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„DIE VAE STREBEN DANACH, WELTWEIT EINER DER WICHTIGSTEN AKTEURE IM BEREICH DER ERNEUERBAREN ENERGIEN ZU WERDEN.“
Nach dem Boom ist vor dem Boom – vor nicht einmal 50 Jahren standen die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) noch unter dem Protektorat von Großbritannien. Dann entdeckten die Herrscher der Emirate die Entwicklungschancen, die sich mit der Förderung des Erdöls ergaben. Kurz darauf wurde die Unabhängigkeit erlangt, die Föderation der sieben Emirate beschlossen und dann erfolgte der rasante Aufstieg des Wüstenstaats. Heute schauen die VAE optimistisch in die Zukunft. S.E. Ali Abdulla Mohamed Saeed Alahmed repräsentiert das Land als Botschafter in Deutschland. Mit dem Diplomatischen Magazin sprach er im Interview über die nationalen und internationalen Veränderungen, die hartnäckigen Vorurteile und zukünftige Investitionen.
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err Botschafter, die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) bestehen aus den sieben Emiraten Abu Dhabi, Adschman, Dubai, Fudschaira, Ra's al- Chaima, Sharjah und Umm al-Qaiwain und sind seit 1971 unabhängig. Wie hat sich Ihr Land in den vergangenen nahezu 50 Jahren verändert?

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben seit ihrer Gründung eine enorme Entwicklung in allen Bereichen durchlaufen. So wurde die Volkswirtschaft komplett so umstrukturiert, dass Erdöl die Landwirtschaft und die Perlenfischerei als Hauptressourcen bei der Staatsentwicklung ersetzt hat. Danach hat die Phase der Wirtschaftsdiversifizierung angefangen, um das Staatseinkommen schrittweise vom Erdöl unabhängig werden zu lassen. Dies hat dazu geführt, dass die Vereinigten Arabischen Emirate zu einem am internationalen Wirtschaftsmodell orientierten Staat der Produktionsvielfalt geworden sind, der auf dem Prinzip der Aneignung von Wissen und auf Zukunftspotenzial basiert ist. So sind die VAE zu einem angesehenen internationalen Wirtschafts- und Finanzzentrum geworden.

Die Entwicklungspläne haben zur Verbesserung des Lebensstandards der Bürger der VAE beigetragen. Die Gesetze gewähren Frauen und Männern die gleichen Chancen, vor allem im Bildungsbereich. Dies führte dazu, dass Frauen in den VAE höchste Führungspositionen besetzten und Entscheidungsträgerinnen in allen Arbeitsbereichen wurden. Derzeit werden 22,2 Prozent der Sitze im Nationalparlament von Frauen besetzt, die damit die höchste Beteiligungsrate im Vergleich zu sämtlichen Parlamenten in Nahost haben. Außerdem nehmen die VAE international einen hohen Platz auf dem Human Development Index im Human Development Report der Vereinten Nationen ein.

In den vorigen vier Jahrzehnten haben die Vereinigten Arabischen Emirate einen enormen Aufschwung im Bildungsbereich erlebt. So gab es in den Siebzigerjahren des 20. Jahrhunderts nur wenige Jungenschulen, heute aber stehen alle Bildungs- beziehungsweise Ausbildungsmöglichkeiten an den zahlreichen Bildungseinrichtungen der Emirate allen Bürgern gleichermaßen zur Verfügung. Viele renommierte und international bekannte Hochschulen haben derzeit Ableger in den VAE, in denen alle Menschen auf höchstem akademischen Niveau studieren können.

„Frauen in den VAE besetzen höchste Führungspositionen und sind Entscheidungsträgerinnen in allen Arbeitsbereichen.“

Außerdem durchliefen die VAE eine enorme Entwicklung im Gesundheitswesen. So waren die Gesundheitsfürsorge und medizinische Dienstleistungen vor der Einheit der Föderation sehr bescheiden. Nach der Vereinigung aber knüpfte die Regierung ein landesübergreifendes, breites Netz von Krankenhäusern und Gesundheitszentren, die für die Gesundheit der Menschen in allen Bereichen des Gesundheitssektors Sorge tragen. Das wirkte sich sicherlich sehr positiv auf die gesundheitliche Verfassung der Einwohner in den Vereinigten Arabischen Emiraten aus.

