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Vom Overhead-Projektor zum interaktiven Whiteboard
Neue innovative Ansätze zur Digitalisierung in der Bildung bei Events in Berlin und München

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er erinnert sich nicht aus seiner Schulzeit an den guten, alten Overhead- Projektor? Dass dieser in der heutigen von der Digitalisierung bestimmten Welt noch längst nicht ausgedient hat, zeigt eine Sonderstudie zum Thema „Schule Digital“ der Initiative 21 aus dem letzten Jahr. Obwohl über drei Viertel der deutschen Bevölkerung online ist und fast jeder der 14-19-Jährigen ein Smartphone besitzt, ist die Digitalisierung in den deutschen Schulen noch nicht ganz angekommen. Das liegt zunächst an der unzureichenden IT-Infrastruktur an den Schulen, die zumeist auf die geringen finanziellen Möglichkeiten zurückzuführen ist. Die Studie der Initiative 21 zeigt auf, dass 71 Prozent der Schüler an Schulen noch einen Desktop-PC und nur 20 Prozent ein Notebook beziehungsweise zehn Prozent ein Tablet nutzen. Stark ist nach wie vor die Nutzung von Beamern (61 Prozent) und besagten Overhead-Projektoren (53 Prozent).

Dass die digitalen Hilfsmittel aber im Kommen sind, zeigt die Statistik auch, denn fast jeder dritte Schüler nutzte bereits ein interaktives Whiteboard. Diese Entwicklung freute im vergangenen Jahr auch den CEO des Cornelsen Verlags Mark van Mierle: „Gerade in einer heterogener werdenden Gesellschaft ist es wichtig, dass jeder junge Mensch seine individuellen Potenziale entfalten kann und seinem Wissen und Können entsprechend gefördert und gefordert wird.“ Zudem bräuchten Kinder seiner Meinung nach vielfältige Anregungen, sich mit anderen auszutauschen, in Fantasiewelten einzutauchen oder naturwissenschaftliche Phänomene zu entdecken, wofür gute digitale Infrastruktur an Schulen eine wichtige Voraussetzung sei.

Anfang Mai dieses Jahres gab es nun zwei Veranstaltungen, die sich mit dem Thema der digitalen Bildung beschäftigt haben: zum einen das Event „Bildung in der Cloud – Wie geht es weiter?“ in der Landesvertretung Schleswig-Holstein in Berlin und zum anderen der City Talk der Bavarian International School zum Thema „Future Learning“ auf dem neuen IS City Campus in der Münchner Leopoldstraße.

BILDUNG IN DER CLOUD
Am 5. Mai veranstalteten die Kultusministerkonferenz, das Land Schleswig-Holstein, das Bündnis für Bildung und die Stiftungsinitiative Forum Bildung Digitalisierung das Event „Bildung in der Cloud“, das in der Landesvertretung Schleswig-Holstein in Berlin stattfand. Dabei ging es um die Frage, wo Deutschland mit seinen Bildungsclouds steht und wo es hingehen soll. Obwohl es bisher noch keine einheitliche Definition dazu gibt, haben die Clouds im Bereich der Bildung die vorrangige Aufgabe, die Schüler zu unterstützen, Lernprozesse zu gestalten und vor allem die Bildungsmaterialien ort- und zeitunabhängig verfügbar zu machen. Dem liegt das sogenannte Cloud Computing (deutsch: Rechnerwolke) zugrunde, das die Bereitstellung von IT-Infrastruktur wie beispielsweise Speicherplatz, Rechenleistung oder Anwendungssoftware als Dienstleistung über das Internet anbietet.

Zum offiziellen Auftakt gab es zunächst ein Grußwort von Dirk Loßack, Staatssekretär im Ministerium für Schule und Berufsbildung des Landes Schleswig-Holstein. Danach wurde in fachlichen Vorträgen, Diskussionsrunden und thematischen Workshops die Bedarfssituation der Nutzer erörtert, wo drei Schulen zu Wort kamen. Darunter waren Wilfried Dülfer von der Oskar-von-Miller-Schule Kassel, Martin Fugmann vom Evangelisch Stiftischen Gymnasium Gütersloh und Günter Hoffmann von der Gemeinschaftsschule Bellevue Saarbrücken. Im Anschluss wurden Varianten von Cloud-Lösungen aus den verschiedenen deutschen Bundesländern vorgestellt, die es bereits in der Realität gibt. Paul Dieter Eschbach vom Ministerium für Schule und Weiterbildung des Landes Nordrhein- Westfalen stellte das Programm „Logineo NRW“ vor, das in öffentlicher Regie entwickelt sowie gehostet wurde und insbesondere auf den Datenschutz Wert legt.

