Interview » Petra Baader über Unternehmensgrundsätze, die deutsch-norwegische Freundschaft und ihr Erfolgsgeheimnis

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„BAADER steht weltweit für Beständigkeit, Zuverlässigkeit und Innovation“
Seit 92 Jahren gibt BAADER in der Nahrungsmittelbearbeitung international den Kurs an und macht Fisch und Geflügel zum Filet. Petra Baader steht als erfolgreiche Geschäftsfrau nicht nur dem Weltmarktführer für Fischverarbeitungsmaschinen, der Nordischen Maschinenbau Rud.Baader GmbH+Co.KG vor, sondern fördert als Lübecks Honorarkonsulin für Norwegen auch die engen Beziehungen zum skandinavischen Nachbarn. Im Interview mit dem Diplomatischen Magazin sprach Petra Baader über Unternehmensgrundsätze und Innovationen, die deutsch-norwegische Freundschaft sowie Ihr ganz persönliches Erfolgsrezept.

„Woher der Wind auch bläst, Fisch und Fischunternehmen werden sich jeder Lage anzupassen wissen“

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ie BAADER Gruppe hat es geschafft, mit seinen Fischverarbeitungsmaschinen im vergangenen Jahr in das Lexikon der Deutschen Weltmarktführer aufgenommen zu werden. Was ist Ihr Erfolgsgeheimnis?

Unser Unternehmen blickt auf eine lange, erfolgreiche Geschichte zurück. 1919 wurde die Nordische Maschinenbau Rud.Baader GmbH+Co.KG in Lübeck von meinem Großvater, dem Ingenieur Rudolph M. J. Baader gegründet, mittlerweile sind wir einer der größten Steuerzahler Schleswig-Holsteins. Mein Großvater entwickelte die weltweit erste Köpf- und Entgrätungsmaschine für Hering, die die Fischbearbeitung revolutionierte. Bis zu jenem Zeitpunkt wurden all diese Arbeiten manuell durchgeführt. Diesen Technologievorsprung haben wir gehalten und versuchen zudem, ihn kontinuierlich auszubauen. Daher liegt ein besonderes Augenmerk unseres Unternehmens auf der Forschung; circa 10 Prozent unserer Mitarbeiter arbeiten an neuen Entwicklungen. So können wir ständig mit neuen Innovationen punkten. Wie Bundeskanzlerin Angela Merkel richtig bemerkte, hat der Mittelstand Deutschland stark gemacht, und wir sehen uns – und natürlich den Mittelstand im Allgemeinen – als wichtigen Innovationsträger. Gerade erst wurde eine neue Lachs-Filetiermaschine, die Baader 581, vorgestellt. Diese Maschine wird aufgrund Ihres Designs und Ihrer Funktionalität als revolutionär beschrieben. Neben unseren zuverlässigen Lösungen sind unsere weltweite Präsenz, das faire Preis-Leistungs-Verhältnis, exzellente Qualität sowie eine hohe Flexibilität ausschlaggebend. BAADER steht weltweit für Beständigkeit, Zuverlässigkeit und Innovation. Diesem Ruf auch in Zukunft gerecht zu werden, ist unsere Aufgabe. Ich bin aber sehr zuversichtlich und halte mich da an das Motto meines Großvaters: „Woher der Wind auch bläst, Fisch und Fischunternehmen werden sich jeder Lage anzupassen wissen.“

Ihr Unternehmen stellt jedoch nicht nur Fischverarbeitungsmaschinen her. Was sind weitere Erzeugnisse und könnte hier die Zukunft des Unternehmens liegen?

