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„WAS WIR IN DER START-UP-SZENE ZWISCHEN ISRAEL UND DEUTSCHLAND BEOBACHTEN, IST DAS ERGEBNIS LANGJÄHRIGER BILATERALER BEZIEHUNGEN.“
Der Staat Israel wird dieses Jahr 70 Jahre alt. Auf relativ unfruchtbarem Boden im Jahr 1948 gegründet, gehört Israel heute zu den modernsten Ländern auf der Welt. Es blickt auf eine mehr als 3.500 Jahre alte jüdische Geschichte zurück, eine Geschichte, die zugleich wechselhaft und konfliktreich war – und teils noch immer ist. Trotz der prekären sicherheitspolitischen Lage verzeichnet der Staat bemerkenswerte Entwicklungen. Die Wirtschaft wächst rasant, die Quote an Hochschulabsolventen ist hoch und Israel verfügt über die weltweit höchste Konzentration an High-Tech-Unternehmen abseits des Silicon Valleys. Anlässlich dieses großen Jubiläums hat das Diplomatische Magazin S.E. Jeremy Issacharoff getroffen, den Botschafter des Staates Israel. Im Restaurant Die Fischerhütte am Schlachtensee in Berlin-Zehlendorf sprach der Diplomat unter anderem über die Zukunft der israelisch-deutschen Beziehungen, humanitäre Hilfe seines Landes an der syrischen Grenze, das entwicklungspolitische Engagement in Afrika und humanitäre Beziehungen mit Palästina, die es nur selten in die Medien schaffen.
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err Botschafter, A Legacy of Innovation ist das Motto der diesjährigen Feierlichkeiten zum 70. Jahrestag des Staates Israel. Was können die Menschen erwarten?

Zunächst einmal wird es ein Fest der Beziehungen zwischen Israel und Deutschland sein, die über 50 Jahre alt sind. Es ist erstaunlich, wie sich diese Beziehungen in verschiedenen Bereichen entwickelt haben. Für uns ist 2018 ein besonderes Jahr, weil es die wachsende Zusammenarbeit zwischen Israel und Deutschland versinnbildlicht, zwei Länder, die eine komplizierte Vergangenheit hinter sich haben. Ich spüre, dass diese Vergangenheit Teil einer bereichernden Gegenwart und einer großen Zukunft sein wird. Das sehe ich auch in der Zusammenarbeit im Bereich Innovation und Technologie, wo wir unsere Beziehungen noch weiter ausbauen können.

„Für uns ist 2018 ein besonderes Jahr, weil es die wachsende Zusammenarbeit zwischen Israel und Deutschland versinnbildlicht.“

Was für Events sind in diesem Rahmen geplant?

Wir haben viele Veranstaltungen und Empfänge, um das 70-jährige Jubiläum zu feiern. Wir hoffen auf hochrangige Gäste der deutschen Regierung, Vertreter der Ministerien, diplomatische Kollegen, Mitglieder der neuen Regierung, sowie Mitglieder der Jüdischen Gemeinde und der Wirtschaft. Als ich hier ankam, wurde mir schnell klar, dass Deutschland nicht nur Berlin ist. Ich bin viel gereist und habe großartige Leute kennengelernt, die hoffentlich auch dabei sein werden. Es gibt eine Reihe verschiedener Aktivitäten, Empfänge und Veranstaltungen, die in den einzelnen Bundesländern stattfinden werden. Darüber hinaus begehen viele Organisationen das Jubiläum mit eigenen Festen. Wir werden ein sehr lebendiges und feierliches Jahr erleben.

In den letzten 70 Jahren hat Ihr Land keine Ruhe gefunden. Wie beurteilen Sie die aktuellen Entwicklungen in der Region, den Krieg in Syrien oder die militärischen Spannungen mit dem Iran?