An dieser Stelle darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass die VAE eine der wichtigsten Reisedestinationen auf internationaler Ebene geworden sind. Dies ist auf die einzigartige Verbindung aus der Schönheit der alten Tradition und der Eleganz und dem Wohlstand der Moderne in den VAE zurückzuführen. Auch deswegen ist die Tourismusbranche zu einer der Hauptquellen des Staatseinkommens geworden.

Vereinigte Arabische Emirate
Offizieller Name: Vereinigte Arabische Emirate Bevölkerung: 9,27 Millionen Staatsform: Föderale Erbmonarchie
Hauptstadt: Abu Dhabi Bevölkerungsdichte: 111 Einwohner pro km² Regierungschef: Premierminister Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktum
Fläche: 83.600 km² Amtssprache: Arabisch Nationalhymne: ʿĪschī bilādī

Die Innenpolitik der VAE wird durch die herrschenden Familien, die Stammesverbände und einflussreiche Kaufleute bestimmt. Ihr Land gilt in der Region als Vorbild für Liberalität und Toleranz wie etwa bei der aktiven Frauen-Förderungspolitik. Jedoch werden Bürgerrechte wie Meinungsund Versammlungsfreiheit oder die Rechte der Millionen ausländischen Arbeitnehmer noch als ausbaufähig eingestuft. Mit welchen Maßnahmen will Ihre Regierung auch diese Rechte stärken?

Was Meinungsfreiheit angeht, möchte ich hier betonen, dass im Artikel 30 des Grundgesetzes der VAE, das im Jahre 1971 verfasst wurde, die Freiheit der schriftlich, mündlich oder anderweitig geäußerten Meinung ausdrücklich gewährleistet wird. Des Weiteren ist hier auch zu erwähnen, dass die VAE eine lange Geschichte und ein festes Fundament für Toleranz und kulturelle und religiöse Koexistenz aufweisen. Die Regierung bot den Einwohnern aus mehr als 200 Nationen in den sieben Emiraten einen gesetzlichen Rahmen, der ihre Glaubensrichtungen schützt, ihre Traditionen und Normen respektiert und die Freiheit der Religionsausübung garantiert. Das alles geschieht in einem transparenten und gerechten Rahmen, der religiösen, konfessionellen und ethnischen Fanatismus grundsätzlich ausschließt. Außerdem haben die staatlich geförderten Aktivitäten und Initiativen im Bereich der Kultur, Kunst und Bildung für ein tieferes Verständnis von Toleranz und Verständigung gesorgt und zur Verbesserung des Bewusstseins für das nationale und Welterbe geführt. Somit bieten die VAE ein lebendiges Beispiel für die positive, konstruktive Interaktion zwischen den unterschiedlichen Kulturen, Sprachen und Religionen in einer heterogenen Gesellschaft.

Der Schutz der Rechte von ausländischen Arbeitskräften ist zu einer staatlichen Priorität geworden. Die VAE sind ein attraktiver Arbeitsort und dementsprechend einer der größten Aufnehmer ausländischer Arbeitskräfte weltweit. Das nutzt sowohl den Arbeitern als auch deren Herkunftsländern und natürlich auch den VAE. Die VAE haben neun Abkommen der Internationalen Arbeitsorganisation ratifiziert, die sich auf Arbeiterrechte beziehen. Außerdem wurden zahlreiche gesetzliche Regelungen zum Schutz von Arbeiterrechten erlassen, sowohl bei den Einstellungs- und Tarifregelungen als auch bei den Aufenthalts- und Krankenversicherungsgesetzen. Die tägliche Arbeitszeit wurde auf acht Stunden beschränkt, wobei in den Sommermonaten in den Freihandelszonen von 12:30 Uhr bis 15:00 Uhr ein Arbeitsverbot herrscht. Die VAE haben auch viele Absichtserklärungen mit den Herkunftsländern der Gastarbeiter, die auf die Verstärkung der Zusammenarbeit im Bereich des Arbeiterschutzes abzielen. Die Regierung hat beim Schutz der Gastarbeiter vor Gesetzwidrigkeiten der Vermittlungsagenturen große Fortschritte gemacht. So sind die Entrichtung einer Provision durch potenzielle Gastarbeiter in den VAE und die Beschlagnahmung von Reisepässen gesetzlich unzulässig. Die Ausreise bedarf keiner Erlaubnis des Arbeitgebers. Außerdem ist der Arbeitgeber verpflichtet, auf eigene Kosten eine umfassende Krankenversicherung für seine Arbeitnehmer abzuschließen. Es gibt strikte Regeln, die dafür sorgen, dass den Arbeitnehmern eine angemessene Unterkunft gewährleistet wird. Die Gehälter und Honorare für mehr als drei Millionen Arbeiter werden durch das Lohnschutzsystem ausgezahlt.

