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CEBIT SPECIAL

Selbstfahrende Busse, inspizierende Drohnen und Cyber-Sicherheit
LANGE ZEIT WAR DIE CEBIT in Hannover die größte Computermesse der Welt. Mit mehr als 210.000 Fachbesuchern hat sie immer noch eine ganze Menge Innovationen zu bieten. Vom 20. bis 24. März 2017 präsentierte sich die diesjährige CeBIT unter dem Motto „d!conomy – no limits“. Das Partnerland Japan war mit 120 Unternehmen unter den insgesamt 3.300 Austellern aus 70 Ländern omnipräsent und zeigte insbesondere bei humanoiden Robotern seine Expertise. Davon konnten sich auch diverse Diplomaten überzeugen, die dieses Jahr beim „Botschafter-Rundgang“ vom Auswärtigen Amt dabei waren.

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ass ausgerechnet Hannover seit vielen Jahren, zumindest für ein paar Tage, im Mittelpunkt der weltweiten Computertechnik steht, würde sicherlich nicht jedem sofort in den Sinn kommen – den Namen CeBIT bringen damit schon mehr Menschen in Verbindung. Die Messe CeBIT steht für Centrum für Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation und findet seit über 30 Jahren in jedem ersten Jahresviertel auf dem Messegelände Hannover statt und wird von der Deutsche Messe AG (DMAG) veranstaltet.

In diesem Jahr hat das Auswärtige Amt einen „Botschafter-Rundgang“ organisiert, dem rund 30 Diplomaten sowie Wirtschaftsvertreter gefolgt sind. Darunter waren beispielsweise die Botschafterin von Jamaika I.E. Margaret Jobson, die Botschafterin von Brunei Darussalam I.E. Rakiah Hj Abd Lamit und der Botschafter von Belarus S.E. Denis Sidorenko sowie diverse Wirtschafts- und Handelsattachés der Botschaften der USA, von Russland, Kuba, Griechenland, Indonesien, Argentinien, Ghana, Belgien, Madagaskar und Ungarn. Hoch oben in der Dachetage des Bürogebäudes 1 mit Blick über das gesamte Messegelände begrüßten Dr. Andreas Gruchow, Mitglied des Vorstandes der Deutsche Messe AG, und Andrej Gross, Repräsentant in Ostdeutschland beziehungsweise Hauptstadtrepräsentant der Deutsche Messe AG, die hochrangigen Gäste. Dabei berichtete Gruchow in seiner Begrüßungsrede, dass die damalige „Hannover Messe“ 1947 nach dem Krieg durch die britischen Besatzer initiiert wurde und seit 1950 den Bereich „Büroindustrie“ beherbergte – quasi als Vorläufer der CeBIT. Der weltweite Erfolg stellte sich aber erst mit der Errichtung der Halle 1 CeBIT – „Centrum der Büro- und Informationstechnik“ ein, die 1984 sogar ins Guinness-Buch der Rekorde als weltgrößte Messehalle aufgenommen wurde. Gruchow berichtete weiter, dass 1986 auf der ersten Ce- BIT schon über 330.000 Besucher waren, was sich mit der Entwicklung des Internets in den 90er-Jahren weiter steigerte. Auf dem Höhepunkt 2001 kamen gar über 830.000 Besucher. Heute ist diese Zahl zwar etwa auf ein Viertel von damals gefallen, was aber auch daran liege, dass die CeBIT sich mittlerweile auf das Fachpublikum spezialisiert habe und der Boom natürlich nicht mehr in dem Maße da sei wie um die Jahrtausendwende.

DIPLOMATEN BESUCHEN DIVERSE IT-UNTERNEHMEN
Der „Botschafter-Rundgang“ umfasste mehrere Stationen wie beispielsweise bei den Unternehmen IBM, SAP, Cyberdyne, der TÜV NORD AG, der Bundesdruckerei GmbH, dem Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung IGD oder dem Digitalverband Bitkom. Auf der ersten Station bei IBM berichtete Nils Hullen, Senior Manager Government and Regulator Affairs, über Innovationen im Bereich der Künstlichen Intelligenz wie die kognitiven Systeme im Computerprogramm IBM Watson. Dieses wird unter anderem bei Japans erfolgreichstem Roboter namens „Pepper“ eingesetzt, der beispielsweise als „Bankangestellter“ Auskunft geben kann. Außerdem wird das Programm im selbstfahrenden „Olli Bus“ angewendet, einem Kleinbus, der sich ohne Lenkrad und Fahrer bewegt. Beim nächsten Stopp stellte Hitoshi Masuda, Director General von JETRO Berlin, in der Halle des Partnerlandes Japan, diverse Unternehmen vor. Besonders eindrucksvoll war der Vortrag von Ikuo Kudo vom Roboterhersteller Cyberdyne, der ein Exoskelett vorstellte, das Menschen mit Gehbehinderungen helfen kann, wieder zu laufen. Beim nächsten Halt stellten Bastian Pauly und Michaela Henrichfreise ihren Verband Bitkom e. V. vor, der sich besonders für eine innovative Wirtschaftspolitik, die Modernisierung des Bildungssystems und eine zukunftsorientierte Netzpolitik einsetzt. Auf seinem Hauptstand „hub@CeBIT“ brachte Bitkom führende Akteure der digitalen Transformation zusammen, die ihre innovativen Lösungen und Produkte vorstellen konnten. So stellte dort zum Beispiel die Media- Saturn-Holding ihren Roboter Paul vor, der zukünftig Kunden beraten soll. Aber auch viele Start-ups konnten sich hier präsentieren.