Wir blicken zurück auf 70 Jahre, in denen wir uns mit Herausforderungen aus allen Richtungen auf verschiedensten Schauplätzen konfrontiert sahen. Es gab Konfrontationen mit dem Libanon, der Fatah, der Hisbollah, und derzeit ist Syrien eine große Herausforderung für unsere nationale Sicherheit. In der Vergangenheit gab es Kriege mit Ägypten und Jordanien, mit denen wir später Friedensverträge unterzeichnet haben. Wir stehen auch weiterhin vor solchen Herausforderungen – mit der Hamas im Gazastreifen oder dem jüngsten Drohnen-Überfall aus dem Iran. Trotz dieser Sicherheitsherausforderungen ist es uns gelungen, unseren Bürgern ein hohes Maß an Sicherheit zu bieten. Als junges Land auf sehr unfruchtbarem Boden ist es Israel gelungen, seine Wirtschaft und seine Landwirtschaft zu entwickeln, sich selbst zu ernähren, seine Nahrungsmittelproduktion zu vervielfachen und für Ernährungssicherheit zu sorgen. Wir sind auch ein ressourcenarmes Land, aber wir haben es dennoch geschafft, uns zu einer fortschrittlichen, wissensbasierten Gesellschaft zu entwickeln. Wir sind auch sehr kreativ im Finden von Nischen für eine wirtschaftliche Zusammenarbeit – beispielsweise im Bereich der Mobilität.

Ein gutes Stichwort. Die deutsche Automobilindustrie arbeitet mit Softwarefirmen in Israel zusammen. Was macht Israel zu einem so guten Software-Standort?

Die Automobilindustrie ist ein perfektes Beispiel dafür, dass man für wirtschaftlichen Erfolg nicht unbedingt die Produktion schwerer Industriegüter nachweisen muss. Israel kann Deutschland mit einer sehr fortschrittlichen Technologie ausstatten, die deutsche Autos bei ihrem weltweiten Erfolg unterstützt. Der Erfolg Israels besteht nicht nur darin, sich mit Sicherheitsfragen zu befassen oder Mittel zur Verfügung zu stellen, um sein Überleben zu sichern. Unsere Gesellschaft ist demokratisch, gleichberechtigt und pluralistisch: Hoch qualifizierte Frauen und Männer im IT-Bereich tragen zu unserem hohen Innovationspotenzial bei.

ISRAEL
Offizieller Name: Staat Israel Bevölkerung: 8,8 Millionen Staatsform: parlamentarische Republik
Hauptstadt: Jerusalem Bevölkerungsdichte: 377 Einwohner pro km² Regierungschef: Premierminister Benjamin Netanjahu
Fläche: 22.380 km² Amtssprache: Ivrit (Hebräisch), Arabisch Nationalhymne: Hatikvah

Israel bezeichnet sich selbst oft als Start-up-Nation. Viele internationale und deutsche Unternehmen wie die Deutsche Telekom, SAP oder Siemens, sind vor Ort, um mit israelischen Start-up-Unternehmen in Kontakt zu treten. Wie erklären Sie sich diesen Pull-Effekt?

Was wir in der Start-up-Szene zwischen Israel und Deutschland sehen, ist das Ergebnis langjähriger bilateraler Beziehungen. Trotz unserer schwierigen Vergangenheit stehen wir heute im Dialog mit Deutschland – vor allem wo es um strategische Fragen geht. Diese Beziehung zeichnet zwei Partner mit starken Kompetenzen in verschiedenen Bereichen aus. Seit meiner Ankunft in Deutschland habe ich an mehreren Workshops teilgenommen, die von deutschen und israelischen Unternehmen organisiert wurden. Vor Kurzem traf ich auch ein Team von Wissenschaftlern der Hebräischen Universität Jerusalem und des Fraunhofer-Instituts, die an einem Cybersecurity-Projekt arbeiten. Und obwohl es unterschiedliche Denkweisen und politische Haltungen gibt, ist das Ergebnis dieser vereinten Kräfte bemerkenswert produktiv. Für mich ist es schön zu sehen, dass sich junge Deutsche und Israelis nicht gegenseitig mit Angst, Schuld oder Wut begegnen, sondern unbefangen über gemeinsame Themen diskutieren. In den letzten 50 Jahren hat sich vieles verändert. Wir arbeiten auch nicht nur in der Automobilindustrie gut zusammen. Für Deutschland kam der Weckruf, als der Computerriese Intel das israelische Technologieunternehmen Mobileye – das führend in der autonomen, computergestützten Antriebstechnik ist – für 15,3 Milliarden US-Dollar erwarb. Damals begannen deutsche Unternehmen mit Mobileye zu arbeiten. Und ich kann hinzufügen, dass Israel wahrscheinlich nie Autos produzieren wird, sodass Deutschland sich entspannen kann (lacht). Letztlich gehen deutsche Hardware und israelische Software eine Partnerschaft ein, die am Ende ein solides Produkt schafft.

