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„CETA IST DAS FORTSCHRITTLICHSTE HANDELSABKOMMEN, DAS JEMALS AUSGEHANDELT WURDE.“
Kanada feierte im vergangenen Jahr sein 150-jähriges Bestehen. Seitdem Premierminister Trudeau die Regierung Ende 2015 übernommen hat, gab es eine Abkehr von nationalen Interessen hin zu einem stärkeren multilateralen Engagement auch im Rahmen internationaler Organisationen. Das bedeutet nicht nur eine Ausweitung des internationalen Handels mit klassischen Partnern wie den USA, sondern auch mit großen, schnell wachsenden Märkten wie China und Indien. Europa ist seit dem vorläufigen Inkrafttreten des CETA-Abkommens ein wichtiger Geschäftspartner.

Seit jeher gilt Kanada auch als Traumland vieler Auswanderer, aber es ist gar nicht so leicht, dort angenommen zu werden. Wer kommen darf oder nicht, wird auch im sogenannten Skilled-Worker-Programm entschieden, von dem sich Europa vielleicht sogar etwas abschauen kann. Im Interview mit dem Diplomatischen Magazin spricht der Botschafter S.E. Stéphane Dion zudem über die innenpolitischen Spannungen zwischen dem anglophonen und frankophonen Teil, die kanadische Umweltpolitik sowie die multikulturelle Vielfalt seines Landes.
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err Botschafter, Kanada feierte im vergangenen Jahr sein 150-jähriges Bestehen. Wie hat sich Ihr Staat seit der Gründung verändert, und vor welchen wichtigen Herausforderungen steht Kanada in nächster Zeit?

Kanada gab es schon vor mehr als 150 Jahren, aber wir fanden unsere moderne Form als Föderation 1867 mit dem British North America Act. Seitdem ist Kanada ein souveränes Land, das völlig unabhängig vom Vereinigten Königreich Großbritannien ist. Wir teilen zwar das gleiche Staatsoberhaupt wie das Vereinigte Königreich, für uns aber ist sie die Königin von Kanada. Das heißt, wenn das Vereinigte Königreich die Monarchie nicht mehr wollte, wäre sie immer noch die Königin von Kanada! Von einem britischen Herrschaftsgebiet im Jahre 1867 verwandelte sich Kanada in eine solide Demokratie. Menschen kamen aus aller Welt, um ein starkes Land nicht trotz, sondern wegen seiner außergewöhnlichen Vielfalt aufzubauen.

„Obwohl Kanada ein Öl- und Gasproduzent ist, verfügt es über eines der saubersten Stromnetze der Welt.“

Ich glaube nicht, dass es chauvinistisch wäre zu sagen, dass Kanada ein Schatz auf diesem Planeten ist und dass es gut wäre, wenn wir „mehr Kanada“ in der Welt hätten. In internationalen Umfragen, in denen Leute gefragt werden, wo sie gerne leben würden, wenn nicht in ihrem eigenen Land, ist Kanada immer auf dem Podium der begehrtesten Länder. Und wir können vermuten, warum: Kanada ist so groß wie ein Kontinent, hat eine außerordentliche, ehrfurchtgebietende Schönheit und erfreut sich einer Lebensqualität, die zu den höchsten der Welt gehört, und wird dadurch gestärkt, dass seine beiden offiziellen Sprachen – Englisch und Französisch – auch internationale Sprachen sind. Dazu kommen unsere europäischen Ursprünge, unsere starken Wurzeln in Amerika und unsere Verbindungen nach Asien. Aus all diesen Gründen betrachten Milliarden von Menschen Kanada als ein universelles Ideal von Offenheit, Toleranz und Großzügigkeit, und dieses Ideal zu erfüllen, ist bei Weitem unsere größte und ständige Herausforderung.

Seit September 2017 ist das Wirtschafts- und Handelsabkommen CETA zwischen der Europäischen Union und Kanada in Kraft. Welche Erfolge wurden seitdem verzeichnet, und wie bewerten Sie im Nachhinein die Widerstände, die es vor allem in Europa dagegen gab?

