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„UNSER ZIEL IST ES, ZU EINER WISSENSBASIERTEN WIRTSCHAFT ÜBERZUGEHEN UND ZU EINEM WIRTSCHAFTSSTANDORT ZU WERDEN, DER DIE WELT VERBINDET.“
Laut Global Peace Index von 2017 zählt Katar zu den 30 friedlichsten Staaten auf diesem Planeten. So verzeichnet die Sicherheitslage im Land im internationalen Vergleich einen signifikanten Rückgang der Anzahl der Straftaten. Das ist das Ergebnis der unermüdlichen Bemühungen der Regierung, die sich auch an anderer Stelle herauskristallisieren. Denn Katar konzentriert sich derzeit mit aller Kraft auf das Wachstum und die Entwicklung seiner Bevölkerung. Die Herrscher von Katar imaginieren eine Zukunft für ihr Land, in der jeder Einzelne einen hohen Lebensstandard haben wird. Der zugrundeliegende Masterplan für dieses Ziel ist die „Qatar National Vision 2030“. Darüber, über die immer noch andauernden diplomatischen Spannungen mit Katars Nachbarstaaten und vieles mehr spricht der Botschafter des Staats Katar S.E. Saoud Bin Abdulrahman Al Thani im Interview mit dem Diplomatischen Magazin.
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err Botschafter, seit über vier Jahren regiert Kronprinz Tamim Ihr Land, dessen Vater Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani seit 1995 an der Macht war. In seiner bisherigen Amtszeit hat Emir Scheich Tamim bin Hamad Al Thani den vorsichtigen Modernisierungskurs seines Vaters weitergeführt und einige Schritte zur stärkeren Beteiligung der Bürger bei den Wahlen unternommen. Mit welchen konkreten Maßnahmen hat er das umsetzen können?

Seine Hoheit, der Vater Emir, hat eine Vision entwickelt, die auf der Führung der Jugend fußt. Seine Entscheidung, die Staatsführung der jüngeren Generation zu überlassen, war weise und zugleich ein Meilenstein in der Erinnerung des arabischen Volkes, und nicht nur des katarischen Volkes. Dieser mutige Schritt kam von einem Staatsmann, der sich auf dem Höhepunkt seiner Macht befand, der das Maximum nationaler Errungenschaften erreichte, indem er die Jugend dahin führte, dass sie befähigt ist, in den kommenden zehn Jahren die Staatsangelegenheiten zu leiten und zu verwalten. Nach 18 Jahren des Gebens und Erreichens ist Katar zu einem Staat fortschrittlicher Institutionen geworden. Auf verschiedenen Ebenen und in allen Foren hat es eine herausragende politische Präsenz erlangt. Dieser einzigartige Schritt geht auch mit der Führungsübergabe an seine Hoheit Scheich Tamim bin Hamad Al Thani einher, der die Vision seines Vaters weiterführt, das bereits Erreichte stärkt und junge Menschen so ausbildet, dass sie auf eine klare und fundierte Vision für die Entwicklung nationaler Institutionen hinarbeitet.

Von dem Moment an, als er sein Amt antrat, bekräftigte der Emir, dass der Führungswechsel in Katar nicht bedeute, dass sich die Herausforderungen und Aufgaben des Landes geändert haben. Dies wurde vor Ort durch den weiteren Aufbau staatlicher Institutionen umgesetzt, der während der Regierungszeit seiner Hoheit, des Vaters Emir, begann. Scheich Tamim bin Hamad Al Thani hat den Geist des Staats und seiner Institutionen erneuert, indem er den Reformprozess weitergeführt, das Positive gefestigt und das Negative vermieden hat, entsprechend der nationalen Vision, die die menschliche Entwicklung schätzt. Dies hat seine Hoheit auch in seiner ersten Rede 2013 vor dem Schura-Rat zusammengefasst, und auch dass die Entwicklungsziele, die in der „Qatar National Vision 2030“ festgehalten sind, auf den drei Worten basieren: Nation, Staat und Bürger.

