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im Focus
Sozialistische Republik Vietnam
Hauptstadt
Hanoi
Fläche
332.800 km²
Bevölkerung
92 Millionen
Bevölkerungsdichte
276 Einwohner/km²
Amtssprache
Vietnamesisch
Staatsform
Einparteiensystem
Staatsoberhaupt
Staatspräsident Tran Dai Quang
Regierungschef
Premierminister Nguyen Xuan Phuc
Nationalhymne
Tiến Quân Ca

„Es gibt eine neue Dynamik in der bilateralen Zusammenarbeit zwischen Vietnam und Deutschland.“

NACH DEM ENDE DES KRIEGES hat sich Vietnam ab Mitte der achtziger Jahre mit der „Doi-Moi-Politik“ nach außen geöffnet und bis heute wirtschaftlich stabilisiert. Mit dem diesjährigen Vorsitz der Asiatisch-Pazifischen Wirtschaftsgemeinschaft (APEC) ist das südostasiatische Land auch auf dem G20-Gipfel in Hamburg vertreten. Im Interview mit dem Diplomatischen Magazin spricht der Botschafter S.E. Xuan Hung Doan über Investitionsmöglichkeiten in Vietnam, das neue Abkommen mit der EU und die gelungene Integration seiner Landsleute in Deutschland.
H

err Botschafter, seit 1986 hat Vietnam Wirtschaftsreformen eingeführt, die auch als „Doi Moi“ bekannt sind. Wie hat sich Ihr Land in den letzten 30 Jahren verändert?

Fundamental verändert! In den vergangenen drei Jahrzehnten hat sich Vietnam durch seine beharrlichen Bemühungen und die wertvolle Unterstützung von Freunden aus der ganzen Welt von einem rückständigen Land, mit 90 Prozent der Bevölkerung im Agrarsektor, zu einer der dynamischsten Volkswirtschaften Asiens mit einem starken Wirtschaftswachstum und einem verbesserten Lebensstandard entwickelt.

Unsere Wirtschaftsleistung erreichte im vergangenen Jahr 219,4 Milliarden US-Dollar (USD). Das BIP im Jahr 2015 stieg im Vergleich zum Jahr 1989 um das 31-fache und der Außenhandel ist im Vergleich zum Jahr 1990 um das 60-fache gestiegen. Die Exporte verzeichneten ein zweistelliges Wachstum, das sich allein in den 20 Jahren zwischen 1995 und 2015 um das 30-fache erhöht hat. Das Pro-Kopf-Einkommen im Jahr 2015 stieg im Vergleich zum Jahr 1990 um das 23-fache. Mehr als 59 Länder haben den marktwirtschaftlichen Status von Vietnam anerkannt. Unsere Landwirtschaft hat erhebliche Veränderungen durchlaufen und Vietnam von einem Hunger leidenden Land zu einem der weltweit größten Exporteure von Reis, Kaffee, Gummi, Cashew, Pfeffer und Meeresfrüchten verwandelt.

Der Equitisierungs- und Privatisierungsprozess der Staatsunternehmen hat ausdrücklich zur Belebung der vietnamesischen Wirtschaft beigetragen. Die verschiedenen Sektoren der Wirtschaft wurden auf die nächste Stufe gehoben und Staatsunternehmen wurden umstrukturiert. Kollektive Wirtschaftseinheiten haben neue Formen der Zusammenarbeit in Richtung der Marktreformen verabschiedet. Der private Sektor erlebte einen raschen Anstieg in Bezug auf die Anzahl der Unternehmen und der verbesserten Leistung. Ausländische Unternehmen wurden zum Investieren angeregt und haben einen bedeutenden Beitrag zu unserer Schaffung von Arbeitsplätzen und dem Exportwachstum geleistet. Im sozialen Bereich wurde die Armutsminderungsrate für eine lange Zeit konstant verbessert, mit einer sehr beeindruckenden Rate von zwei Prozent pro Jahr. In nur zwei Jahrzehnten wurden fast 30 Millionen Menschen aus der Armut geholt. Vietnam wurde von den Vereinten Nationen als eines der ersten Länder angesehen, das große Teile der Millenniums-Entwicklungsziele vor dem Zeitplan erreicht hat. Der Lebensstandard unserer Bevölkerung wurde zudem auch deutlich verbessert.

