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„SÜDAFRIKA IST AKTUELL EINES DER ATTRAKTIVSTEN SCHWELLENLÄNDER.“
Südafrika ist seit Jahrzehnten untrennbar mit seinem Volkshelden Nelson Mandela verbunden, der vor knapp fünf Jahren verstorben ist. Dieses Jahr wäre „Madiba“, so sein traditioneller Clanname, 100 Jahre alt geworden, wozu es derzeit in Berlin eine Ausstellung gibt. Und im nächsten Jahr jährt sich sein Vermächtnis, das Ende der Apartheid, zum 25. Mal. Doch noch läuft nicht alles optimal in der zweitgrößten Volkswirtschaft des afrikanischen Kontinents. Nach dem Rücktritt von Jacob Zuma ist seit Anfang des Jahres Cyril Ramaphosa Präsident. Er steht nun vor der schweren Aufgabe, das schwache Wirtschaftswachstum der letzten Jahre und die hohe Arbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen. Als einziges afrikanisches Mitglied in der G20 steht Südafrika außenpolitisch wiederum gut da. Als drittgrößter Exporteur von Agrarprodukten in der Welt und mit seinen erheblichen Rohstoffreserven hat der Staat am Kap der Guten Hoffnung durchaus einiges zu bieten.

Der südafrikanische Botschafter S.E. Phumelele Stone Sizani hat während seiner Zeit als politischer Häftling auf Robben Island „Madiba“ regelmäßig getroffen. Im Interview mit dem Diplomatischen Magazin spricht er außerdem über das neue afrikanische Freihandelsabkommen, ein Programm für erneuerbare Energien und Südafrikas Forschungslandschaft.
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err Botschafter, im kommenden Jahr jährt sich das Ende der Apartheid in Südafrika zum 25. Mal. Sie selbst waren von 1976 bis 1982 politischer Gefangener auf Robben Island, wo auch Nelson Mandela gleichzeitig inhaftiert war. Wie hat sich Ihr Land seit 1994 verändert?

„Am 1. Mai wurde der erste nationale Mindestlohn in Südafrika eingeführt.“

Südafrika hat sich seit 1994 dramatisch verändert. Wir waren lange Zeit ein gespaltenes Land und dadurch von der Weltgemeinschaft ausgeschlossen. 1994 verabschiedeten wir dann eine der umfassendsten Verfassungen zum Schutz der Freiheiten unserer Völker, die jede Form von Vorurteilen und Marginalisierung, die auf „Rassen“, Glauben, Geschlecht oder sexueller Orientierung beruhen, beseitigen wollte. Wir haben mehrere wirtschaftsund sozialpolitische Reformen und Initiativen zur Bewältigung der Herausforderungen von Armut, Ungleichheit und Arbeitslosigkeit eingeleitet. Wir haben den „National Development Plan“ (NDP) als Blaupause angenommen, die dasjenige Land vorsieht, das wir bis 2030 sein wollen.

Präsident Cyril Ramaphosa nannte in seiner Rede zur Lage der Nation nur einige Beispiele für die fortschrittlichen Errungenschaften Südafrikas seit 1994, zum Beispiel, dass das kostenlose Grundversorgungsprogramm derzeit mehr als 3,5 Millionen bedürftige Haushalte unterstützt. Jeden Monat werden mehr als 17 Millionen Sozialbeihilfen bezahlt, die ungefähr einem Drittel der Bevölkerung zugutekommen. Derzeit sind fast eine Million Studierende immatrikuliert, 1994 waren es nur etwas mehr als 500.000.

Seit dem 15. Februar dieses Jahres ist Cyril Ramaphosa als neuer Präsident im Amt, nachdem Jacob Zuma nach Korruptionsvorwürfen zurückgetreten war. Unter Zumas Regentschaft gab es jahrelang ein schwaches Wirtschaftswachstum und eine hohe Arbeitslosigkeit, die aktuell bei etwa 27 Prozent liegt. Mit welchen Maßnahmen möchte Ihre neue Regierung hier Besserung schaffen?