Außenpolitisch suchen die VAE den engen Schulterschluss mit starken islamischen und arabischen Partnern wie Ägypten, westlichen Partnern wie den USA und asiatischen Partnern wie Südkorea und Japan. Mit welchen Ländern bestehen die stärksten Kooperationen?

Die Vereinigten Arabischen Emirate räumen ihren Nachbarn in der Golfregion die höchste Priorität ein, da sie für sie die erste direkte Schnittstelle zur Außenwelt darstellen. Einen ähnlich hohen Stellenwert in der Außenpolitik der VAE hat sicherlich auch die arabische Welt, da diese für die erste politische Verteidigungsfront und strategische Sicherheit steht und vor allem die kulturelle Hochburg repräsentiert, mit der sich die VAE identifizieren. Die VAE verfolgen das Prinzip der Förderung von Sicherheit, Frieden und nachhaltiger Entwicklung in der ganzen Welt. Dieses Prinzip ist essenziell für die Außenpolitik unseres Landes. Als internationaler politischer Akteur kommen die VAE ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Nachbarn und der Weltgemeinschaft für Frieden und Stabilität in der Region konsequent nach. Sie bauen Brücken für Austausch und Partnerschaften und betonen Werte wie Toleranz, Mäßigung und Respekt gegenüber anderen Kulturen und Religionen sowie die Wichtigkeit, eine interaktive und gleichzeitig ausgeglichene Beziehung zur Weltgemeinschaft – insbesondere zu den Vereinten Nationen und den ihnen zugehörigen Organisationen – aufzubauen.

Gemeinsam mit Deutschland engagieren sich die VAE im Rahmen der Freundesgruppe des syrischen Volkes durch den Ko-Vorsitz der Arbeitsgruppe wirtschaftlicher Wiederaufbau und Entwicklung sowie des „Wiederaufbaufonds Syrien“. Mit welchen konkreten Maßnahmen trägt Ihre Regierung zur Konfliktbefriedung in Syrien bei?

Die VAE betonen, dass die Syrienkrise nur durch politische Mittel in einem internationalen Rahmen gelöst werden kann. Alle Parteien müssen diesen Rahmen einhalten und auf jegliche Form von Gewalt und Eskalation verzichten. Die VAE haben stets ihre Sorge in Anbetracht der sich immer weiter verschlechternden Situation der Menschen in Syrien geäußert und setzen unablässig ihr humanitäres Engagement fort: So haben sich die VAE auf der Internationalen Konferenz in Brüssel am 4. Mai verpflichtet, den vom Krieg betroffenen Syrern 68 Millionen US-Dollar bereitzustellen und auf der UNHRC-Konferenz im September 2016 in New York erklärt, in den kommenden fünf Jahren bis zu 15.000 syrische Flüchtlinge aufnehmen zu wollen. Im selben Jahr betrugen die Ausgaben der VAE für humanitäre Hilfe 1,12 Prozent des Anteils am Bruttoinlandsprodukt.

Seit dem Ausbruch der Krise im Jahre 2011 haben die VAE insgesamt 1,1 Milliarden US-Dollar für humanitäre Hilfe ausgegeben. In Jordanien haben sie das Flüchtlingslager Mrajeeb Al Fhood errichtet, in dem die Menschen ein in Anbetracht der Lage relativ gutes Bildungsangebot und medizinische Versorgung bekommen. Im November hat eine EU-Parlamentarierdelegation das Flüchtlingslager besucht. Außerdem haben die VAE in der griechischen Stadt Larissa, circa 360 Kilometer von Athen entfernt, ein großes Flüchtlingslager aufgebaut.

„Seit dem Ausbruch der Syrienkrise im Jahre 2011 haben die VAE insgesamt 1,1 Milliarden US-Dollar für humanitäre Hilfe ausgegeben.“

Im Rahmen der Freundesgruppe des syrischen Volkes und der Arbeitsgruppe Wirtschaftlicher Wiederaufbau und Entwicklung sowie des „Wiederaufbaufonds Syrien“ helfen die VAE den Syrern durch Förderung der Initiativen zum Wiederaufbau von Infrastruktur in den von der Opposition kontrollierten Regionen. Der Wiederaufbaufonds arbeitet mit lokalen Hilfsorganisationen zusammen, die die Kontinuität der Zulieferung zusichern. Gefördert werden zunächst Projekte, die Grundbedürfnisse an Strom, Wasser, Kanalisation, Nahrung, Bildung und Gesundheit erfüllen. Nach Ende der Krise wird der Fonds zusammen mit anderen Geldgebern wie UN und Weltbank den Wiederaufbau der Infrastruktur in Syrien fördern.