Vor Kurzem haben wir die Verhandlungen über zwei Freihandelsabkommen einschließlich des EU-Vietnam-Freihandelsabkommens (EVFTA) und des Transpazifischen Partnerschaftsabkommens abgeschlossen. Wir haben darüber hinaus an mehr als 80 bilateralen, multilateralen Handelsabkommen und 70 MFNs (auf den Meistbegünstigungszollsatz bezogen; Anmerkung der Redaktion) teilgenommen. Und Sie wissen vielleicht auch, dass Vietnam jetzt den Vorsitz der APEC (Asia-Pacific Economic Cooperation) im Jahr 2017 innehat!

Ausländische Investitionen spielten in den letzten Jahren eine wichtige Rolle bei der wirtschaftlichen Entwicklung Vietnams. Welche konkreten Anreize bietet Ihr Land heute ausländischen Direktinvestoren?

Ausländische Direktinvestitionen (FDI) sind ein integraler Bestandteil der vietnamesischen Wirtschaft. Der Erfolg des FDI-Sektors in Vietnam ist auch der Erfolg der vietnamesischen Wirtschaft. Bis zum März 2017 zog Vietnam 23.071 FDI-Projekte aus 116 Ländern und Territorien mit einem Gesamtkapital von 300,7 Milliarden USD an, von denen 158,45 Milliarden USD ausgezahlt wurden (49,3 Prozent). Ausländische Direktinvestitionen haben wichtige Beiträge zur wirtschaftlichen Umstrukturierung Vietnams in Richtung Modernisierung, Schaffung von Arbeitsplätzen, Import-Export-Umsatz, Technologietransfer, Managementfähigkeiten und Unterstützung des Staatshaushalts beigetragen. Unser Investitionsgesetz wurde vielfach geändert, um transparenter zu sein und es den in- und ausländischen Investoren zu erleichtern.

Als ein Land in einer wichtigen geopolitischen Position inmitten einer dynamischen, aber strategisch komplizierten Region – was sind die Hauptmerkmale der vietnamesischen Außenpolitik, um die Herausforderungen zu bewältigen?

Es ist wahr, dass Asien-Pazifik, von dem Südostasien ein Teil ist, eines der dynamischsten Entwicklungszentren der Welt gewesen ist. Aber diese Region zeugt zugleich von rasch wechselnden und komplizierten Entwicklungen in den vergangenen Jahren, darunter auch einem harten strategischen Wettbewerb unter Großmächten sowie territorialen und souveränen Konflikten, ganz zu schweigen von einer Reihe von laufenden Hotspots. Vietnam, mit seiner bedeutenden geopolitischen Position, hat dabei auch gewisse negative Auswirkungen durch die oben erwähnten instabilen Faktoren erlebt. Um diese Herausforderungen und Schwierigkeiten zu überwinden und Vietnam zu einer Erfolgsgeschichte zu machen, hat die Außenpolitik unseres Landes eine entscheidende Rolle gespielt.

Um genauer zu sein, hat Vietnam im Laufe der Jahre die außenpolitische Leitlinie der Unabhängigkeit, der Selbstständigkeit, des Friedens, der Zusammenarbeit und der Entwicklung verfolgt. Diversifizierung und Multilateralisierung der internationalen Beziehungen, die aktive und proaktive Förderung der internationalen Integration sowie ein verlässlicher Partner und verantwortliches Mitglied der internationalen Gemeinschaft zu sein waren dabei die Kernpunkte. Diese Richtlinie wurde im Januar 2016 erneut vom 12. Kongress der Kommunistischen Partei Vietnams ermittelt, abgestimmt und verabschiedet.

„Das kommende EU-Vietnam- Freihandelsabkommen (EVFTA) bietet uns einzigartige Vorteile in Südostasien.“

Vietnam und die Europäische Union werden demnächst ein gemeinsames Freihandelsabkommen offiziell unterzeichnen. Wie können Unternehmen aus der EU und Vietnam von dieser Vereinbarung profitieren?