Da sich Südafrika in eine neue Ära begibt, sind wir entschlossen, auf diesen Errungenschaften aufzubauen, uns den Herausforderungen zu stellen und die Fortschritte beim Aufbau einer wohlhabenderen und gerechteren Gesellschaft zu beschleunigen. Südafrika hat klare Maßnahmen ergriffen, um die Zweifel an politischer Stabilität auszuräumen, und ist entschlossen, für politische Sicherheit und Kohärenz zu sorgen. Das Geschäftsklima unter den südafrikanischen Unternehmen hat sich verbessert und ausländische Investoren suchen nach neuen Möglichkeiten in unserem Land. Mit dem derzeitigen Parlament haben unsere öffentlichen Beschäftigungsprogramme mehr als 3,2 Millionen Arbeitsplätze geschaffen.

Einige Finanzinstitute haben Südafrika als eines der attraktivsten Schwellenländer für 2018 identifiziert. Eine der Initiativen, die die Regierung ergreifen wird, um zukünftig noch mehr Arbeitsplätze zu schaffen, ist die Einberufung eines „Arbeitsgipfels“ in den nächsten Monaten, um die Bemühungen aller Sektoren und Interessengruppen zu bündeln. Der Gipfel wird sich damit befassen, was wir tun müssen, um sicherzustellen, dass unsere Wirtschaft wächst und produktiver wird, dass die Unternehmen in viel größerem Umfang investieren, dass die Arbeitnehmer besser ausgestattet sind und dass unsere wirtschaftliche Infrastruktur ausgebaut wird. Es wird erwartet, dass dieser Gipfel nach praktischen Lösungen und Initiativen sucht, die sofort umgesetzt werden können.

Die Regierung hat sich verpflichtet, in diesem Jahr einen wichtigen Anstoß zu geben, um bedeutende neue Investitionen in unsere Wirtschaft zu fördern. Zu diesem Zweck wird Südafrika eine Investitionskonferenz organisieren, die sich sowohl an nationale als auch internationale Investoren richtet, um die attraktiven Investitionsmöglichkeiten in unserem Land vorzustellen. Wir werden uns mit dem jahrelangen Rückgang unserer Produktionskapazitäten befassen, der sich stark auf die Beschäftigung und den Export ausgewirkt hat.

Südafrika
Offizieller Name: Republik Südafrika Bevölkerung: 57.7 Millionen Staatsform: Föderale Republik
Hauptstadt: Pretoria Bevölkerungsdichte: 42,4 Einwohner pro km² Regierungschef: Präsident Cyril Ramaphosa
Fläche: 1.221.037 km² Amtssprache: 11 Sprachen: Zulu, Xhosa, Afrikaans,
Englisch, Nord Soto, Tswana, Südlich Soto,
Tsonga, Swazi, Band, Südliches Ndebele
Nationalhymne: National Anthem of South Africa

Wir werden versuchen, Industrien so wieder aufzubauen, dass viele Millionen von Arbeitssuchenden schnell wieder in der Wirtschaft Fuß fassen. In partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit Unternehmen, Gewerkschaften und Gemeindevertretern schaffen wir zudem Möglichkeiten für junge Menschen, durch Praktika, Lehrstellen, Mentoring und Unternehmertum in die Arbeitswelt einzutauchen. Südafrika hat auch die Initiative Youth Employment Service ins Leben gerufen, die arbeitslose Jugendliche in bezahlte Praktika in Unternehmen der gesamten Wirtschaft vermittelt. Gemeinsam mit Partnern aus der Wirtschaft werden in den nächsten drei Jahren eine Million solcher Praktika geschaffen.

Letztlich wird das Wachstum der südafrikanischen Wirtschaft auch von kleinen Unternehmen getragen, wie es in vielen Ländern der Fall ist. Südafrika wird mit Sozialpartnern zusammenarbeiten, um ein Ökosystem kleiner Unternehmen aufzubauen, das Unternehmer unterstützt und fördert. Die Regierung wird ihre Zusage einhalten, mindestens 30 Prozent des öffentlichen Auftragswesens für KMUs, Genossenschaften und städtische und ländliche Unternehmen bereitzustellen und weiterhin in die Gründung kleiner Unternehmen zu investieren.