Seine Hoheit, der Emir, verfolgt weiterhin eine konsequente politische Linie, die sich auf die Grundsätze und Werte stützt, die die Politik der katarischen Regierung im Umgang mit regionalen und internationalen Fragen entwickelt hat. Dies bestätigt erneut, dass Katar eine systematische Politik verfolgt hat, die auf einem soliden institutionellen System basiert und nicht nur auf Entscheidungen und Urteilen, die sich je nach Interessenlage ändern. Während des Arabischen Frühlings war Katar stets auf die Bedürfnisse seiner Bevölkerung ausgerichtet, ein gutes Vorbild, das Gerechtigkeit, menschliche Würde und Freiheit fördert. Um Sicherheit und Frieden in vielen Regionen der Welt zu schaffen, hat Katar seine Vermittlungsbemühungen weiter ausgebaut und spricht sich durchgehend für Anstrengungen aus, die Krisen zwischen verschiedenen Partnern zu entschärfen.

Heute bewegt sich Katar auf die ersten parlamentarischen Wahlen des Schura-Rats zu. Die Regierung erörtert derzeit diverse Wahlgesetze und Wahlkreissysteme, sodass die Ratsmitgliedschaft in Zukunft durch Wahlen und nicht durch Ernennung erfolgt. Dies wird wie geplant nach der Ratstagung 2019 geschehen. Die Frauen Katars spielen dabei eine wichtige Rolle im Rat, in dem derzeit bei 45 Mitgliedern vier Frauen vertreten sind.

Katar
Offizieller Name: Staat Katar Bevölkerung: 2,6 Millionen Staatsform: Monarchie mit Beratender Versammlung
Hauptstadt: Doha Bevölkerungsdichte: 227 Einwohner pro km² Regierungschef: Emir Scheich Tamim bin Hamad Al-Thani
Fläche: 11.437 km² Amtssprache: Arabisch, Englisch als Geschäftssprache weit verbreitet Nationalhymne: as-Salam al-amiri

Die Regierung Katars wurde in den vergangenen Jahren aufgrund der vergleichsweise schlechten Arbeits- und Lebensbedingungen der meist gering qualifizierten ausländischen Gastarbeiter kritisiert. Zudem werden Ihrem Land Defizite bei der Meinungs- und Pressefreiheit vorgeworfen. Wie möchte Ihr Land in der Zukunft diesbezüglich Verbesserungen erreichen?

Noch bevor die Baufirmen mit dem Bau und der Vorbereitung der Standorte für die Fußballweltmeisterschaft begonnen hatten, hat das Projekt „Qatar National Vision 2030“ die Notwendigkeit verbesserter Lebens- und Arbeitsbedingungen für Gastarbeiter anerkannt. In den letzten Jahren hat das Ministerium für Verwaltungsentwicklung, Arbeit und Soziales deshalb ein neues und umfassendes Programm auf die Beine gestellt, um die Wohnsituation für Arbeiter durch den Bau moderner Wohnungen gemäß internationalen Richtlinien zu verbessern. Der Bau der meisten dieser Unterkünfte, die in verschiedenen Regionen des Landes verteilt sind und mehr als 340.000 Arbeiter unterbringen können, ist abgeschlossen. Außerdem hat Katars Regierung die Anzahl der Gesundheitseinrichtungen erweitert, indem es drei moderne Krankenhäuser und vier neue Gesundheitszentren für Gastarbeiter errichtete. Darüber hinaus wurden ein neues Vertragssystem und ein sicheres Zahlungssystem eingeführt, um Gehaltszahlungen durch Banküberweisungen zu vereinfachen.