CETA muss in allen EU-Ländern, einschließlich Deutschland, parlamentarisch ratifiziert werden. Der größte Teil des Abkommens ist jedoch seit letztem September in Kraft. Fast alle Handelsbarrieren zwischen der EU und Kanada wurden beseitigt, und die sogenannten nichttarifären Handelshemmnisse werden Schritt für Schritt in Arbeitsgruppen abgebaut. Zu diesen Hindernissen gehören beispielsweise die vielen unterschiedlichen Spezifikationen, Verpackungsnormen oder Zulassungsverfahren für ein bestimmtes Produkt auf dem anderen Markt. Ziel von CETA ist es nicht, alle Standards flächendeckend zu harmonisieren, sondern die verschiedenen Genehmigungsverfahren gegenseitig anzuerkennen.

Kanada
Offizieller Name: Königreich Dänemark/span> Bevölkerung: 36.89 Millionen Staatsform: Parlamentarische Monarchie
Hauptstadt: Ottawa Bevölkerungsdichte: 3.6 Einwohner pro km² Regierungschef: Premierminister Justin Trudeau
Fläche: 9.984.670 km² Amtssprache: Englisch, Französisch Nationalhymne: O Canada / Königshymne: God Save the Queen

Es muss betont werden, dass die rechtliche Freiheit, alle Arten von Regulierung zu gestalten, bei den Vertragsparteien, nämlich der EU und Kanada, bleibt. Aus diesem Grund atmet dieses Handelsabkommen einen demokratischen Geist und wird von beiden Seiten zu Recht als „fortschrittlich“ bezeichnet. Ein weiterer Anreiz für die wirtschaftliche Entwicklung ist natürlich die vollständige Öffnung des öffentlichen Auftragswesens für Bieter auf beiden Seiten des Atlantiks. Die deutschen Behörden vergeben auf allen Ebenen Ausschreibungen im Wert von rund 440 Milliarden Euro pro Jahr, für die sich auch kanadische Unternehmen bewerben können. Solche Beschaffungsmöglichkeiten funktionieren natürlich in beide Richtungen – europäische Unternehmen haben jetzt Zugang zu allen Ausschreibungen in Kanada. Ich empfehle, dass Sie das EU-Portal ted.europa.eu und die kanadische Website buyandsell.gc.ca besuchen. Sie werden vom Volumen der Ausschreibungen und der Transparenz der Auftragsvergabe beeindruckt sein.

Deutschland und Kanada sind beide Handelsnationen. Es liegt im Interesse unserer Völker, dass die Welt den Illusionen von Protektionismus und Isolationismus nicht nachgibt. Für Europäer und Kanadier bedeutet CETA mehr Chancen für Unternehmen jeder Größe, mehr Arbeitsplätze für ihre jeweiligen Gemeinden und mehr Wahlmöglichkeiten für die Verbraucher. Aber CETA bietet auch der EU, Deutschland und Kanada eine einzigartige Gelegenheit, ihrer jeweiligen Bevölkerung und der Welt zu zeigen, dass es keine Notwendigkeit gibt, zwischen Handel und Fortschritt zu wählen. CETA ist der Weg, unsere Innovationsfähigkeit zu bündeln, unsere besten Technologien und unser Know-how zu verbreiten, und unsere Best Practices für ökologische Nachhaltigkeit, für soziale Gerechtigkeit, für Arbeitnehmerrechte und für Lebensmittelsicherheit zu teilen. CETA ist das fortschrittlichste Handelsabkommen, das jemals ausgehandelt wurde. Es muss von allen 28 EU-Ländern, einschließlich Deutschland, im Interesse unserer Bevölkerung ratifiziert werden.

„Das Skilled-Worker- Programm hat positive wirtschaftliche Ergebnisse für Kanada gebracht und das soziokulturelle Gefüge unserer Gesellschaft verbessert.“

Innenpolitisch gab es immer wieder Spannungen zwischen dem anglophonen und frankophonen Teil sowie Auseinandersetzungen zwischen den indigenen Völkern, den First Nations, und Rohstoffunternehmen, etwa über geplante Öl-Pipelines. Wie schätzen Sie aktuell den Stand der Konflikte ein und welche Lösungsansätze gibt es?