Mit den sechst- beziehungsweise siebtgrößten Öl- und Gasreserven weltweit, einem Pro-Kopf–Einkommen von circa 38.000 US-Dollar und einem internationalen Anlagevermögen von geschätzt mehreren hundert Milliarden Euro gehören die VAE zu den reichsten Staaten und finanzkräftigsten Investoren weltweit. Welche Investitionsbereiche sind für Ihr Land besonders interessant?

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind mit einem sehr großzügigen Einkommen aus ihren Ölreserven, aber auch mit einer klugen Führung gesegnet, die in den letzten Jahrzehnten eine klare Vision und das Mandat innehatte, die Wirtschaft der VAE zu diversifizieren, um deren Abhängigkeit von Einkünften aus dem Handel mit Öl zu verringern. Ein Teil dieses Plans basiert auf einem aggressiven Investitionsprogramm – sowohl intern als auch international. Von 2003 bis Ende 2015 bezifferten sich die Investitionstätigkeiten der VAE im Ausland auf 2456 Projekte, die von emiratischen Unternehmen implementiert wurden. Diese Projekte beschäftigen um die 572.300 Arbeitnehmer, die Investitionskosten belaufen sich auf ungefähr 297,4 Milliarden US-Dollar. 2014 lag die Bilanz der ausländischen Direktinvestitionen der VAE bei 66,3 Milliarden Dollar. Die meisten dieser Investitionen werden über die Abu Dhabi Investment Authority durchgeführt – den Staatsfonds des Landes, der als drittgrößter Staatsfonds weltweit gilt. Das Sovereign Wealth Fund Institute schätzt, dass die Abu Dhabi Investment Authority über ein Vermögen von 800 Milliarden US-Dollar verfügt.

Infolge des niedrigen Ölpreises ist das Wirtschaftswachstum deutlich zurückgegangen und hat im vergangenen Jahr nur noch 2,7 Prozent gegenüber den 3,9 Prozent im Jahr 2015 betragen. Ihre Regierung hat die Verluste unter anderem durch die Reduzierung der Subventionierung für Strom, Wasser und Benzin abgefangen. Ab 2018 soll eine Mehrwertsteuer in Höhe von fünf Prozent dazukommen. Welche weiteren Maßnahmen plant Ihre Regierung diesbezüglich?

Die starke Struktur der Wirtschaft hat dem Staat dabei geholfen, sich an die neuen Ölpreise anzupassen. Um den erfolgreichen wirtschaftlichen Kurs fortzusetzen, werden derzeit grundsätzliche Reformen im Wirtschaftssystem unternommen, die auf die Diversifizierung der Wirtschaft, Verbesserung des Geschäftsklimas, Förderung der Einkommensressourcen und Stärkung der staatlichen Institutionen abzielen. Hier muss ich die Diversität des Wirtschaftssystems der VAE verdeutlichen: So kommen etwa 70 Prozent der Staatseinnahmen nicht aus der Erdölbranche. Das führte dazu, dass die VAE im Vergleich zu anderen Golfstaaten vom Fall des Ölpreises am geringsten beeinträchtigt war. Trotzdem hat der Staat einige Maßnahmen eingeführt, um den neuen Umständen zu begegnen. Dazu gehören der Verkauf von Staatsanleihen, die Reduzierung der Subventionierung für Kraftstoff, die Einführung der Mehrwertsteuer, Gebühren für Flughäfen und Hotels und die Preiserhöhung für bestimmte Getränke.

Bis 2030 sollen sieben Prozent der Stromversorgung in den VAE aus erneuerbaren Energien stammen. Besonders das Emirat Abu Dhabi ist dabei Vorreiter im Bereich der Sonnenenergie und hat beispielsweise seit 2011 den Sitz der International Renewable Energy Agency (IRENA) inne. Mit welchen konkreten Projekten will Ihre Regierung den Anteil erneuerbarer Energien weiter stärken?