Das zweite wichtige Standbein sind für BAADER die Geflügelbearbeitungsmaschinen. Mit der Übernahme der US-Firma Johnson Food Equipment 1997 sowie dem Zusammenschluss mit der dänischen Firma LINCO Food Systems 2007 sind wir zum drittgrößten Anbieter für Geflügelverarbeitungsmaschinen aufgestiegen. Fisch- und Geflügelbearbeitung machen 95 Prozent unseres Gesamtumsatzes aus. Damit sind wir sehr gut für die Zukunft aufgestellt, denn wo Fisch und Geflügel gegessen wird, da werden auch exzellente Bearbeitungsmaschinen benötigt. Aber natürlich bleiben wir immer am Ball. So haben wir mit der Pourkian Group, dem Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik sowie der chinesischen SAN’AN Technology Group ein Abkommen über die strategische Zusammenarbeit unterzeichnet, zukünftig Super-Bio-Lebensmittel in Europa und China vertreiben zu wollen. Ziel dieser Zusammenarbeit ist es, die in der Vergangenheit gestiegene Nachfrage nach Bio-Produkten in den Wachstumsmärkten Europa und China aktiv mit Fisch- und Geflügelfleisch zu bedienen. Seit mehr als 40 Jahren ist BAADER zudem auch in anderen Bereichen der lebensmittelbearbeitenden Industrie tätig. Wir stellen Spezialmaschinen und -anlagen wie Weichseparatoren für die industrielle und handwerkliche Fisch-, Geflügel-, Fleisch-, Obst- und Gemüsebearbeitung her. Es handelt sich hierbei um Maschinen zur Entsehnung von Rotfleisch und Geflügel, zur Gewinnung von Restfleisch an Sehnen und Knochen, zum Separieren von Obst und Gemüse sowie zur Rückgewinnung fehlverpackter Produkte. So haben wir uns mit unseren Fischbearbeitungsmaschinen, die Weltmarktführer sind, unserem starken Standbein auf dem Gebiet der Geflügelbearbeitung, unseren BAADER Weichseperatoren sowie unserer Arbeit im Bereich Super-Bio-Lebensmittel vielseitig und gut für die Zukunft aufgestellt.

BAADER-Auszubildende schneiden statistisch nachweislich mit besonders guten Leistungen ab. Woran liegt das?

Wir freuen uns sehr, dass junge Menschen sich für eine Ausbildung bei uns interessieren und versuchen natürlich, ihnen die bestmögliche Ausbildung angedeihen zu lassen. Denn auch hier zahlt sich das Bemühen um Nachhaltigkeit aus. BAADER bildet Industriemechaniker, Mechatroniker und Zerspanungsmechaniker aus, außerdem Industriekaufleute sowie Fachinformatiker. Zudem bieten wir ein duales Studium für die Studiengänge Wirtschaftsinformatik, Informatikingenieurswesen sowie Wirtschaftsingenieurswesen an. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen hat die hiesige Politik und Wirtschaft bereits gewarnt anzunehmen, dass auch ohne ihr Zutun eine jüngere Generation nachrücke, die besser qualifiziert sei als die jetzigen Arbeitnehmer. Auch wir Unternehmer sind in der Pflicht, und wir bei BAADER nehmen diese Aufgabe ernst. Unser Ziel ist es, qualifizierte Mitarbeiter für unser Unternehmen auszubilden. Indem wir unsere zukünftigen Mitarbeiter ausbilden und sie dabei bestmöglich fördern und fordern, wirken wir dem Fachkräftemangel effektiv entgegen. Dass die Statistik und der Erfolg dabei für uns sprechen, bestärkt uns natürlich und zeigt, dass wir auf einem sehr guten Weg sind.

Ihr Unternehmen kooperiert mit der Nordakademie, der privaten Hochschule der Wirtschaft mit Sitz in Elmshorn. Welche konkreten Projekte gibt es hier und was ist für die Zukunft geplant?

Das wirtschaftsnahe Konzept der Nordakademie und die Trägerschaft unseres Unternehmensverbandes Nordmetall haben uns bereits sehr früh nach der Gründung begeistert. Wir haben daher beschlossen, die entwicklungs- und vertriebsbezogenen Positionen im Unternehmen soweit wie möglich durch unseren eigenen Nachwuchs zu besetzen. Dadurch arbeiten wir sehr eng mit der Hochschulleitung der Nordakademie zusammen, damit die theoretischen Anteile der Hochschule und die praxisorientierte Ausbildung im Unternehmen optimal aufeinander abgestimmt sind.