Manche Menschen stellen fälschlicherweise das alte zweisprachige Kanada dem neuen multikulturellen Kanada gegenüber. Die gemeinsame Erfahrung von britischen und französischen Kanadiern in Quebec und ganz Kanada war nicht immer einfach, jedenfalls nicht auf lange Sicht. Aber im Großen und Ganzen hat es die Kanadier veranlasst, ihre Vielfalt als ein materielles Gut zu begreifen, das es ihnen ermöglicht hat, gemeinsam eines der beneidenswertesten Länder der Welt aufzubauen und auf dieser Basis immer mehr nicht-christliche Immigranten aus der ganzen Welt willkommen zu heißen. In unserer Verfassung und Charter of Rights and Freedoms verankert, haben sich unsere offizielle Zweisprachigkeit und unser Multikulturalismus in der Vergangenheit gegenseitig unterstützt und müssen gemeinsam voranschreiten. Unsere Vielfalt ist unsere Stärke, einschließlich der Tatsache, dass jeder zehnte Kanadier ein deutsches Erbe hat. Kanada ist ein faszinierendes Mosaik von Kulturen, und wir haben einen sehr kanadischen Weg gefunden, mit verschiedenen Unterschieden umzugehen. Wir feiern unsere Vielfalt, anstatt negativ darüber zu reden, und wir finden Kompromisse.

Manchmal gibt es lebhafte Spannungen. Derzeit haben die Provinzen Alberta und British Columbia sowie einige First Nations unterschiedliche Ansichten darüber, wie Öl und Gas von Alberta zu ausländischen Märkten transportiert werden können. Wir kennen die endgültige Lösung noch nicht, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir es schaffen. Die Kanadier akzeptieren, dass unsere politische Kultur flexibel genug ist, um unterschiedliche Kulturen zuzulassen, und wir haben einen sehr friedlichen Umgang mit Konflikten entwickelt. Es ist nicht verwunderlich, dass Kanada als Gründungsmitglied der Vereinten Nationen diesen friedlichen Ansatz auf die Weltbühne bringt, auch durch unsere Beteiligung an vielen Friedenssicherungsinitiativen in den vergangenen 70 Jahren.

Welche sind aktuell die wichtigsten Handelspartner und warum?

Kanadas wichtigster Handelspartner sind die Vereinigten Staaten. Dies ist seit vielen Jahrzehnten der Fall, und in der Tat war der Handel zwischen den USA und Kanada lange Zeit die größte Handelsbeziehung zwischen zwei Ländern der Welt und wurde erst kürzlich durch das Handelsvolumen zwischen den USA und China übertroffen. Dies ist einer der vielen Gründe, warum Kanada so sehr daran interessiert ist, eine gesunde und regelbasierte Beziehung zu unserem Nachbarn im Süden zu pflegen. Natürlich wollen wir auch diversifizieren und erweitern deshalb unser Netz von Freihandelsabkommen. Europa ist ein sehr wichtiger Partner für uns und CETA ist ein großer Erfolg, wenn es darum geht, unseren Handel mit Europa in beide Richtungen anzuregen. Außerdem haben wir gerade ein Abkommen mit Ländern der transpazifischen Region ausgehandelt, das Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership, kurz CPTPP, das so umfassend und fortschrittlich ist wie CETA.

Multilaterales Engagement ist uns wichtig. Wir sind uns bewusst, dass wir keine Supermacht, sondern eine mittlere Macht im Bereich der Geopolitik und des Handels sind. Deshalb suchen wir immer nach einem kollegialen Ansatz, was bedeutet, dass wir mit anderen zusammenarbeiten, um Regeln zu erstellen und diese dann anzuwenden. Das gilt für internationale Organisationen in allen Bereichen, einschließlich der WTO im internationalen Handel. Sie können sehen, dass Kanada für den Handel mit allen Ländern offen ist, weil wir der Meinung sind, dass offene Türen der beste Weg sind, um unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Nach Saudi-Arabien und Venezuela verfügt Kanada über die drittgrößten Erdölreserven der Welt. Nach der letzten Ölpreiskrise vor drei Jahren haben sich viele internationale Energiekonzerne aus Kanada zurückgezogen. Wie geht Ihre Regierung mit diesem Thema um?

Natürliche Ressourcen sind ein wichtiger Teil der kanadischen Wirtschaft, jedoch viel weniger, als manche Leute denken. Andere Güter, die wir exportieren, sind zum Beispiel Fahrzeuge und Maschinen. Kanada hat in diesen Märkten keine großen Verbrauchermarken, daher ist dieser Sektor weniger sichtbar, aber die Branche ist sehr wettbewerbsfähig und gut in die globale Lieferkette integriert.