Die Regierung hat eng mit Nichtregierungsorganisationen wie Amnesty International, Human Rights Watch oder dem Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB) zusammengearbeitet, um gute Praktiken in der Arbeitsmarktpolitik zu formulieren, und sich verpflichtet, höchste Standards für Gastarbeiter in der Region zu erfüllen. Wir schätzen den Ratschlag von all denjenigen, die ihr internationales Expertenwissen zur Verfügung gestellt sowie zur Entwicklung und Ausgestaltung rechtlicher und Verfahrensänderungen beigetragen haben. Katar wird auch weiterhin eng mit ihnen zusammenarbeiten, nicht nur um die Rechte der Arbeiter zu schützen, sondern um sie mit internationalen Standards und guter fachlicher Praxis in Einklang zu bringen. Im Zuge der Reformen hat Katar auch ein umfassendes Programm zur technischen Kooperation entwickelt, um optimale Vorgehensweisen in der internationalen Arbeitsorganisation zu gewährleisten. Im frühen November 2017 hat die International Labour Organisation (ILO) ihre Klage aus dem Jahr 2014 gegen Katar sogar zurückgezogen und die wichtigen Schritte, die Katar zur Entwicklung eines modernen und gerechten Arbeitssystems unternommen hat, öffentlich und formal anerkannt.

„Die Regierung erörtert derzeit diverse Wahlgesetze und Wahlkreissysteme, sodass die Ratsmitgliedschaft in Zukunft durch Wahlen und nicht durch Ernennung erfolgt.“

Und was den zweiten Teil der Frage betrifft: Der katarische Staat hat keine Mühen gescheut, die Meinungsfreiheit zu stärken, aus der tiefen Überzeugung heraus, dass Menschen das Recht haben, verlässliche Informationen von verlässlichen Quellen zu erhalten. In diesem Zusammenhang kann ich auch auf Al Jazeera hinweisen, einen der engagiertesten Nachrichtensender, was die Schaffung der Meinungsfreiheit betrifft. Mohammed Ali Alnsour, Chief of the Middle East and North Africa, Office of the High Commissioner of Human Rights (OHCHR), sagte im Juli des vergangenen Jahres: „Der Staat Katar ist qualifiziert, die Meinungsfreiheit in der Region anzuführen.“ Außerdem kann hier jeder seine religiösen Rechte ohne Einschränkungen oder Hindernisse praktizieren – Katar heißt religiöse Vielfalt willkommen.

Katar verfolgt eine unabhängige und selbstbewusste Außenpolitik, die besonders auf den zunehmenden Einfluss in der arabischen Welt abzielt. Dafür sprechen die traditionell guten Beziehungen zum Iran, dagegen die zuletzt angespannten Verhältnisse zu Saudi-Arabien, den VAE, Bahrain und Ägypten. Welche Pläne hat Katar für die zukünftige Zusammenarbeit mit der arabischen Welt?

Katar hat schon immer den Dialog als einziges Mittel zur Streitschlichtung betrachtet. Dies ist die Leitlinie, auf die sich der Staat immer verlassen hat, sei es in seinen außenpolitischen Beziehungen zu seinen Nachbarn und anderen Ländern oder in seiner Rolle als Vermittler zwischen Konfliktparteien. Der Iran etwa ist ein Nachbarstaat, daher können wir seine Präsenz nicht ignorieren und müssen einen offenen Kanal für Dialog und Verhandlungen aufrechterhalten, um mögliche Differenzen – sei es mit dem Iran oder anderen Staaten – zu klären. Seit dem sogenannten Arabischen Frühling hat Katar sich entschieden, dem arabischen Volk überall, klar und deutlich gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung zur Seite zu stehen, und wir werden dem arabischen Volk auch weiterhin zur Seite stehen.

In der westlichen Welt zählen die USA, Großbritannien und Frankreich zu den wichtigsten Partnern. Wirtschaftlich gibt es zudem starke Bindungen zu Japan, Südkorea, Indien und zunehmend auch China und zur Türkei. Welche sind die wichtigsten Partnerländer und warum?

Katar genießt umfangreiche Beziehungen mit vielen Partnern, anerkennend, dass es wichtig ist, die Beziehungen und Partnerschaften mit verschiedenen Parteien zu diversifizieren. Wirtschaftliche Beziehungen zu Europa, Deutschland eingeschlossen, spielen heute eine Schlüsselrolle in der Vertiefung und Stärkung dieser bereits starken Beziehungen in den verschiedensten Bereichen wie Investition, Bildung, Gesundheit, Industrie und Tourismus.