Die VAE streben danach, einer der wichtigsten Akteure weltweit im Bereich der erneuerbaren Energien zu werden. So hat sich das Emirat Abu Dhabi das Ziel gesetzt, den Anteil der erneuerbaren Energien im Energiemix bis 2030 auf sieben Prozent zu erhöhen. Deshalb hat Abu Dhabi zahlreiche Projekte ins Leben gerufen, in denen hauptsächlich Photovoltaik-Anlagen und Sonnenwärmekraft eingesetzt werden. Das Projekt „Masdar City“, das vom Energiekonzern Masdar gegründet wurde, ist eines der größten Solarenergieprojekte weltweit und umfasst ein Forschungszentrum für Technologien erneuerbarer Energien. Im Emirat Sharjah errichtet der Energiekonzern Masdar eine Anlage zur Verwandlung von Abfall zu Energie. In diesem Projekt werden 300.000 Tonnen fester Abfälle verarbeitet statt deponiert. Außerdem plant die Strom- und Wasserbehörde der VAE in den nördlichen Gebieten ein Projekt zur Erzeugung von Energie mit bis zu 200 Megawatt.

In Dubai hat S.H. Scheich Muhammad bin Raschid Al Maktum, der Vize-Präsident der VAE und Emir von Dubai, im Januar 2012 den Mohammed bin Rashid Al Maktoum Solar Park angeregt, der als weltweit größte Solaranlage an einem Standort gilt und auf dem Independent Power Producer Model basiert. Das Projekt wird eine Energieleistung von 700 Megawatt erzeugen und vier Milliarden US-Dollar kosten. Die Anlage unterstützt die Ziele von „Dubais Strategie für saubere Energie 2050“, die darauf abzielt, dass der Anteil erneuerbarer Energien in Dubais Energiemix sieben Prozent im Jahr 2020, 25 Prozent bis 2030, und 75 Prozent im Jahr 2050 beträgt, und dadurch Dubai zu einem Weltzentrum für saubere Energie und grüne Wirtschaft macht.

Neben der Sicherheits- und Wirtschaftspolitik genießt die Bildungspolitik in den VAE höchste Priorität. Der Auf- und Umbau des dortigen Bildungssektors wird insbesondere durch die großzügige Stipendienvergabe an emiratische Studenten beziehungsweise im Schulbereich durch staatliche Investitionen und internationale Zusammenarbeit gefördert. Welche Projekte würden Sie hervorheben wollen?

Die emiratische Verfassung garantiert das Recht aller Bürgerinnen und Bürger der VAE auf Schulbildung. Die Bildung gehört zu den Prioritäten der Regierung des Landes. In diesem Sektor wird immens viel investiert, wie zum Beispiel in den Bau von neuen Schulen und in die Schulreform. Die VAE unterstützen den Ausbau von internationalen Schulen wie der Deutschen Schule in Abu Dhabi, um nur ein Beispiel zu nennen. Diese Politik trägt wesentlich zur Verbesserung des Schulsystems bei. Darüber hinaus bestehen Kooperationen mit anderen Partnern auf diesem Gebiet zur Verbesserung und Entwicklung des Berufsausbildungssystems. Das Ministerium für Erziehung und Hochschulwesen der VAE hat einen Strategieplan 2010-2020 verabschiedet, der vorsieht, das gesamte Schulsystem auf höchstem Niveau zu entwickeln, um den Schülerinnen und Schülern beziehungsweise Studierenden in den Vereinigten Arabischen Emiraten die größtmöglichen Chancen für die Ausbildung zu garantieren und damit die Vision der Emirate bis 2021 umzusetzen.

Der Schulsektor gilt als einer der wichtigsten Pfeiler des Abu- Dhabi-Plans 2030. Dieser Plan zielt darauf ab, alle Lebensbereiche innerhalb der Regierungsinstitutionen mit hochqualifiziertem Personal zu besetzen. Gemäß diesem Plan sollen die VAE eine der fünf besten Regierungen weltweit und eine hochentwickelte Wirtschaft mit angemessenem Know-how haben. Eines der wichtigsten Projekte im Bereich Bildungswesen ist das „Mohammed Bin Rashid Smart Learning Programme“, das bereits 2012 verabschiedet wurde. Dieses Programm basiert auf der Grundlage der Vernetzung von Wirtschaft mit Know-how, technischem Fortschritt und Bildung. Bei der Implementierung des Programms gehen das Ministerium für Erziehung und Hochschulwesen, die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und der Ministerrat Hand in Hand. Die Finanzierung des Programms, das alle Schulen der Vereinigten Arabischen Emirate umfasst, erfolgt für die Dauer der ersten fünf Jahre durch die Regulierungsbehörde für Telekommunikation.