Bei Öl und Gas müssen Sie die starken regionalen Unterschiede berücksichtigen. In Alberta beispielsweise machen Öl und Gas zwei Drittel der gesamten Rohstoffexporte aus und die Auswirkungen der Preisveränderungen sind viel stärker ausgeprägt als in anderen Provinzen, die Öl und Gas importieren und möglicherweise sogar von einem niedrigeren Ölpreis profitieren könnten. Wie so oft in einem großen Land wie Kanada spielen geografische Unterschiede eine wichtige Rolle. Außerdem ist die Öl-Förderung in einigen Teilen Kanadas relativ teuer. Daher ist es nicht effektiv, Öl zu gewinnen, wenn der Preis unter einem bestimmten Niveau liegt – aber Sie haben recht, die Reserven sind da. Ich hoffe jedoch, dass die Menschheit andere erneuerbare Energiequellen stärker nutzt und einen Weg findet, die globale Erwärmung zu stoppen. Dies ist eine globale Herausforderung, und jedes Land muss Teil der Lösung sein. Obwohl Kanada ein Ölund Gasproduzent ist, verfügt es über eines der saubersten Stromnetze der Welt. 80 Prozent des Stroms stammen aus nicht emittierenden Quellen. Die Regierung arbeitet mit Provinzen und Territorien zusammen, um Leistungsstandards für die erdgasbefeuerte Stromerzeugung festzulegen. Die Standards werden dazu beitragen, den Übergang von Kohle zu sauberen Stromquellen zu erleichtern.

In Quebec und British Columbia ist die Wasserkraft bereits sehr stark und wir sehen überall neue Investitionen in erneuerbare Energien. An der Atlantikküste entwickeln Unternehmen neue Formen der Energiegewinnung durch die Gezeitenkraft. Hier glaube ich, dass die Innovationen der Zukunft am produktivsten sein werden. Die Gezeitenkraftwerke in Kanada werden übrigens von einem deutsch-kanadischen Konsortium entwickelt.

Gemessen an der Bevölkerung hat Kanada eine hohe Einwanderungsrate. Durch das Skilled-Worker-Programm wird die Einwanderung klar definiert und auf gefragte Berufe zugeschnitten. Wie hat sich das Programm bisher bewährt?

Seit Jahren sehen wir, wie die Einwanderung Kanada stärkt, indem sie Innovation und Wirtschaftswachstum ankurbelt und so vielfältige und integrative Gemeinschaften unterstützt. Deshalb wird Kanada im Jahr 2018 im Rahmen des aktuellen mehrjährigen Einwanderungsstufenplans 310.000 neue ständige Einwohner begrüßen, von denen etwa ein Drittel in den „skilled worker categories“ eintreffen werden. Diese Zahlen werden in den kommenden Jahren schrittweise ansteigen und über einen mehrjährigen Einwanderungsplan gesteuert. Dieser gemessene, allmähliche Anstieg wird dazu führen, dass bis 2020 jährlich ein Prozent der kanadischen Bevölkerung neu aufgenommen wird, was Innovationen fördert und eine wichtige Investition in den Wohlstand Kanadas darstellt, jetzt und in der Zukunft.Skilled workers, also Fachkräfte, werden aufgrund von sechs Faktoren als ständige Bewohner ausgewählt: Sprachkenntnisse, Ausbildung, Erfahrung, Alter, vereinbarte Beschäftigung in Kanada und Anpassungsfähigkeit. Diese Faktoren wurden ausgewählt, da die Forschung gezeigt hat, dass sie wichtig sind, um Einwanderern in Kanada erfolgreich zu helfen. Es ist auch erwähnenswert, dass Kanadas gesteuertes Einwanderungssystem großen Wert darauf legt, Neuankömmlingen dabei zu helfen, ihre Übergangszeit zu überstehen, Englisch oder Französisch zu lernen, eine sinnvolle Beschäftigung zu finden und sich in ihren Gemeinden zu etablieren. Dieser Ansatz hat positive wirtschaftliche Ergebnisse für Kanada gebracht und das soziokulturelle Gefüge unserer Gesellschaft verbessert, aber wir erkennen an, dass Einwanderungsprogramme an die einzigartigen Umstände und Bedürfnisse jedes Landes angepasst werden müssen.

„Wir feiern unsere Vielfalt, anstatt negativ darüber zu reden, und wir finden Kompromisse.“

Vor 20 Jahren unterzeichnete Kanada das Kyoto- Protokoll, stieg aber vor sieben Jahren wieder aus dem Vertrag aus. Wie sieht die kanadische Klimapolitik derzeit aus, und welche Maßnahmen werden ergriffen, um der Erderwärmung zu begegnen?