Die Handels- und Investitionsbeziehungen zwischen der EU und Vietnam sind bereits sehr stark. Der bilaterale Handel ist von 4,1 Milliarden USD im Jahr 2000 auf 42 Milliarden USD im Jahr 2016 gestiegen, wodurch die EU der zweitgrößte Handelspartner Vietnams und die größte Quelle ausländischer Direktinvestitionen (FDI) mit 2.116 abgeschlossenen Investitionsprojekten mit einem Gesamtkapital von 38,4 Milliarden USD ist. Das wichtigste Merkmal der Handels- und Investitionsbeziehungen zwischen Vietnam und der EU ist die Komplementarität. Dies ist die Grundlage großer Potenziale für Handel, Investitionen und Kooperationen zwischen den beiden Parteien nach der Unterzeichnung des EVFTA. Die Vereinbarung wird es EU-Exporteuren und Investoren ermöglichen, auf einen schnell wachsenden Markt mit 90 Millionen Menschen zuzugreifen und ihre Präsenz in einer der dynamischsten Regionen der Welt zu festigen.

Vietnam und Deutschland führen nun seit 42 Jahren diplomatische Beziehungen, wovon die letzten sechs Jahre gar eine strategische Partnerschaft waren. Was sind während einer so langen Zeit die Schlüsselpunkte in den bilateralen Beziehungen?

In den vergangenen 42 Jahren haben Deutschland und Vietnam in ihren Beziehungen bemerkenswerte Fortschritte erzielt, vor allem seit der Gründung einer strategischen Partnerschaft im Jahr 2011. Unsere beiden Länder genießen ein hohes Maß an gegenseitigem Vertrauen. Die guten Beziehungen wurden von den Besuchen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (im Jahr 2011), des deutschen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (im März 2015) in Vietnam und zuletzt dem Staatsbesuch von Präsident Truong Tan Sang in Deutschland (im November 2015) weiter gefestigt. Und wie schon erwähnt, hat als Zeichen unserer ausgezeichneten Beziehungen Deutschland als Vorsitzender der G20 im Jahr 2017 Vietnam als Vorsitzenden der APEC 2017 zum G20-Treffen eingeladen.

Die zwei Länder haben sich auf regionalen und internationalen Foren, insbesondere auf Gipfeltreffen der Vereinten Nationen, Asien- Europa (ASEM) und ASEAN-EU, eng zu den Themen der gegenseitigen Interessen und Bedenken zusammengeschlossen. Deutschland ist unser führender Partner in der Europäischen Union in den Bereichen Handel und Investitionen, Wissenschaft und Technologie, Aus- und Weiterbildung, Berufsbildung und Beschäftigungszusammenarbeit. Ich freue mich sehr, dass es in vielen Bereichen eine neue Dynamik in unserer bilateralen Zusammenarbeit gibt. Seit vielen Jahren ist Deutschland für uns der größte Handelspartner in der EU und macht fast 20 Prozent des Exportumsatzes von Vietnam auf dem EU-Markt aus. Unser Handelsvolumen erlebt ein signifikantes Wachstum, das sich von 4,1 Milliarden USD im Jahr 2010 auf 10,3 Milliarden USD im Jahr 2016 nahezu verdreifacht hat. Viele deutsche Unternehmen wie Siemens, Mercedes-Benz, Bosch, B. Braun, Messer und Allianz sind in Vietnam erfolgreich tätig.

Unser Ziel für die nähere Zukunft für den bilateralen Handel liegt bei 20 Milliarden USD und für Deutschlands ausländische Direktinvestitionen bei fünf Milliarden USD. Zu die Husem Zweck verpflichten wir uns, für die Unternehmen günstige Voraussetzungen zu schaffen, um ihre Zusammenarbeit insbesondere in den Bereichen Fertigung, Elektronik, erneuerbare Energien, Infrastruktur, Konsumgüter und Agrar- und Fschereiprodukte zu verbessern. Die Verbesserung der Handels- und Investitionszusammenarbeit zwischen den beiden Ländern steht im Einklang mit dem Konsens unserer Führung und den Erwartungen von unseren Unternehmen. In der Entwicklungszusammenarbeit sind wir dankbar für die Bereitstellung von Entwicklungshilfe in Vietnam von über 220 Millionen USD, die zwischen 2015 und 2017 bereitgestellt werden sollen, wobei die Investitionen in Energie-, Umweltund Berufsausbildung Priorität genießen.

Unter Berücksichtigung der rasanten Entwicklung der vietnamesischen Wirtschaft und der traditionellen Beziehungen zwischen Vietnam und Deutschland – welche Möglichkeiten haben deutsche Unternehmen in Vietnam?