„Israel wird wahrscheinlich nie Autos produzieren, sodass Deutschland sich entspannen kann.“

Wie engagieren Sie sich gemeinsam mit Deutschland in anderen Ländern?

Ein weiterer wichtiger Bereich, der einer breiten Öffentlichkeit eher unbekannt ist, ist unser gemeinsames wirtschaftliches Engagement mit Deutschland in afrikanischen Ländern. Die Afrika-Initiative wurde von unserer MASHAV und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung BMZ entwickelt, um zur Entwicklung von Äthiopien, Burundi, Burkina Faso, Ghana, Kamerun und Kenia beizutragen, wo wir uns auf Nahrungsmittelversorgung, Landwirtschaft, Bewässerung, Unternehmertum, Gleichberechtigung der Geschlechter und die Stärkung der Frauen konzentrieren.

Wie hilft die wirtschaftliche Zusammenarbeit dabei, politische Spannungen abzubauen?

Unsere Sicherheitsstandards sind ein Anreiz für arabische Länder, eng mit Israel zusammenzuarbeiten, und ich denke, dass unsere Beziehungen zu Ägypten und Jordanien in den letzten Jahren dadurch deutlich verbessert wurden. Außerdem hilft es, trotz aller Spannungen menschlich zu bleiben. Heute Morgen habe ich einen Zeitungsartikel gelesen, in dem es darum ging, wie das Assad-Regime seine Bombardierungen im Osten von Ghouta unerbittlich fortsetzt. Wir konnten eine syrische Frau mit einer Risikoschwangerschaft in das Rambam-Krankenhaus in Haifa bringen und die Ärzte haben es geschafft, sie und das Leben des Babys zu retten. In Israel wurden bereits über 4.000 Syrer mit ernsthaften Verletzungen medizinisch versorgt. Derzeit werden jede Woche rund 50 Menschen grenzübergreifend behandelt. Die Rolle Israels hat sich verändert – wir versuchen, unseren Nachbarn zu zeigen, dass wir ein verlässlicher und unterstützender Partner für ihre Stabilität und Sicherheit sind – denn in vielerlei Hinsicht ist ihre Sicherheit auch unsere Sicherheit. Wir nehmen das sehr ernst.

Wir hatten hier gerade die ITB – wie wichtig ist der Wirtschaftsfaktor Tourismus?

Der Tourismus ist ein sehr wichtiger Faktor bei uns – insgesamt ist der Nahe Osten eine Schatztruhe touristischer Sehenswürdigkeiten. Mein Traum wäre, dass es eine kontinuierliche Stabilität in der Region gibt, der Tourismus in Israel steigt und Moslems aus aller Welt nach Jerusalem kommen, um die heiligen Stätten zu besuchen. Das würde zu Handel, Normalität und Wohlstand führen, was letztlich das ist, was sich jeder in der Region wünscht. Wir kooperieren auch im Bereich Tourismus mit unseren Nachbarn.

Stichwort verlässlicher Nachbar – internationale Medien konzentrieren sich oft auf den Bau israelischer Siedlungen. Den Nahostkonflikt in einem anderen Licht betrachtet: Können Sie uns Beispiele für die Zusammenarbeit zwischen Israelis und Palästinensern nennen?

Wir arbeiten eng mit den Ägyptern und Jordaniern, auch an der syrischen Grenze zusammen. Auch in puncto Sicherheit arbeiten wir kontinuierlich mit den palästinensischen Behörden zusammen, was nicht nur den israelischen, sondern auch vielen palästinensischen Interessen dient. Das ist ein nicht unwichtiger Faktor, den man bedenken sollte. Wir kooperieren außerdem auch in den Bereichen Energie und Wasser. Unsere Entdeckung von Erdgas im Mittelmeer könnte ein entscheindender Faktor in den Beziehungen zu unseren Nachbarn werden. Auch hier geht es um den gegenseitigen Nutzen für alle.

