und Asien »

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    Brücke zwischen Europa und Asien
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    eit seiner Unabhängigkeit ist Turkmenistan auf dem Weg zu einer hocheffektiven und sozial orientierten Wirtschaft, die auch die politische Selbstständigkeit des Landes gewährt. Dank seiner Rohstoffvorkommen und der starken Landwirtschaft ist Turkmenistan dabei, sich in eine Industriemacht zu wandeln. In den Jahren der Unabhängigkeit entwickelte sich zusammen mit der Brennstoff- und Energieindustrie auch die Verarbeitungsindustrie, darunter die Erdölverarbeitung, die Chemie, der Maschinenbau, die Pharmazeutik sowie die Leicht-, Textil- und Lebensmittelindustrie. Privates Unternehmertum wird unterstützt, sodass der Privatsektor in naher Zukunft das Ziel von rund 65 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erreicht. Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) betrug das Wachstum der turkmenischen Wirtschaft 10,3 Prozent im Jahre 2014. Für das Jahr 2015 wird ein Wachstum von 9,5 Prozent prognostiziert.

    Eine dynamische Entwicklung gibt es auch in der verarbeitenden Brennstoff- und Energieindustrie. Derzeit werden Großprojekte mit einem Investitionsvolumen von 20 Milliarden Dollar realisiert, die sowohl die Erdgasförderung sowie den -export steigern als auch die Erdgasverarbeitung weiter vorantreiben sollen. Geplant sind zudem Erdgaschemie- und Chemieindustrie-Projekte im Wert von mehr als 30 Milliarden Dollar. Für eine beschleunigte Industrialisierung Turkmenistans spielt die Stromerzeugung eine wichtige Rolle. Für eine sichere Stromversorgung wurden moderne Gasturbinenkraftwerke, Stromfernleitungen und Stromverteilerstationen gebaut. Zudem wurde das gesamte System der Energieversorgung der Städte und Siedlungen modernisiert. So ist Turkmenistan heute in der Lage, nicht nur seinen eigenen Strombedarf zu decken, sondern auch Strom in die Nachbarländer zu liefern.

    Turkmenistan hat die Transportindustrie stabilisiert und neue Transport- und Kommunikationsnetze geschaffen. Eines der bedeutsamsten Projekte ist der Nord-Süd-Korridor, der als eine „Brücke zwischen Europa und Asien“ fungieren soll. Die Gesamtlänge der Eisenbahnlinie Kasachstan-Turkmenistan- Iran beträgt 925 Kilometer, wobei über das Territorium Turkmenistans der längste Streckenabschnitt verläuft. Die Eisenbahnlinie Turkmenistan-Afghanistan-Tadschikistan, mit deren Bau im Juni 2014 begonnen wurde, soll eine wichtige Verbindung im internationalen Verkehr zwischen den Ländern der asiatischen Region darstellen. In den nächsten Jahren entsteht am Kaspischen Meer ein neuer Hafen, der das wichtigste „Hafentor“ nicht nur Turkmenistans, sondern ganz Zentralasiens sein soll.

    Bei der zivilen Luftfahrt wird die Infrastruktur und Ausstattung modernisiert, was sowohl den Fracht- als auch den Passagierverkehr angeht. Das „Nationale Programm für die Entwicklung der zivilen Luftfahrt Turkmenistans von 2012 bis 2030“ sieht die Einführung innovativer Technologien, die Umsetzung neuer technischer Ideen und den Rückgriff auf die besten internationalen Erfahrungen vor. Das größte Projekt im Rahmen dieses Programms ist der Bau des neuen internationalen Flughafens in Aschgabat.

    Großes Potenzial hat auch die chemische Industrie, die eine der am schnellsten wachsenden Branchen ist. Die nationale Chemieindustrie produziert Mineraldüngemittel, Jod- und Schwefelprodukte, Medikamente, Gummiund Kunststoffprodukte sowie Wasch- und Reinigungsmittel. Als einer der weltweit größten Baumwollproduzenten erweitert Turkmenistan aktiv seine Verarbeitungskapazitäten: In der Textilindustrie arbeiten heute mehr als 30 große und mittelständische Unternehmen, Baumwollspinnereien und Webereien, die sich mit Dutzenden Bekleidungsfabriken vereint haben, um den vollen Produktionszyklus – von der Verarbeitung der Baumwollfaser bis zum Endprodukt – zu gewährleisten. So kann Turkmenistan aktuell rund 80 Prozent der hergestellten Textilerzeugnisse in mehr als 70 Länder der Welt liefern.

    text Annamammet Annayev

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