Seit der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen am 23. September 1975 ist die Beziehung zwischen Vietnam und der Bundesrepublik Deutschland konstant gestärkt worden und hat sich in verschiedenen Aspekten stark entwickelt. Das gute Vietnam-Deutschland-Verhältnis beruht auf einem festen Fundament, das durch die traditionellen und facettenreichen Beziehungen zwischen den beiden Völkern gelegt wurde, die bereits vor dem Beginn der diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern verwurzelt und gewachsen waren. Vietnam legt immer Wert auf die Entwicklung der Zusammenarbeit mit Deutschland und Deutschland gehört derzeit zu den führenden Partnern Vietnams in Europa in den Bereichen Politik, Handel, Investitionen, Bildung, Technologie, Recht, Umweltschutz und so weiter.

Immer mehr deutsche Unternehmen sehen Wachstumschancen in vielen Geschäftsfeldern in Vietnam und möchten dieses Potenzial erschließen. Dies spiegelt sich in der wachsenden Zahl deutscher Unternehmen auf dem vietnamesischen Markt wider. Das Freihandelsabkommen zwischen Vietnam und der EU wird diese Entwicklung weiter verstärken und die Arbeit erleichtern. Im Einklang mit der Stärkung des Rechtsrahmens sollten sich die deutschen Investitionen allmählich erhöhen.

Vietnam wird als ein rasch wachsender Markt in Asien gesehen. Viele führenden deutschen Unternehmen eröffnen Niederlassungen und tätigen langfristige Investitionen in Vietnam. Die Wirtschaft Vietnams im Jahr 2016 erzielte eine positive BIP-Wachstumsrate von 6,21 Prozent – die höchste Rate in fünf Jahren. Auf der anderen Seite blieb die Inflation in diesem Jahr weit unter der roten Linie von fünf Prozent, wie von der Nationalversammlung vorgegeben. Es betrug nur 0,6 Prozent, was gleichzeitig die niedrigste Inflationsrate in einem Jahrzehnt ausmachte. Human Resources ist ein weiterer Vorteil von Vietnam. Viele von den unter 30-Jährigen wurden von Forbes im Jahr 2016 als diejenigen mit dem größten Einfluss auf ihren Arbeitsbereich ausgemacht. Diese Gruppe junger und talentierter Menschen bietet ein großes Potenzial für Investitionen, Innovation und Entwicklung.

Das kommende EVFTA (EU-Vietnam- Freihandelsabkommen) bietet Vietnam einzigartige Vorteile in Südostasien. Die vietnamesische Regierung begrüßt daher ausländische Investoren, die neue Technologien nutzen. Ausländische kleinere und mittlere Unternehmen und multinationale Konzerne, die in Vietnam einreisen, erleben daher eine Behandlung wie auf dem „roten Teppich“ und erhalten attraktive Anreizprogramme. Zum Beispiel werden die Anleger in einem speziellen Industriecluster Anreize zur Körperschaftsteuer (CIT-Durchschnitt von 4,3 Prozent auf ein Projekt von fünf bis zehn Jahren) und Leistungen bei der Personaleinkommensteuer für Mitarbeiter erhalten. Gemeinsam mit weiteren Entwicklungsstrategien in anderen wichtigen Bereichen, wie der Logistik durch den Bau neuer Tiefseehäfen oder der Erleichterung des grenzüberschreitenden Straßenverkehrs, wird Vietnam in Asien im Maschinenbau und vor allem in der Automobilindustrie zwei neue Produktionsdrehkreise bereitstellen. Dort haben bereits mehrere deutsche und europäische Automobilhersteller ihre eigene Erfolgsgeschichte erlebt.

Vietnam genießt ein hohes Maß an politischer und sozialer Stabilität. Und wie bereits erwähnt, hat Vietnam eine Reihe von Freihandelsabkommen mit zahlreichen Partnern unterzeichnet. Darüber hinaus wird unsere Botschaft in Berlin, wie ich bereits erwähnt habe, allen deutschen Unternehmen, die in Vietnam Geschäfte tätigen oder investieren wollen, jede mögliche Hilfe anbieten.

„In über 40 Jahren hat sich die vietnamesische Gemeinschaft in Deutschland zu einem der Vorbilder für die Integration anderer ausländischer Gemeinschaften entwickelt.“

Die vietnamesische Gemeinschaft in Deutschland mit rund 176.000 Menschen hat sich erfolgreich in die deutsche Gesellschaft integriert. Welche Rolle spielt diese Gemeinschaft in der Beziehung zwischen Vietnam und Deutschland?