Wegen seiner Öl- und Gasvorkommen gilt Katar als eines der wohlhabendsten Länder der Welt. Allein 60 Prozent des katarischen Bruttoinlandprodukts werden so erwirtschaftet. Angesichts der Endlichkeit dieser Rohstoffe wurde als Vorkehrung die „Qatar National Vision 2030“ entwickelt. Was beinhaltet diese Strategie genau?

Die Zukunft Katars ist von der „Qatar National Vision 2030“ klar vorgegeben. Sie stützt sich auf das Gleichgewicht zwischen den Errungenschaften ökonomischen Wachstums und den natürlichen und menschlichen Ressourcen des Landes. Dieser Plan besteht aus vier Säulen: Wirtschaftsförderung, Diversifizierung der Volkswirtschaft, Schaffung eines Gleichgewichts zwischen der Energiewirtschaft und der wissensbasierten Wirtschaft und die Gewährleistung eines gesunden, stabilen und nachhaltigen wirtschaftlichen Umfelds – das ist die erste Säule. Die zweite ist die soziale Entwicklung im Bereich der Pflege und des Sozialschutzes für alle Bürger des Staats Katar ohne Ausnahme; das beinhaltet auch, die Frau und ihre Rolle in der Gesellschaft zu stärken sowie für Beschäftigung und Bildung für alle zu sorgen. Die menschliche Entwicklung bildet die dritte Säule dieser Strategie. Katar kann seine Wirtschaft und Gesellschaft nicht ohne Humankapital voranbringen, das qualifiziert, gut ausgebildet und in der Lage ist, diese Herausforderungen anzugehen. Es kann durch die Einführung eines modernen Bildungssystems gewährleistet werden, das auf dem Austausch von Erfahrungen und Fähigkeiten basiert.

Es ist nicht möglich, die Nachhaltigkeit des ökonomischen und sozialen Wachstums ohne eine umfassende ökologische Vision sicherzustellen, die sich das Bewahren der Umwelt für zukünftige Generationen in Katar zum obersten Ziel setzt und ein Gleichgewicht zwischen Entwicklungsbedarf und dem Schutz natürlicher Ressourcen schafft. Deshalb ist das die vierte Säule der „Qatar National Vision 2030“.

Katar gilt als ausgezeichnete Investitionsumgebung. Welche Anreize bieten Sie ausländischen Investoren?

In Katar erhält der ausländische Investor viele Vorteile und echte Anreize. Er ist berechtigt, für sein Investitionsvorhaben das einzuführen, was er für die Errichtung, den Betrieb oder die Erweiterung des Vorhabens benötigt, da das ausländische Investitionskapital für einen Zeitraum von höchstens zehn Jahren ab dem Zeitpunkt des Beginns der Investitionsvorhaben von der Einkommensteuer befreit ist. Zudem gibt es Zollbefreiungen für die Einfuhr von Rohstoffen und Halbfabrikaten, die auf den lokalen Märkten nicht erhältlich sind. Neue Freihandelszonen wurden geschaffen, um lokale und ausländische Investitionen anzuziehen und einige Industrien in Katar anzusiedeln. Um weiterhin Investoren nach Katar zu locken, verzichtet die Regierung auf die Visapflicht für einreisende Bürger aus 80 Ländern. Freihandelszonen sollen zur Schaffung von Lagerflächen für Produkte, zur Erhöhung der Beschäftigung und zur Förderung des Exports beitragen. Außerdem wird eine katarische Agentur für Investitionsförderung eingerichtet, um Investitionsverfahren und -mechanismen zu erleichtern und das Geschäfts- und Investitionsklima zu fördern. In naher Zukunft wird zudem dem Schura-Rat ein Entwurf des Daueraufenthaltsgesetzes vorgelegt, was seinem Inhaber erlaubt, gewerbliche Tätigkeiten auszuüben und eine Wohn- oder Immobilienanlage auf katarischem Boden zu besitzen. Natürlich vergessen wir auch nicht die wichtige und unverzichtbare Rolle des Hamad International Airports in Doha, der voraussichtlich ein Drittel des Nahost-Handels ausmachen wird und der bereits den Preis für das größte umweltfreundliche Projekt im Nahen Osten gewonnen hat. Unser Ziel ist es, ein regionaler Logistik- und Distributionsknotenpunkt für Investoren zu werden, wo Investoren ihre Reichweite auf andere benachbarte, vielversprechende Wirtschaftsmärkte wie Pakistan, Irak, Iran und Westasien ausdehnen können.