Der Klimawandel ist eine der größten Bedrohungen unserer Zeit. Von zunehmenden Dürreperioden über Überschwemmungen an der Küste bis hin zur Schmelze des Meereises in unserer Arktis – die weitreichenden Auswirkungen des Klimawandels zwingen Kanada zu starken Maßnahmen. Von 2004 bis 2006 war ich Umweltminister und kämpfte als Teil der Regierung hart für eine zukunftsorientierte Politik, die ökologisch nachhaltige Technologien und Produkte anwendet. Als Kanada das Kyoto-Protokoll unter der konservativen Regierung verließ, war ich nicht einverstanden. Die Kritik an Kyoto war jedoch, dass nicht alle Emissionsländer einbezogen wurden. Jetzt haben wir das Pariser Abkommen, das viel umfassender ist.

Eine der ersten Errungenschaften der Trudeau-Regierung war es, das Klimaabkommen von Paris in Kraft zu setzen. Seit ihrer Wahl im Jahr 2015 arbeitet diese Regierung intensiv mit den Provinzen zusammen, um an verschiedenen Fronten schneller voranzukommen. Wir wollen etwa Kanadas Bausektor energieeffizienter gestalten, denn das ist eine kostengünstige Möglichkeit, Treibhausgasemissionen zu reduzieren sowie Haushalten und Unternehmen Geld zu sparen. Der Aufbau eines intelligenten, integrierten, sauberen Stromsystems wird zuverlässige und erschwingliche Energie dorthin liefern, wo sie benötigt wird. Kanadas Wälder, Feuchtgebiete und Ackerland können atmosphärischen Kohlenstoff aufnehmen und speichern. Die Wiederverwendung von Abfällen als Brennstoff kann nach Möglichkeit auch Emissionen reduzieren.

Wir wissen, dass die richtigen Investitionen heute dramatische Veränderungen bewirken können, um Emissionen zu reduzieren und die Nachhaltigkeit zu erhöhen. Mit intelligenten und strategischen Investitionen in den Verkehr wird Kanada nicht nur eine sauberere Wirtschaft aufbauen und gute Arbeitsplätze schaffen, sondern auch die Lebensqualität insgesamt verbessern. Wir tun viel, aber ich fürchte, das ist noch nicht genug. Kanada treibt auch die Umweltpolitik auf globaler Ebene voran. Eine der Prioritäten der G7 ist die Zusammenarbeit in den Bereichen Klimawandel, Ozeane und saubere Energie. Ich bin zuversichtlich, dass wir auf dem G7-Gipfel in Charlevoix eine starke Stellungnahme zur Bekämpfung der Erderwärmung sehen werden.

Was macht für Sie die Kultur Kanadas aus?

Kultur liegt mir sehr am Herzen und ich genieße die reiche Kulturszene in Deutschland sehr. Ich sehe, dass Kultur auch ein wichtiger Teil unserer Außenpolitik ist. Wir haben großartige kanadische Inhalte, die im Ausland hoch angesehen sind. Vielleicht haben Sie gehört, dass Kanada im Jahr 2020 Ehrengast der Frankfurter Buchmesse sein wird. Außerdem sehen wir jedes Jahr bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin, der Berlinale, neue kanadische Talente, und ich bin stolz darauf, dass unsere Botschaft am Leipziger Platz im Herzen Berlins eine offizielle Berlinale-Location ist.

Durch 43 National- und weit über 1500 Provinzparks ist Kanadas Natur zum bedeutenden Faktor für den Tourismus geworden. Welche touristischen Highlights würden Sie persönlich empfehlen?

Kanada ist das zweitgrößte Land der Welt und es gibt so viel zu sehen als Tourist. Deutschland hat Bundesländer, Kanada hat Provinzen und Territorien. Das ist die gleiche Idee, aber nur in viel größeren Dimensionen. Von der Atlantikküste im Osten bis zur Pazifikküste im Westen und der Arktis im Norden gibt es für jeden Reisenden so viele Möglichkeiten, Kanada zu erkunden. Genießen Sie gutes Essen und schöne Unterkünfte in Städten wie Quebec City, Toronto und Montreal, Wildnisexpeditionen und Walbeobachtungen von Nova Scotia bis nach Vancouver, Skifahren in einigen der weltbesten Resorts in Whistler und Banff, Schlemmen von Austern auf Prince Edward Island, mit dem Zug durch die riesigen kanadischen Rocky Mountains – die Liste geht weiter und weiter.

Interview Markus Feller

Bilder: 1, 2, 3, 4 = Mohamed El-Sauaf