Auch das Gesundheitswesen in den VAE ist qualitativ hochwertig, wofür laut Weltgesundheitsorganisation allein fast drei Prozent des BIP verwendet werden. Zudem sind Dubai und Abu Dhabi nach Jordanien zweit- beziehungsweise drittbeliebtestes Ziel des Gesundheitstourismus in der Region. Warum ist Ihrer Regierung das Thema so wichtig?

Erfolg im Leben setzt einen gesunden Menschenverstand und einen gesunden Menschen voraus. Aus diesem Grund beinhaltet die Nationalagenda 2021 die Etablierung eines Gesundheitssystems nach höchsten internationalen Standards. Die Regierung der VAE wird gemeinsam mit allen zuständigen Institutionen im Gesundheitssektor dafür sorgen, dass die öffentlichen und Privatkrankenhäuser nach genau diesen Standards arbeiten und ihre Dienste anbieten. Dazu gehören qualifizierte Ärzte und Gesundheitspersonal, Gesundheitspräventionsmaßnahmen, Krebsvorsorge sowie gute Behandlung von Diabetes und Herzerkrankungen. Außerdem beinhaltet die Agenda das Ziel, den Tabakkonsum im Land zu reduzieren und das Gesundheitssystem auf die medizinischen Herausforderungen der Moderne vorzubereiten, damit die VAE im Jahr 2021 zu den Ländern mit der besten Gesundheitsfürsorge weltweit gehören können.

Im kulturellen Bereich gibt es zwischen Deutschland und den VAE mittlerweile eine gute Zusammenarbeit, was beispielsweise die Kooperation zwischen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, dem Sharjah Museums Department sowie dem Goethe-Institut in den vergangenen Jahren zeigte. Welche Projekte sind diesbezüglich noch in Planung?

Das Sharjah Museums Department hat bereits im Jahr 2013 eine Kooperationsvereinbarung mit den Staatlichen Museen zu Berlin (Stiftung Preußischer Kulturbesitz) und dem Goethe-Institut unterzeichnet. Dabei geht es um die Förderung und den Ausbau der Museen in Sharjah, Fortbildungsmaßnahmen für Museumspersonal und Berufsausbildungsinitiativen. Diese Kooperation dient ebenfalls dem direkten Austausch zwischen den Menschen beider Kulturen. Die VAE nehmen stets an wichtigen kulturellen Ereignissen in Deutschland, wie zum Beispiel der Internationalen Frankfurter Buchmesse, teil. Dr. Sultan bin Muhammad al-Qasimi, der Emir von Sharjah, besucht jedes Jahr die Frankfurter Buchmesse, wo er seine neuen Bücher vorstellt. Darüber hinaus gibt es Bemühungen von emiratischer und deutscher Seite, die kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen auszubauen. Es bestehen bereits Kooperationen zwischen deutschen und emiratischen Universitäten. Im Jahr 2012 hat die Regierung der Vereinigten Arabischen Emirate mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) eine Vereinbarung über Studien- und Austauschprogramme unterzeichnet. Es ist außerdem wichtig zu erwähnen, dass wir deutsche Schulen in Abu Dhabi, Sharjah und Dubai haben. In Zusammenarbeit zwischen der Abu Dhabi Music & Arts Foundation und dem „me Collectors Room Berlin / Stiftung Olbricht“ wurde in Berlin die Ausstellung „Portrait of a Nation“ aus den VAE gezeigt. Daran nahmen mehr als 50 emiratische Künstlerinnen und Künstlern teil. Die Ausstellung wurde sehr gut besucht, die Werke und das Begleitprogramm kamen beim Publikum gut an.

Die Vereinigten Arabischen Emirate ziehen mit ihrer Mischung aus gigantischen modernen Bauten und exotischer Welt aus Kamelen und Karawanen jährlich Millionen Touristen an. Welche Highlights würden Sie persönlich empfehlen?

In der Tat ist die Mischung aus Tradition, wie man sie unter anderem in den alten Souks erleben kann, und Moderne ein Markenzeichen der Vereinigten Arabischen Emirate und ein Sehnsuchtsort für Besucher aus der ganzen Welt. Doch die VAE sind auch ein Schmelztiegel verschiedener Kulturen und Ethnien. Gerade dies repräsentiert das Global Village in Dubai. Naturliebhaber kommen auf Safari-Reisen durch Al-Ain oder in der atemberaubenden Gebirgslandschaft von Ra's al-Chaima voll auf ihre Kosten.

Interview Markus Feller

Bilder: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 = Mohamed El-Sauaf