Welche Grundsätze haben Sie, bei dem was Sie tun immer beherzigt?

In unserem Unternehmen steht der Mensch ganz klar im Mittelpunkt allen Tuns, als Mitarbeiter, als Kunde, als Konsument. Meine Grundsätze beziehen sich daher vor allem auf den Umgang mit ihnen. Als Geschäftsführerin eines Unternehmens mit über tausend Mitarbeitern weltweit weiß ich, dass unsere hochqualifizierten und motivierten Mitarbeiter unser wichtigstes Kapital sind. Bedingungen zu schaffen, die den Mitarbeitern Lust auf Leistung machen, muss immer das Ziel sein. Ein fairer, menschlicher Umgang mit unseren Mitarbeitern ist damit einer der wichtigsten Grundsätze. Hierzu zähle ich übrigens auch die Mitarbeiter unserer Kunden. Sie arbeiten mit unseren Maschinen und Anlagen, daher werden diese so konzipiert, dass die Sicherheit dieser Mitarbeiter in höchstem Maße gewährleistet werden kann. Der Kunde steht bei uns als Unternehmen natürlich im Mittelpunkt der Arbeit. Mir geht es darum, immer gewährleisten zu können, dass wir dem Kunden ein bestmöglicher und verlässlicher Partner sind. Und natürlich spielen auch Konsumenten der Produkte, die unsere Kunden herstellen, eine wichtige Rolle. Um den zu Recht hohen Ansprüchen der Konsumenten zu genügen, sind unsere Maschinen und Anlagen für die höchsten hygienischen Ansprüche konzipiert. Ich halte es hier mit dem Ausspruch des Bundespräsidenten Christian Wulff: „Nur wo Verantwortung gelebt wird, stellt sich auch dauerhaft Vertrauen ein.“ Hinter jedem meiner Grundsätze steht also immer der Mensch.

„Circa 10 Prozent unserer Mitarbeiter arbeiten an neuen Entwicklungen“

Seit 1996 leiten sie das norwegische Honorarkonsulat in Lübeck. Wie kam es, dass sie Honorarkonsulin wurden?

Schon seit der Gründung der Nordischen Maschinenbau Rud.Baader GmbH+Co.KG durch meinen Großvater, Ingenieur Rudolph M. J. Baader, im Jahr 1919 bestehen zu Norwegen intensive Verbindungen. Der Fischreichtum der norwegischen Gewässer bildete die Grundlage für Geschäftsbeziehungen, die sich rasch entwickelten. Unsere Tochterfirma in Aalesund, das zentrale Ersatzteillager in Tromsø und die Servicestation in Berlevag halten heute den Kontakt zwischen der Fischereiindustrie Norwegens und der Firma BAADER aufrecht und bauen ihn weiter aus. Zudem hat die Teilnahme von BAADER an zahlreichen Messen in Norwegen unsere enge wirtschaftliche Bindung zu diesem Land unterstrichen. Bereits mein Vater war Honorarkonsul von Norwegen und hat sich sehr für die engen Beziehungen eingesetzt. Nun setze ich die Arbeit meines Vaters fort, mit großer Leidenschaft.

S.M. König Harald von Norwegen hat Sie 2008 mit dem norwegischen Verdienstorden „Ritter 1. Klasse“ ausgezeichnet. Wie kam das?

Ich wurde aufgrund meiner Verdienste um die Stärkung der norwegisch-deutschen Beziehungen, sowohl im geschäftlichen als auch im kulturellen Bereich, ausgezeichnet. Diese Auszeichnung durch S.M. König Harald von Norwegen war natürlich eine große Ehre für mich, da sie mein Wirken als geschäftsführende Gesellschafterin von BAADER und als Honorarkonsulin von Norwegen anerkannt hat. Als Honorarkonsulin Norwegens in Lübeck fördere ich in meinem Amtsbezirk aktiv norwegische Interessen gegenüber Behörden, Wirtschaft und im Kulturleben. Als Geschäftsführerin von BAADER freue ich mich, dass unser Unternehmen enge Kontakte zur norwegischen Fischereiindustrie hat und intensiv pflegt. Beide Aspekte spielen eine enorm wichtige Rolle für mich.