Mit über 60 Tonnen pro Jahr hat Katar den weltweit höchsten CO2-Ausstoß pro Kopf und gehört mit über 500 Litern pro Kopf pro Tag auch zu den Spitzenreitern beim Wasserverbrauch. Mit welchen Maßnahmen will Ihre Regierung diese Zahlen in Zukunft senken?

In den letzten Jahren hat Katar sein Augenmerk darauf gerichtet, seine geoökologischen Ressourcen, insbesondere Sonne und Wind, für die Energieerzeugung zu nutzen, um die globale Entwicklung zu bewältigen. Katar hat eine Vielzahl von Aktivitäten in verschiedenen Projekten im Bereich erneuerbarer Energien, insbesondere im Solarenergiesektor, erlebt. Ab 2020 gehen zwei Prozent des Strombedarfs des Landes auf das Konto der Solarenergie – das ist genug, um 66.000 Wohnungen mit Strom zu beliefern. Vergangenes Jahr hat Katar dem Unternehmen Siraj Power das Projekt zugewiesen, das dafür sorgen soll, Solarstrom kostengünstiger zu erzeugen als mit Gas oder Öl. „Kahramaa“, ein weiterer Energieversorger, der darüber hinaus im Bereich der modernen Meerwasserentsalzungstechnologie tätig ist, realisiert Solarenergieprojekte zur Stromversorgung der WM-Stadien 2022. Kahramaa hat auch Land ausschließlich für die Nutzung einer Solarenergieentwicklung zur Verfügung gestellt. Hinzu kommt, dass Katar sich auf die Zusammenarbeit in diesem Bereich mit anderen führenden Unternehmen, wie zum Beispiel Solar World, freut.

Ich möchte nochmals betonen, dass Katar zugesichert hat, in Vorbereitung auf die FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2022 umweltfreundliche Energiequellen zu verwenden. Die geplanten Stadien sind zudem umweltfreundlich und kohlenstoffarm designt, wobei energiesparende Beleuchtungs- und Kühlsysteme eingesetzt werden, um den Verbrauch zu reduzieren.

Im Jahr 2017 wurde zwischen Deutschland und Katar ein bilaterales Kulturjahr durchgeführt. Wie lautet Ihr Fazit dazu?

„Katar hat zugesichert, in Vorbereitung auf die FIFA-Fußballweltmeisterschaft 2022 umweltfreundliche Energiequellen zu verwenden.“

Die ergiebigen und intensiven Ereignisse rund um das Deutsch-Katarische Jahr 2017 führten dazu, dass die strategische und starke Bindung an die Bundesregierung und ihre Bürgerinnen und Bürger gestärkt wurde. Die Idee hinter dieser Initiative ist, Brücken der wirtschaftlichen, politischen und sozialen Kommunikation zwischen Katar und anderen Ländern aufzubauen. Ähnlichen Kulturveranstaltungen mit Japan, Brasilien, der Türkei und China folgend war Deutschland im vergangenen Jahr Katars Kulturpartner, in der bahnbrechenden Initiative der Qatar Museums Foundation und des Goethe-Instituts in Katar. Das Ziel war, den Dialog zu vertiefen und die Kulturen von Katar und Deutschland zu verbinden. Wir haben den positiven Effekt dieser Events erlebt, vor allem um eine echte Nähe zwischen der arabischen und der deutschen Kultur zu schaffen – was noch mehr durch die Errichtung des arabischen Kulturhauses „Der Diwan“ in Berlin sichtbar wurde.