Ich gehe ungerne in Krankenhäuser, aber wenn man Kliniken in Jerusalem besucht, kann man eindrucksvolle Modelle eines ruhigen und friedlichen Zusammenlebens sehen: Arabische Ärzte, die jüdische Patienten behandeln, und jüdische Ärzte, die arabische Studierende unterrichten. Man weiß nicht mehr, wer eigentlich Araber und wer jüdisch ist. Das sieht man nicht in den deutschen Nachrichten, weil nichts Schlimmes passiert. Ich lebe seit vielen Jahrzehnten in Jerusalem und habe auch viele arabische Freunde – es gibt viel mehr Normalität und Zusammenleben, als man von außen denkt. Zum Beispiel besuchte ich als stellvertretender Generaldirektor des Außenministeriums einmal ein MASHAV-Zentrum in Haifa. Ich kam in einen Seminarraum voller israelischer und palästinensischer Physiotherapeuten. Sie kamen aus Städten wie Bethlehem, Jenin, Hebron oder Nablus, also tief aus dem Westjordanland. Können Sie sich vorstellen, diese Leute in einem Raum zu sehen, wie sie sich gegenseitig massieren?

Was für ein Eindruck war das für Sie?

Zunächst stand ich da und war sehr bewegt: Menschen, in einem Raum, die alle Konflikte beiseite legen, zeigen, wie wir voneinander lernen, wie wir einander helfen können. Für mich war das sehr symbolisch für das, was wir haben könnten. Alle diese friedlichen und hoffnungsvollen Geschichten finden leise und unbemerkt von der Öffentlichkeit statt, aber sie bedeuten mir sehr viel.

Können Sie uns Ihren persönlichen Ansatz zum Umgang mit Palästina darlegen?

Wir müssen uns auf die Palästinenser zubewegen, eine politische Lösung finden und nicht davor weglaufen. Aber dafür brauchen wir beide Seiten. Die Antwort auf die politische Frage liegt weder in Genf, noch in Paris oder New York – die Antwort liegt auf dem zehnminütigen Weg von Ramallah bis Jerusalem. Dort müssen wir sitzen und reden.

Kürzlich entdeckte Israel Erdgasvorkommen im östlichen Mittelmeer, das so genannte Feld 9. Was bedeutet das für Israels Rolle als energiepolitischer Akteur?

Wir sind eine wissensbasierte Wirtschaft, daher wird die Entdeckung von Erdgasreserven in erster Linie zu unseren eigenen Bedürfnissen beitragen. Die Zukunft wird zeigen, ob Israel tatsächlich Erdgas exportieren kann. Einer der Vorteile könnte aber sein, dass diese Entdeckung eine breitere Zusammenarbeit zwischen Ägypten, Jordanien und Palästina schafft. In den letzten Jahren ist Israel auch seinen unmittelbaren Nachbarn Griechenland und Zypern näher gekommen. Unsere Beziehungen zu beiden Ländern sind gewachsen und haben sich zu einem internationalen Netzwerk entwickelt. In diesem Zusammenhang könnte Erdgas für die weitere Zusammenarbeit im Mittelmeerraum eine interessante Rolle spielen. Natürlich gibt es auch einige Auseinandersetzungen mit dem Libanon über die Abgrenzung des Gasfeldes. Aber an diesen Dingen arbeiten wir.

„Die Rolle Israels hat sich verändert – wir wollen unseren Nachbarn zeigen, dass wir ein verlässlicher und unterstützender Partner für ihre Stabilität und Sicherheit sind.“

Sie sind jemand, der eifrig auf Twitter unterwegs ist. Was sind die Vor- und Nachteile von sozialen Medien im Tagesgeschäft eines Botschafters?

