„Home Is Where Your Heart Is“ » Interview mit Nikolaus Ziegert, Geschäftsführer und Gründer der Ziegert Bank- und Immobilienconsulting GmbH

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„HOME IS WHERE YOUR HEART IS“
Interview mit Nikolaus Ziegert, Geschäftsführer und Gründer der Ziegert Bank- und Immobilienconsulting GmbH. Die Ziegert-Gruppe bietet nicht nur für das Diplomatische Corps einen Rundum-Service an. Neben Immobilienberatung, Interieur und Vermietungsservice hilft das Team auch jederzeit gerne mit Behörden, Banken und Finanzierungen.

Herr Ziegert, Sie haben 1985 als Makler in Berlin angefangen. Wann sind Sie nach Berlin gezogen und wie und wo haben Sie zuerst gewohnt?

Ich bin 1981 nach Berlin gezogen, in ein 11-Quadratmeter-Zimmer für 80 Mark zu einer Familie nach Wilmersdorf. Beim Einzug habe ich erfahren, dass die Wohnung im Parterre lag, ich als Babysitter vorgesehen war und im Stadtbad nebenan duschen musste. Ich fand das amüsant und habe noch lieber dort gewohnt, als mir später ein eigenes Waschbecken eingebaut wurde.

Die Wohnungsnot hat heute gefühlt ähnliche Dimensionen wie in der 80er Jahren. Wohnen Sie immer noch zur Untermiete oder mittlerweile im Eigentum

Ich bin tatsächlich aktuell Mieter und habe mich bis heute noch nicht für einen festen Wohnsitz entscheiden. Ich wechsle gerne die Bezirke und bin eher ein Reisender – am Wochenende bin ich zuweilen auch öfter auf dem Land. Dort haben wir mittlerweile auch einige Objekte und ich bin viel auf unseren Baustellen.

Sollten Diplomaten mieten oder kaufen?

Wir wollen für neue und temporäre Berliner alles möglich machen, was nachgefragt wird: Wohnen auf Zeit, möbliertes Wohnen und individuell auf die Bedürfnisse zugeschnittenes Eigentum. Eine Immobilie ist für Familien eine wichtige Entscheidung – dabei beraten wir auch bei Lage und Infrastruktur nach bestem Wissen und Gewissen. Unser Team betreut die zunehmend internatonale Klientel sehr individuell und ich habe auch immer mehr Makler und Mitarbeiter, die unsere Kunden aus über 70 Nationen sprachlich betreuen können.

Berlin ist, wie Hamburg auch, in so genannte Kieze aufgeteilt. Woher kommt dieser Begriff?

Über den Begriff ist sich weder die Fachwelt noch die Forschung einig – auch ich kann keine kurze Antwort darauf geben. Für mich ist das Leben in einem Kiez eher ein Gefühl – Berlin bestand früher aus vielen kleinen Dörfern, mit Marktplatz, Kirche, daneben Kneipen und ein Wochenmarkt, auf dem man sich mit den Nachbarn traf. Das ist im Wesentlichen so geblieben. Die Berliner veranstalten Hoffeste und schon in den 80er Jahren wurden hier Dächer begrünt. In einem gesunden Kiez leben Menschen, die sich diesen zu eigen machen, aber auch Verantwortung für ihre Umgebung übernehmen. Berliner gießen den Baum vor ihrer Tür, legen Blumenbeete an und regeln Fehlverhalten in der Community auf Berliner Art. Sie wirkt auf Neuberliner oft ruppig, kommt aber immer von Herzen. Das macht für mich bis heute ein Kiezgefühl aus.

Woher kommt diese spezielle Berliner Kultur?