Am 1. Mai 2018 wurde der erste nationale Mindestlohn in Südafrika eingeführt. Diese historische Errungenschaft – eine Verwirklichung einer der Forderungen der Freiheitscharta – soll das Einkommen von mehr als sechs Millionen arbeitenden Südafrikanerinnen und Südafrikanern erhöhen und die Lebensbedingungen der Haushalte im ganzen Land verbessern.

Die südafrikanische Außenpolitik ist stark auf die Zusammenarbeit mit den BRICS-Staaten und der Afrikanischen Union (AU) ausgerichtet. Zudem spielt die „Entwicklungsgemeinschaft des südlichen Afrika“ (SADC) eine wichtige Rolle. Welche sind Ihre wichtigsten Partner?

Südafrikas Außenpolitik basiert auf dem Grundsatz, dass Südafrika keine Insel des Wohlstands in einem Meer der Verzweiflung sein kann. Wir orientieren uns an den Prinzipien von Ubuntu, der afrikanischen Philosophie, die übersetzt „Ich bin, weil du bist“ heißt. In diesem Zusammenhang erheben wir uns selbst, indem wir andere erheben. Die Zukunft Südafrikas ist untrennbar mit der Zukunft und dem Glück unserer unmittelbaren Nachbarn verbunden – den SADC-Ländern auf regionaler, den afrikanischen auf kontinentaler und allen anderen auf globaler Ebene.

Um das Ziel des nationalen Entwicklungsplans (NDP) zu verwirklichen, das Wirtschaftswachstum zu steigern und unsere Entwicklungsziele zu erreichen, sucht Südafrika zuverlässige Partner für Zusammenarbeit und zum gegenseitigen Nutzen. Auf dem jüngsten Gipfel der Afrikanischen Union (AU) unterzeichnete Präsident Ramaphosa das afrikanische Freihandelsabkommen, das weitreichende Auswirkungen auf die afrikanischen Volkswirtschaften haben wird und den Handel, die Investitionen und die Infrastrukturentwicklung innerhalb Afrikas erheblich steigern wird. Das Freihandelsabkommen wird Afrika zusammenschweißen und zur Schaffung eines Binnenmarktes mit mehr als einer Milliarde Menschen und einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 3,3 Billionen US-Dollar führen, wodurch es zur größten Freihandelszone der Welt wird.

Die Einheit und Erneuerung unseres afrikanischen Kontinents muss zusammen mit den Bemühungen zur Umgestaltung des globalen Systems vorangetrieben werden. In diesem Kontext hat Südafrika, im Rahmen des 10. BRICS -Gipfels (BRICS: Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika), das in Sandton, Johannesburg im Juli diesen Jahres stattfand, ein Treffen ausgewählter Staats- und Regierungschefs aus Afrika einberufen. Wir sind der Ansicht, dass wir die Umsetzung der Agenda 2063 der AU unter anderem über die BRICS-Mechanismen weiter fördern und verbessern müssen.

„Das afrikanische Freihandelsabkommen wird weitreichende Auswirkungen auf die afrikanischen Volkswirtschaften und den Handel haben.“

Auf diese Weise können wir den innerafrikanischen Handel stimulieren und stärker auf alternative Finanzierungsquellen zurückgreifen, die die New Development Bank der BRICS-Staaten für die Entwicklung der Infrastruktur und die nachhaltige Entwicklung bereitstellt. Der Kontinent profitiert in dieser Hinsicht bereits, insbesondere bei der Umsetzung der von den BRICS-Staaten finanzierten Projekte des Nord-Süd-Entwicklungskorridors der AU.

Das in der Agenda 2063 enthaltene Ziel „Silencing the Guns in Africa by 2020“ wird mit dem Ende der zweijährigen Amtszeit Südafrikas im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen zusammenfallen. Unsere Amtszeit als nichtständiges Mitglied des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen läuft von Januar 2019 bis Dezember 2020. Zu den Prioritäten, die Südafrika im Rat verfolgen wird, um dieses Ziel zu erreichen, gehören: die Auseinandersetzung mit dem untrennbaren Zusammenhang zwischen Sicherheit und Entwicklung, die Stärkung politischer Lösungen für Konfliktsituationen, auch durch präventive Diplomatie, Konfliktverhütung und -bewältigung, Mediation und Friedenskonsolidierung und die Stärkung der Zusammenarbeit zwischen dem UN-Sicherheitsrat und dem AU-Friedens- und Sicherheitsrat bei der Aufrechterhaltung des internationalen Friedens und der Sicherheit.