Einer der größten deutschen Hersteller auf der Messe war SAP, deren Vice President Government Relations Middle and Eastern Europe (MEE) Mike Cosse sowie Johann Christia an Peters den Diplomaten Rede und Antwort standen und unter anderem über die digitale Transformation von Flughäfen sprachen. Dazu gehöre beispielsweise die Vernetzung von intelligenten Geräten sowohl im Aviation- Bereich wie dem Gepäcktransport auf dem Rollfeld als auch im Non-Aviation-Bereich wie der Gastronomie. Als nächster Punkt stand die TÜV NORD AG auf dem Plan, die sich vor allem mit der IT-Sicherheit beschäftigt und durch die Leiterin der Konzernrepräsentanz Tuesday Porter vorgestellt wurde. Außerdem sprach Markus Bartsch von der TÜV Informationstechnik GmbH (TÜVIT), die zur Unternehmensgruppe TÜV NORD gehört und sich auf Themen wie Datenschutz und Cyber Security spezialisiert hat. Abschließend folgte ein Besuch beim Stand der Bundesdruckerei GmbH, die von Thomas Morian vorgestellt wurde. Großes Interesse zeigten die Diplomaten insbesondere, als Veridos-CEO Hans Wolfgang Kunz dort einen neuartigen Drucker für Ausweisdokumente erklärte. Die sogenannte Mini-Fabrik „ID MiniFab“ hat den Vorteil, Sicherheitsdokumente besonders kosteneffizient, schnell und sicher im Sinne der „Industrie 4.0“ zu fertigen

TOP-TRENDS 2017: KÜNSTLICHE INTELLIGENZ UND CYBER-SICHERHEIT
Wie bereits eingangs erwähnt, war das diesjährige Partnerland der CEBIT 2017 Japan omnipräsent, da es mit rund 120 Unternehmen auf 7.200 Quadratmetern Ausstellungsfläche vertreten war. Auf der sogenannten „Global Conference“ mit über 200 Vortragenden auf drei Bühnen sprachen unter anderem der führende japanische Robotik-Forscher HiroshiIshiguro. Mit provokanten Einschätzungen zum Thema „Psycho-Targeting“ im Vorfeld politischer Wahlentscheidungen sorgte der Social-Media-Spezialist Michal Kosinski für Aufsehen. Damit war besonders der Wahlsieg Donald Trumps gemeint, dessen Wählergunst zu einem nicht geringen Anteil gezieltem Marketing auf Facebook zugeschrieben wird. Als bekanntester Vertreter wurde sogar Whistleblower Edward Snowden aus seinem russischen Exil per Live-Video zugeschaltet. Nach seiner Einschätzung sei es dank der fortschreitenden Ausbreitung von Verschlüsselungstechnologien für Angreifer inzwischen schwieriger, an Daten zu kommen, wobei das goldene Zeitalter für Geheimdienste Realität bleibe.

Neben den interessanten Vorträgen wurde die CeBIT 2017 vor allem mit eindrucksvollen Showcases erlebbar gemacht, die die Entwicklung im „Internet of Things“ gezeigt haben. Darunter waren etwa ein Kleinbus, der dank künstlicher Intelligenz die Fragen von Passagieren beantwortet, oder Drohnen, die Inspektionen an Industrieanlagen durchführen können. Besonders spannend war beispielsweise auch die neue Technologie LTE-V2X von Vodafone, wodurch Fahrzeuge direkt kommunizieren können und so Unfälle vermieden werden können. Dabei sollen vernetzte Autos beispielsweise Informationen zur Geschwindigkeit, zur Position und zum Spurwechsel direkt an alle Fahrzeuge im Umkreis von 320 Metern senden. Die Telekom wiederum stellte die stromsparende Technik Narrowband-IoT zur Vernetzung von Wohn- und Geschäftsgebäuden vor, ebenso den Mobilfunkstandard 5G, der ab dem Jahr 2020 Milliarden von Maschinen und physischen Produkten den Datenaustausch in Echtzeit ermöglichen soll.

NÄCHSTE CEBIT IM SOMMER 2018
Mit mehr als 210.000 Fachbesucher und über 3.300 Ausstellern aus 70 Ländern war die CeBIT 2017 gut aufgestellt. Die große Bedeutung, die die Messe immer noch hat, zeigte etwa der gemeinsame Besuch des japanischen Premierministers Shinzō Abe und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ein kleiner Makel wird zudem bald behoben: Da im März für gewöhnlich das Wetter nicht so mitspielt, wird die CeBIT im nächsten Jahr erstmals im Sommer stattfinden, genauer gesagt vom 11. bis zum 15. Juni 2018. Oliver Frese, Vorstand der Deutschen Messe AG, fasste Rückblick und Vorfreude bereits gut zusammen: „Digitalisierung zum Anfassen, ein Partnerland der Innovation und ein inhaltliches Programm der Spitzenklasse – die CeBIT 2017 geht rundweg erfolgreich zu Ende. Diese starke CeBIT 2017 im Rücken gibt uns den Schwung für die neue CeBIT im Juni 2018.“

Text Markus Feller

Bilder: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 19, 20, 21, 22 = Rainer Jensen / Deutsche Messe | 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18 = Markus Feller