Was war Ihre Reaktion auf die Attentate auf der Insel Utöya und in Oslo, bei der so viele – vor allem junge Menschen – ums Leben gekommen sind?

Mich haben die schrecklichen Ereignisse tief erschüttert. Die Anschläge in Norwegen haben uns vor Augen geführt, dass so etwas überall passieren kann, aber auch, dass Extremismus jeglicher Art in der Breite der Gesellschaft" keine Zustimmung hat. Ich bin sehr berührt davon, wie das norwegische Volk diese nationale Tragödie gemeinsam bewältigt, wie fest es zusammensteht und seine Werte hochhält. Und ich bin beeindruckt vom mutigen Bekenntnis des norwegischen Ministerpräsidenten Jens Stoltenberg zu mehr Demokratie, Offenheit und Humanität.

Können Sie die besonderen Beziehungen zwischen Norwegen und Schleswig-Holstein beschreiben?

Die Beziehungen zwischen Norwegen und Schleswig-Holstein gehen viele hundert Jahre zurück und sind auch heute noch sehr eng. Beide waren dänischer Herrschaft" unterworfen, zeitweise gleichzeitig, und die Handels- und Schifffahrtsbeziehungen waren seit der Hanse-Zeit sehr eng. Die Konsulate in Kiel und Lübeck beispielsweise sind 1906 errichtet worden, um die Interessen der norwegischen Handelsflotte zu wahren. Das norwegische Königshaus entstammt zudem Glücksburg, einer kleinen Stadt in der Nähe von Flensburg. Auch kulturell ist die Zusammenarbeit zwischen Norwegen und Schleswig-Holstein sehr eng. Es gibt regelmäßig norwegische Kulturveranstaltungen in Schleswig-Holstein. Dazu kommen Veranstaltungen, die einen Fokus auf die Region haben, wie das Literaturfestival Nordostpassagen, das alle zwei Jahre Schriftsteller und Literaturinteressierte aus der Ostsee-Region vereint. Morten Paulsen, der fünf Jahre norwegischer Generalkonsul in Hamburg war und vor einigen Monaten nach Oslo zurückgekehrt ist, hatte sich 2006 sehr für die Wiedereröffnung des norwegischen Generalkonsulats in Hamburg eingesetzt, da auch er der Beziehungen Norwegens zu Norddeutschland eine große Bedeutung beimisst. Norwegen und Schleswig-Holstein verbindet nach wie vor ein starkes Band, worüber ich sehr froh bin.

Durch Ihren beruflichen Alltag sind Sie auch besonders qualifiziert für das Amt der norwegischen Honorarkonsulin: Fischfang und -handel sind norwegische Tradition. Was darüber hinaus verbinden Sie persönlich und was das Honorarkonsulat in Lübeck mit Norwegen?

Die Hansestadt Lübeck hat natürlich allein aufgrund ihrer Lage an der Ostsee eine hohe Affinität zu allen skandinavischen Ländern, Hanse war früher sehr wichtig. Doch auch wenn man es global betrachtet, stehen sich Deutschland und Norwegen ebenfalls sehr nahe. Auch der norwegische Botschafter in Deutschland S.E. Sven Erik Svedman betont ja, dass Deutschland das Land ist, das Norwegen neben den nordischen Nachbarn am nächsten steht, politisch, wirtschaftlich und kulturell. Darüber hinaus ist aber Norwegen auch schlicht ein wunderschönes Land, das touristisch viel zu bieten hat. Die facettenreichen Landschaft lädt förmlich dazu ein, dieses tolle Land zu besuchen. Besonders bekannt ist da natürlich das Nordkap. Die Fjorde laden ein zum Angeln und die großen wie kleinen Orte strahlen eine besondere Gemütlichkeit aus. Ich bin sehr stolz, dieses Land als Honorarkonsulin repräsentieren zu dürfen.

text Beate Baldow | fotos Evelin Frerk

Bilder: 1, 2, 3 = unbekannt