Aus bilateraler Sicht pflegen wir langjährige politische und wirtschaftliche Beziehungen zu Deutschland. Darüber hinaus bleibt Deutschland als nichtständiges Mitglied des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen (UNSC) und der G20 einer der wichtigsten strategischen Partner Südafrikas, unser zweitgrößter Handelspartner nach China, und es zählt zu den bedeutendsten Investoren in Südafrika. Rund 600 deutsche Unternehmen sind bereits in Südafrika tätig.

Als Plattform für den kontinuierlichen Dialog zwischen hochrangigen Vertretern der deutschen Wirtschaft und der südafrikanischen Regierung über aktuelle wirtschaftliche und politische Entwicklungen und Geschäftschancen in Südafrika sowie über laufende Aktivitäten und Herausforderungen deutscher Unternehmen in Südafrika haben wir soeben das South African - German Consultative Board in Berlin ins Leben gerufen. Die integrale Aufgabe dieses Gremiums, Strategien und Lösungen zur Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für deutsche Unternehmen in Südafrika zu entwickeln und vorzuschlagen, wird den Handel und die Investitionen zwischen Südafrika und Deutschland weiter stärken, was zu einem dauerhaften, spürbaren und gegenseitigen Nutzen für das Leben der Menschen in unseren beiden Ländern führt.

Als zweitgrößte Volkswirtschaft des afrikanischen Kontinents und einziges afrikanisches Mitglied der G20 verfügt Südafrika über einen starken Finanzsektor (20 Prozent Anteil am BIP) und erhebliche Rohstoffreserven. Mit welchen Maßnahmen möchte Ihre Regierung die Wirtschaft weiter diversifizieren?

Das „South African Industrial Framework“,“, das durch den Aktionsplan für Industriepolitik untermauert (IPAP) wird, betont die Notwendigkeit eines Strukturwandels in der Wirtschaft, um aus der Rohstoffabhängigkeit auszubrechen und zu einer stärkeren Diversifizierung zu gelangen, in der die Steigerung der Wertschöpfung und die Exportintensität Vorrang hat. Dies wird durch massive industrielle Anstrengungen erreicht, so setzt der IPAP eine breite Palette von übergreifenden Politik- und Förderinstrumenten ein, wie zum Beispiel Beschaffung, Lokalisierung, Industriefinanzierung, Anreize und Sonderwirtschaftszonen als Hebel zur Industrialisierung und Diversifizierung unserer Wirtschaft.

„Deutschland gehört zu den wichtigsten strategischen Partnern Südafrikas und ist zweitgrößter Handelspartner nach China.“

Im „Doing Business“-Index der Weltbank belegt Südafrika Platz 82 von 190 und liegt damit weit über dem Durchschnitt der Region südlich der Sahara und beispielsweise vor Indien und Brasilien. Bei dieser jährlichen Studie schnitt Ihr Land besonders gut beim Schutz von Minderheitsinvestoren, jedoch am schlechtesten bei der Stromversorgung ab. Wie kann Ihr Energiesektor wiederbelebt werden?

Die Regierung schließt momentan die Überprüfung des Integrierten Ressourcenplans (IRP) ab, der einen Teil des Integrierten Energieplans darstellt. Der Plan zielt darauf ab, nachhaltige Energie für das Land zu erzeugen. Die Regierung hat Klarheit über die Energiepolitik geschaffen und bestätigt, dass erneuerbare Energien Teil des Energiemixes sind, wie er im IRP festgelegt ist. Zu diesem Zweck hat das Energieministerium 27 Projekte unterzeichnet, die Investitionen im Wert von 56 Milliarden US-Dollar anziehen würden und 2300 MW erzeugen. Das Programm für erneuerbare Energien hat zu einer Stabilisierung der Energiesituation in Südafrika geführt und bereits beträchtliche Investitionen von über zehn Milliarden Dollar generiert.