Twitter ist ein unmittelbares Medium, das eine Unmenge an Informationen liefert, die Sie schnell erhalten können. Als Diplomat hingegen sind Sie auf vertrauliche Kanäle angewiesen. Täglich lese ich Letztere und manchmal sage ich: „Hmm, das habe ich schon vor ein paar Tagen auf Twitter gelesen“. Oder ein anderes Beispiel: Vor Kurzem traf ich Heiko Maas, damals noch Justizminister. Und ich hatte den Verdacht, dass er seinen Job wechseln würde, aber ich wollte nichts twittern. Als es also offiziell verkündet wurde, dass er neuer Außenminister wird, habe ich einen Tweet gepostet, um ihm viel Erfolg zu wünschen. Twitter ist revolutionär, wenn es um den Informationsfluss geht: Sie können Nachrichten weiterleiten und Ideen austauschen.

Würden Sie sagen, dass Twitter den Beruf von Botschaftern stark verändert hat? Früher fand der größte Teil der diplomatischen Arbeit hinter verschlossenen Türen statt.

Ich stimme Ihnen zu. Die Rolle von Botschaftern könnte weniger relevant werden, aber in meinen Augen hängt es von den jeweiligen Botschaftern ab, wie sie Twitter in ihrer täglichen Arbeit einsetzen. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als ich als stellvertretender Generaldirektor unseres Außenministeriums mit sensiblen strategischen Fragen zu tun hatte. Glauben Sie mir, es gibt immer noch eine Dimension in meiner Arbeit, die sich hinter verschlossenen Türen und unter dem Radar abspielt. Aber für den Erfolg eines Diplomaten ist es wichtig, einen Fuß in der Öffentlichkeit und den anderen im diskreten Bereich der Diplomatie zu haben. Letztendlich denke ich, dass der Öffentlichkeit besser gedient ist, wenn sie nicht alles weiß und sich auf die Beamten verlässt, die für Frieden und Gemeinwohl arbeiten.

Sie sind seit mehr als 30 Jahren im Außenministerium tätig. Gibt es in Ihrer Karriere eine Geschichte, an die Sie sich besonders erinnern?

38 Jahre, um genau zu sein (lacht). Es gibt natürlich eine Menge Geschichten, an die man sich erinnern kann, aber eine sticht besonders heraus. Als ich Diplomat in Washington war, ging ich mit meinem ältesten Sohn zum National Air and Space Museum. Irgendwann standen wir vor ausgestellten Astronauten, es gab einen sowjetischen Astronauten, einen ukrainischen Astronauten und plötzlich fragt mein Sohn: „Papa, warum gibt es keinen israelischen Astronauten?“ In diesem Moment kam mir eine Idee – ich rief umgehend den Botschafter in Washington an, weil ich wusste, dass der damalige Premierminister Shimon Peres die USA besuchte. Ich schlug vor, einen israelischen Astronauten mit einem der nächsten Space Shuttles ins All zu schicken. Um es kurz zu machen – der Premierminister dachte darüber nach, und zwei Wochen später kündigte er zusammen mit US-Präsident Bill Clinton an, dass es zum ersten Mal in der Geschichte einen israelischen Astronauten geben würde.

Wie wurde diese Geschichte historisch beurteilt?

Unter dem Strich wurde die Aktion als zusätzliches Element der israelisch-amerikanischen wissenschaftlichen Zusammenarbeit betrachtet. Es ist aber eine wichtige Geschichte, weil sie mir bereits in jungen Jahren gezeigt hat, dass man über den Tellerrand hinausschauen und nach neuen Horizonten suchen muss. Als Diplomat möchte ich etwas bewegen, nicht nur die Fahne schwenken und Reden halten, sondern Frieden schaffen, Kriege beenden, neue Beziehungen zwischen uns und der arabischen Welt schaffen. Für mich ist das der Kern der Diplomatie: die Realität zu verändern, anstatt sie zu akzeptieren. Das ist einer der Gründe, warum ich mich für Deutschland – ein unglaublich wichtiges Land in der Welt – entschieden habe. Ich bin sicher, dass die Beziehungen zwischen unseren beiden Ländern noch viel tiefer gehen können, wir die Last unserer Geschichte nutzen können, um sie in eine besondere Verbindung umzuwandeln – das sehe ich jeden Tag.

Interview Enrico Blasnik

Bilder: 1, 2, 3, 4, 5 = Mohamed El-Sauaf