Als Nächstes präsentierte Egon Birner das vom Landesmedienzentrum Bayern und dem Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst entwickelte Programm „mebis“. Hier sind bereits rund 700.000 Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler von über 3.600 Schulen registriert, die in virtuellen Klassenräumen gemeinsam an Projekten arbeiten können. Außerdem werden Lehrkräften Beratungs- und Fortbildungsangebote online zur Verfügung gestellt. Abschließend stellte Catrina Grella vom Hasso-Plattner- Institut die sogenannte „Schul-Cloud“ vor, die auch vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie dem nationalen Excellence- Schulnetzwerk MIN-TEC mitentwickelt wurde. Dabei sollen Lehrern und Schülern flächendeckende neueste, professionell gewartete IT-Systeme bereitgestellt werden, die den Zugriff auf ein breites Spektrum an digitalen Lerninhalten erleichtern. In einem ersten Pilotprojekt wird das zunächst an 26 Schulen in 13 Bundesländern getestet.

FUTURE LEARNING
Am 4. Mai fand mit dem ersten „Be Inspired City Talk“ eine weitere Veranstaltung zum Thema „Future Learning“ statt, die von der Bavarian International School e. V. (BIS) organisiert wurde. Dabei diskutierten etwa 100 internationale Gäste aus Wirtschaft, Politik und Bildung am BIS City Campus in München. Zur Eröffnung äußerte sich die BIS-Schuldirektorin Dr. Chrissie Sorenson: „Der Wandel in der Gesellschaft von heute und in der Zukunft führt zu neuen Herausforderungen in der Bildung. Wir stellen uns dieser Aufgabe und finden für das Lehren und Lernen der nächsten Generation neue Lösungsansätze.“ Der Zukunftsexperte Roger Spindler vom Zukunftsinstitut Frankfurt und Bern stimmte die Veranstaltung mit seinen Denkanstößen zum „Lernort Zukunft“ ein und resümierte: „65 Prozent der heutigen Schulkinder werden zukünftig ihre Karriere in Berufen starten, die uns zum heutigen Tag noch nicht bekannt sind. Kreativität im Umgang mit Wissen und Methoden, Flexibilität bei der Suche nach dem Lernort der Wahl und Virtualität als Spiel zwischen Forderung und Herausforderung werden an Relevanz gewinnen.“

Zudem waren sich die Panel-Experten von Allianz, Microsoft, Henley Business School und der Neuen Sammlung – Design Museum bei der Diskussion einig, dass die sogenannten Soft Skills, also die sozialen Kompetenzen, für eine erfolgreiche Berufslaufbahn in der Zukunft neben der formellen Bildung deutlich an Gewicht gewinnen werden. So meinte die Konservatorin Petra Hölscher von „Die Neue Sammlung München – The International Design Museum Munich“: „Offenheit und Neugierde nicht nur für die neuen digitalen, sondern auch für die traditionellen analogen Welten sind der Garant dafür, dass man die Freiheit hat, das zu tun, was man möchte.“ Abschließend zeigte sich der Head of Education von Microsoft Teodor Milev „überzeugt davon, dass die neuen digitalen Technologien ausschließlich einen Mehrwert sowohl für Schüler als auch Lehrer mit sich bringen.“ Der nächste Be Inspired Education Summit, der unter dem Motto „Believe. Inspire. Succeed“ veranstaltet wird, findet am 13. Oktober 2017 im Schloss Haimhausen statt.

SCHULEN BEREITS IM DIGITALEN WANDEL
Auch wenn es an den meisten Schulen noch an der IT-Infrastruktur mangelt, so ist die digitalisierte Gesellschaft doch schon längst auch in der Bildung angekommen. Bei der Hardware nimmt der Einsatz von Tablets oder interaktiven Whiteboards zu, während bei der Software die ersten Cloud-Programme entwickelt werden. In den nächsten Jahren werden wir sehen, ob diese Innovationen in den Schulalltag eingepflegt werden können. Der Overhead-Projektor wird dann hoffentlich ausgedient haben.

Text Markus Feller

Bilder: 1 = Campus of Excellence (flickr.com) | 2, 3 = Forum Bildung Digitalisierung | 4, 5, 6 = BIS – Bavarian International School e. V.