Ihr Land ist der drittgrößte Exporteur von Agrarprodukten in der Welt, obwohl das nur 2,4 Prozent vom BIP ausmacht. Zu den bekanntesten Produkten gehört unter anderem der berühmte Wein. Welche Förderungsmöglichkeiten gibt es hier für die lokalen Produzenten, und welche Anreize schafft Ihre Regierung für ausländische Unternehmen?

Sowohl bei den neuen Nischenprodukten als auch bei den Möglichkeiten für den Importersatz bestehen erhebliche Chancen. Dazu gehört beispielsweise die Nutzung einer breiten Palette natürlicher und einheimischer Ressourcen für Lebensmittel, Kosmetika, Aromastoffe, Öle und Arzneimittel. Hinzu kommen neue Möglichkeiten der landwirtschaftlichen Verarbeitung einer Reihe moderner Rohstoffe und Industrieprodukte wie Flachs zu Leinen, Hanf zu einer Vielzahl von Materialien und Produkten, Maniok zu Stärke. Wir entwickeln auch Energiepflanzen und Biokraftstoffe, jedoch immer unter Berücksichtigung der wirtschaftlichen, ökologischen und ernährungsphysiologischen Auswirkungen dieser Möglichkeiten. Durch Maßnahmen wie das „Surplus Milk Into Milk-Powder Project“ werten wir bestehende landwirtschaftliche Rohprodukte etwa zu wachstumsstarken Milchprodukten auf. Im Allgemeinen konzentrieren wir uns verstärkt auf sehr vielseitig einsetzbare Produkte wie Hanf, Guar und Bambus.

Die Regierung hat einen speziellen Anreiz für die Verarbeitung von Agrarprodukten geschaffen, der vom Ministerium für Handel und Industrie gemanagt wird. Damit sollen die Lebensmittelverarbeitung in Südafrika gefördert, das Lokalisierungsprogramm unterstützt und der Export von verarbeiteten Lebensmitteln gefördert werden.

Südafrikas Forschungslandschaft liegt im afrikanischen Vergleich in den Bereichen Geologie, Anthropologie, Radioastronomie und Biodiversität an der Spitze. Mit welchen Maßnahmen will Ihre Regierung diesen Status weiter ausbauen?

Mit der Fertigstellung des aus 64 Schüsseln bestehenden Radioteleskops MeerKAT hat Südafrika einen wichtigen Meilenstein erreicht. MeerKAT wurde durch unsere Agentur, die National Research Foundation (NRF) und das Square Kilometre Array Project gebaut. Das südafrikanische Ministerium für Wissenschaft und Technologie (DST) erarbeitet darüber hinaus ein neues Weißbuch über Wissenschaft, Technologie und Innovation.

Das White Paper geht davon aus, dass Wissenschaft, Technologie und Innovation für die Gestaltung einer integrativen und nachhaltigen südafrikanischen Gesellschaft von entscheidender Bedeutung sind. Der Entwurf des Weißbuchs zielt unter anderem darauf ab, die Chancen zu nutzen, die globale Megatrends, wie das Aufkommen neuer Technologien, einschließlich künstlicher Intelligenz und additiver Fertigung, bieten. In diesem Zusammenhang wird das DST in diesem Jahr die zweite Konferenz Deep Learning Indaba in Kapstadt veranstalten, um strategische Partnerschaften mit der Industrie und verschiedenen Regierungsstellen aufzubauen, um sich auf die „vierte industrielle Revolution“ und die damit verbundenen Chancen vorzubereiten.

Vor acht Jahren blickte die Welt nach Südafrika, als dort die erste Fußball-WM auf afrikanischem Boden stattfand. Das Schweizerische Arbeiterhilfswerk SAH kam zu dem Schluss, dass damals vor allem die FIFA und Baukonsortien profitiert hätten, nicht aber Südafrika selbst. Wie beurteilen Sie das heute mit dem entsprechenden Abstand?