Genau, Sie sagen es! Hier in Deutschland haben wir eine relativ große vietnamesische Gemeinde. In über 40 Jahren Integration und Entwicklung hat die vietnamesische Community gewisse Erfolge erzielt und ist ein Vorbild für die Integration anderer ausländischer Gemeinschaften in die deutsche Gesellschaft. Wir sind auch sehr stolz darauf, dass die zweite und dritte Generation der Vietnamesen viele gute Beispiele für Studierende und Arbeitende in Deutschland darstellen. Und diese Generationen sind vielversprechend in dem Sinne, dass sie loyale Bürger werden und dazu beitragen, die wirtschaftliche und soziale Entwicklung dieses Landes voranzutreiben.

Es ist überflüssig zu erwähnen, dass diese starke vietnamesische Gemeinschaft eine wichtige und unentbehrliche Rolle bei der Verknüpfung von Vietnam und Deutschland gespielt und die Beziehung der beiden Länder gefördert hat. Diese Rolle kann man in der Realität in verschiedenen Aspekten erkennen.

Erstens hat die vietnamesische Gemeinde effektiv zur Förderung von Handel und Investitionen zwischen unseren beiden Ländern beigetragen. Im Laufe der Jahre haben viele vietnamesische Unternehmen zusammen mit unserer Botschaft unermüdlich das Investitions- und Geschäftsumfeld Vietnams für deutsche Unternehmen gefördert und deutsche Unternehmen nach Vietnam gebracht, um dort den Markt zu erkunden und zu studieren. Auch in umgekehrter Richtung haben viele vietnamesische Unternehmen durch eine Reihe von Geschäften zuverlässige und seriöse Geschäftspartner in Deutschland gefunden.

Zweitens hat die Gemeinschaft eine wichtige Rolle als Agent für die Förderung des Tourismus und für den kulturellen Austausch zwischen den beiden Ländern gespielt. In der Tat wissen immer mehr Deutsche Bescheid über unsere einzigartige Küche in den vietnamesischen Restaurants, unsere traditionellen Festivals, die hier organisiert werden oder die traditionellen Kostüme, die bei diesen Gelegenheiten getragen werden. Dinge wie diese helfen uns, mehr deutsche Besucher nach Vietnam zu locken, um unsere wunderschönen Landschaften und freundlichen Menschen zu entdecken und in unsere tausendjährige Geschichte und ihre reiche Kultur einzutauchen. Vietnamesische Reisebüros haben wiederum jedes Jahr zahlreiche Touren für Vietnamesen nach Deutschland organisiert.

Drittens hat diese Gemeinschaft mit mehr als 100.000 vietnamesischen Staatsangehörigen eine ausreichende Zahl an Arbeitskräften zur Ergänzung des derzeitigen Arbeitskräftemangels in Deutschland angeboten. Die Vietnamesen sind für ihren Fleiß, ihre Sorgfalt und ihren Respekt gegenüber dem Gesetz bekannt. Ich sehe daher keine Gründe für uns, an ihrem Erfolg und starken Aufstieg in der deutschen Gesellschaft zu zweifeln.

Als APEC-Vorsitzender 2017 ist Vietnam zum G20-Treffen in Deutschland eingeladen. Was kann Vietnam zum G20-Gipfel beitragen?

Vietnam hat bisher zweimal eine Einladung zum G20-Gipfel bekommen. Das erste Mal war 2010, als Vietnam die ASEAN-Präsidentschaft übernommen hatte. In diesem Jahr ist Vietnam als APEC-Vorsitz erneut dazu eingeladen. Das ist eine große Ehre und zugleich Verantwortung für Vietnam, über wichtige globale Angelegenheiten zu beraten und einen Beitrag zu deren Lösungen zu leisten.

2017 lautet „Eine vernetzte Welt gestalten“ mit zahlreichen Schwerpunkten wie Finanzregulierung, Handel, Digitalisierung, nachhaltige Entwicklung, Arbeit, Gesundheit, Gleichberechtigung und so weiter. Als Gast der diesjährigen G20-Präsidentschaft vertritt Vietnam die APEC aktiv und verantwortungsvoll bei fast allen Beratungen durch inhaltliche Inputs bei Themen wie Politik, Handel und Finanzen.