Aus vielen historischen Gründen, die Berlin von jeher geprägt haben – eine große Rolle in der jüngeren Geschichte spielen auch die Studenten-Revolten der 1968er Jahre sowie die Hausbesetzer-Zeiten in den 80ern. Berlin ist außerdem seither der größte Heiratsmarkt der Welt – hierher kommen junge, selbstbewusste Frauen, die gerne bleiben, weil sie die moralischen Repressionen ihrer Dörfer und Kleinstädte nicht mehr aushalten. Außerdem gibt es hier moderne Männer, die kochen, während Frauen und Freunde in der Wohnküche beim Gemüse schnipseln über Politik diskutieren. Und während sich die ganze Welt über Berlin lustig macht, weil hier Flughäfen oder Opernhäuser erst Jahre später oder vielleicht nie fertiggestellt werden, zuckt der Berliner mit der Schulter und trinkt entspannt mit den Nachbarn ein Bier oder Bionade. Die Stadt ist frei und verrückt – hier leben Menschen aus allen Nationen – jeder kann hier nach seiner Fasson friedlich leben.

In welchen Kiezen fühlen sich Ihrer Meinung nach Diplomaten besonders wohl?

Ich persönlich würde innerstädtische Bezirke wie Charlottenburg, Dahlem, Grunewald, Schöneberg und Wilmersdorf und im ehemaligen Ostteil der Stadt Mitte, Prenzlauer Berg oder Pankow empfehlen. Berlin hat bis heute keine Gated Communities und hier ist die Nachbarschaft eher bürgerlich, man fühlt sich sicher und es gibt internationale Kindergärten und Schulen.

Eigentumswohnungen sind erst seit dem Fall der Mauer in Berlin sehr gefragt. Wer sind die Käufer der von Ihnen entwickelten Projekte?

Berlin wächst pro Jahr um rund 42.000 Menschen. Neben sanierten Altbauten haben wir insbesondere auch Neubauprojekte im Porfolio. Nach einer Phase von Groß-Investoren und Konsortien, die eher an einem schnellen Return on Investment interessiert waren, kaufen heute Alt- und Neuberliner – überwiegend gebildete und individuelle Menschen, die sich bewusst für Berlin entscheiden und sich hier beruflich oder wegen des großartigen Kulturangebots und der weltweit berühmten Berliner Lebenskultur niederlassen. Überall in der Welt wird Berlin positiver wahrgenommen als in Deutschland. Auch als Investitionsstandort.

Ist Berlin noch ein guter Investitionsmarkt für Immobilien oder zieht die Karawane schon weiter?

Wir sind jetzt in Stunde Null, was Eigentum angeht. Während Berlin früher eher für Spekulanten spannend war, steigen zwar die Preise, was zu Recht von Mietern bemängelt wird, aber politisch reguliert werden muss. Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und helfen mit unserer Stiftung für bezahlbaren Wohnraum. Dennoch geraten wir jetzt in eine Phase, indem man verlässliche Investments tätigen und eine gute Rendite erhalten kann. Die Stadt ist auf dem besten Weg zu einer Metropole von Weltrang. Berlin ist auch nicht mehr arm, aber sexy – wie es unser ehemaliger Bürgermeister Klaus Wowereit in seinem aktuellen Buch „Sexy, aber nicht mehr so arm: mein Berlin“ auch gerade schreibt – sondern einer der sichersten Immobilienstandorte der Welt. Die Preise sind im internationalen Vergleich immer noch günstig und die Einkommen steigen. Außerdem sind nicht nur Immobilien auf der Landkarte von internationalen Investoren. Wir sind interessiert an einem gesunden Wachstum der Stadt und bauen nicht nur für Diplomaten, sondern auch für ganz normale Familien und Studenten. Deshalb setzen wir uns seit Jahren aktiv in der gesellschaftlichen und politischen Debatte für eine stärkere Eigentumsförderung ein, da Wohneigentum der Schlüssel zur persönlichen Selbstverwirklichung und finanziellen Absicherung im Alter ist. Dieses Engagement wird auch durch die Überzeugung getragen, dass Wohneigentum mit einer Verantwortung für den eigenen Kiez und die eigene Nachbarschaft einhergeht.

INTERVIEW Fanny Zschau

Bilder: 1 = Suza Schlecht