Südafrika wurde geehrt, als Gastgeberland für die FIFAFußball- Weltmeisterschaft 2010 ausgewählt worden zu sein. Dies war ein historischer Moment, denn es war das erste Mal, dass das Turnier auf afrikanischem Boden ausgetragen wurde. Südafrika hat als Gastgeberland einen immensen Nutzen daraus gezogen, denn für die Dauer des Turniers waren die Augen der Welt auf Südafrika gerichtet. Tausende Touristen aus vielen Ländern kamen, um die Regenbogennation zu erleben. Südafrika lieferte eine erfolgreiche und unvergessliche Weltmeisterschaft und nutzte diese Gelegenheit, um die nationale Markenidentität zu fördern.

Touristen aus aller Welt reisen nach Südafrika, um sich beispielsweise Kapstadt mit dem berühmten Tafelberg oder die vielen Nationalparks, wie den Krüger- Nationalpark, anzusehen. Welche Highlights würden Sie persönlich empfehlen?

Südafrika ist in der Tat eine Welt in einem Land. Sie werden sicher den perfekten Urlaub für jeden Reisenden finden: ob Stadtflucht, Shopping oder das schnelle Tempo von Johannesburg, Kapstadt oder Durban, um nur einige zu nennen, Abenteuer wie das Wandern in den schönen Drakensbergen und der Garden Route am Ostkap. Wir laden Sie ein, sich in unseren Wäldern und Wüsten „unterzutauchen“ und unsere wertvollen Nationalparks zu besuchen, darunter den weltberühmten Krüger-Nationalpark, der sich über die Größe Belgiens erstreckt und in dem Sie die „Big Five“ entdecken können. Oder Sie entspannen sich an unseren unberührten Stränden, tauchen in Haikäfigen, folgen Walen an unserer Westküste oder Delfinen an unserer Ostküste, bevor Sie sich in einen der vielen schönen Weinberge an unseren Küsten zurückziehen und einige der besten Weine aus preisgekrönten Weingütern genießen. Beim Essen und Trinken werden Sie die Qual der Wahl haben. Unsere Küchen sind wie unsere Leute: einladend, herzerwärmend und vielfältig. Beim Braai-Grillen müssen Sie „Shisa Nyama“ (ein Barbecue) und ein „Bunny Chow“ (es ist nicht das, was Sie denken) probieren, außerdem empfehle ich Ihnen Currys mit einem ausgeprägten indischen und malaiischen Geschmack. Außerdem haben wir die besten Früchte und das frischeste Gemüse der Welt

Übrigens, während wir hier sprechen, ist es gerade Winter in Südafrika – bei über 20 Grad in Durban und Johannesburg. Besuchen Sie uns also zu jeder Jahreszeit, Sie sind immer willkommen!

Anlässlich des 100. Geburtstages von Nelson Mandela gab es unter anderem im Juli eine Ausstellung der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Berlin. Was wurde den Besuchern dort geboten?

2018 ist ein Jahr von ganz besonderer historischer Bedeutung nicht nur für die Südafrikaner allein, sondern für die ganze Welt – es wird den einhundertsten Geburtstag von „Tata Madiba“, geliebte Ikone und Historische Persönlichkeit, markieren, auf dessen Spuren wir gehen. Südafrika und Deutschland arbeiten gemeinsam an einer Reihe von Projekten, die das ganze Jahr über zu Ehren von Tata Madibas Leben und Vermächtnis in Deutschland durchgeführt werden. Wir sind in der Tat geehrt von dem enormen Maß an gutem Willen, das die Deutschen für Tata Madiba und Südafrika in ihren Herzen tragen.

Die Ausstellung, die Sie meinen, wurde von der Nelson- Mandela-Stiftung in Auftrag gegeben, und jede Fototafel zeigte die Schlüsselmomente der Geschichte von Tata Madiba und Südafrika als Hommage an einen der größten Söhne Afrikas. Sie erinnerte an Nelson Mandela als den unerschütterlichen Freiheitskämpfer und ersten demokratischen Präsidenten Südafrikas.

Herr Botschafter, vielen Dank für das Gespräch.

Interview Markus Feller

Bilder: 1, 2, 3, 4 = Mohamed El-Sauaf