Die Agenda des G20-Gipfels beinhaltet in diesem Jahr viele gemeinsame Prioritäten von APEC und Vietnam, so wie nachhaltiges Wachstum, vernetzte Wirtschaft, Investitions-, Handels- und Innovationsförderung. Deshalb hebt Vietnam die Verbindung der Schwerpunkte von G20 und APEC hervor, um die gemeinsamen Fragen wie globale Wirtschaftsstabilität, Handel, Investition und nachhaltige Entwicklung effektiver zu bewältigen. Vietnam bemüht sich bestmöglich, an möglichst vielen G20-Veranstaltungen teilzunehmen und dabei aktiv zu agieren. Insbesondere der G20-Sherpa (Ausdruck für hohe Regierungsbeamte; Anmerkung der Redaktion) von Vietnam hat sich sehr proaktiv und konstruktiv an den Beratungen beteiligt und wurde von den deutschen Gastgebern anerkannt und geschätzt.

Ihr Premierminister S.E. Nguyen Xuan Phuc wird Anfang Juli 2017 einen Besuch in Deutschland abstatten und im Anschluss am G20-Gipfel teilnehmen. Welche Bedeutung hat dieser Besuch?

Das ist der erste Besuch von S.E. Nguyen Xuan Phuc in der Funktion als Premierminister Vietnams seit dem Amtsantritt im April 2016 und folgt einer Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Bei ihrem ersten offiziellen Treffen am Rande des G7-Gipfels in Japan im Jahre 2016 wurde die Einladung ausgesprochen. Deutschland gilt zugleich als eines der ersten EU-Länder, in dem Premierminister Phuc zu Gast ist. Das ist ein klarer Beweis, dass Vietnam viel Wert auf die Verstärkung der strategischen Partnerschaft mit Deutschland und die Entwicklung der bilateralen Beziehungen in der Zukunft legt. Von der deutschen Seite besteht großes Interesse an einer Vertiefung der Zusammenarbeit mit Vietnam.

Der Besuch findet in einem guten Kontext statt und trägt dazu bei, den positiven Schwung zu erhalten und zu konsolidieren. Er gibt ebenfalls neue Impulse zur Vertiefung der strategischen Partnerschaft zwischen beiden Ländern. Premierminister Phuc wird bei offiziellen Gesprächen mit der deutschen Führung wichtige Maßnahmen zur Verstärkung der bilateralen Beziehungen in der Zukunft ansprechen.

Es gibt zahlreiche Kooperationsbereiche, die wir vertiefen möchten. Darunter sind vor allem Bereiche wie Handel und Investitionen, die großes Potenzial haben und im Vorfeld der offiziellen Unterzeichnung und Ratifizierung des Vietnam-EU-Freihandelsabkommens gute Perspektiven versprechen. Bei Treffen mit zahlreichen deutschen Unternehmen wird Premierminister Nguyen Xuan Phuc erwartet, eine starke und klare geschäftsfreundliche Erklärung abzugeben. Wir wissen, dass viele Unternehmen aus Deutschland großes Interesse am Standort Vietnam zeigen. Mit seiner Botschaft hoffe ich auf einen neuen Schub für Geschäfte und Investitionen von deutschen Unternehmen in Vietnam.

Vietnam unterhält gute Beziehungen zu vielen Regionen in Deutschland und legt viel Wert auf die Beziehungen mit den einzelnen Bundesländern. Vietnam und Hessen haben 2012 ein Memorandum über die Prioritätszusammenarbeit unterzeichnet. Mit Hamburg hat Vietnam auch eine sehr intensive Wirtschaftsbeziehung. Die Hauptstadt Hanoi arbeitet wiederum effizient mit Berlin zusammen. Premierminister Phucs Stopps in diesen Bundesländern während seines Besuchs werden verstärkt die Beziehungen zwischen den Regionen beider Länder im Einzelnen und zwischen Vietnam und Deutschland im Allgemeinen beitragen.

Abschließend möchte ich betonen, dass die Einladung zum G20-Gipfel eine sehr günstige Gelegenheit für Vietnam geschaffen hat. Sie ermöglicht es uns, durch die Verbindung und Förderung der Zusammenarbeit zwischen zwei Foren eine stärkere Rolle als APEC-Vorsitzender zu spielen, um die neuen globalen Herausforderungen effektiver zu bewältigen. Vietnam sammelt dabei auch Erfahrungen bei logistischen und protokollarischen Fragen, um den APEC-Gipfel, der in der wunderschönen Stadt am Meer Da Nang im kommenden November stattfinden wird, erfolgreich zu organisieren.

Interview Markus Feller

Bilder: 1, 2, 3, 4, 5 = Mohamed El-Sauaf