Die Kenntnis der Kultur, Traditionen und Bräuche des jeweils anderen Landes trägt dazu bei, dass die Stereotypisierung des jeweils anderen aufgegeben wird, und damit eine Plattform für den Dialog zwischen „Nicht-so-verschiedenen“ geschaffen wird. Genau das spiegelt sich in der Idee der Namensgebung des Arabischen Kulturhauses „Der Diwan“ wider, dessen Name sich vom großartigen literarischen Werk „West-östlicher Divan“ des deutschen Poeten und Schriftstellers Johann Wolfgang von Goethe ableitet. Die Botschaft, die wir Berlin mit diesem Kulturhaus vermitteln wollen, ist, dass unsere Gemeinsamkeiten größer als unsere Unterschiede sind und dass das Bauen von Brücken wichtiger ist als das Bauen von Mauern.

Katar wird eine gute Bildungspolitik nachgesagt, jedoch gibt es bei internationalen Rankings wie PISA noch Luft nach oben. Zudem herrscht an vielen Schulen noch Geschlechtertrennung. Stehen im Bildungssektor Veränderungen bevor?

Fortschritt und Entwicklung in allen Bereichen zu erreichen, ist ein kontinuierlicher und langfristiger Prozess. Obwohl es in diesem Bereich noch viele Schritte gibt, die unternommen werden können, möchte ich darauf hinweisen, dass Katar im Ranking des Berichts über die Bildungsqualität, der vom Weltwirtschaftsforum herausgeben wird, 2016 in der arabischen Welt an erster Stelle und weltweit an vierter Stelle von 140 zu erzielenden Punkten stand. Der Staat Katar stellt 3,2 Prozent seines Bruttosozialprodukts und mehr als 12 Prozent seiner Staatsausgaben für Bildung zur Verfügung. Dies steht im Einklang mit der „Qatar National Vision 2030“, der Vorbereitung auf die Post-Öl-Ära und dem Aufbau einer dazugehörigen akademischen und industriellen Infrastruktur für die Entwicklung der wissensbasierten Wirtschaft.

„Das Bauen von Brücken ist wichtiger als das Bauen von Mauern.“

In der ganzen Welt ist bekannt, dass Katar der Ausrichter für die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2022 sein wird. Im Vorfeld gab es ja von vielen Seiten Kritik wegen der eventuellen Ausrichtung im Dezember, der Arbeitsbedingungen beim Bau und der fehlenden Nachhaltigkeit der Stadien. Wie ist der aktuelle Stand dazu?

Die Vorbereitungen gehen voran und stimmen mit dem Plan überein, den wir seit dem Gewinn der WM-Bewerbung für 2022 festgelegt haben. Fünf Stadien sind bereits fertiggestellt, und wir arbeiten hart daran, den Bau der anderen drei abzuschließen. Die Qatar Railway Company (QRIEL) hat bereits die Infrastruktur der Tunnel gelegt, und ein erheblicher Teil des Baus der Bahnhöfe ist bis zum Jahr 2020 fertiggestellt.

Die Zusage des Staates Katar, die Infrastruktur für die Vorbereitung der Weltmeisterschaft 2022 fertigzustellen, wird eine außergewöhnliche Gelegenheit sein, den Entwicklungsprozess und den Aufbau von Kapazitäten zu stimulieren und eine Kultur der Innovation und Kreativität in unserer Region zu fördern, was uns in erster Linie dazu veranlasst hat, an der Ausschreibung für die Ausrichtung der Weltmeisterschaft teilzunehmen, unabhängig von der Größe und Bedeutung irgendeines Ereignisses in der Welt. Wenn wir die Möglichkeiten, die sich uns bieten, nicht nutzen, um ein Vermächtnis zu hinterlassen, das noch lange nach seinem Ende anhält, wird es ein verpasstes Ereignis bleiben.

In den vergangenen sechs Jahren haben wir beachtliche Erfolge in diesem Bereich erzielt, insofern, als drei der führenden regionalen Initiativen positive Auswirkungen auf die Region gezeigt haben, angefangen beim Institut für Sport „Josoor“, das bislang Hunderte von Menschen in der Region, die im Sportbereich tätig sind, ausgebildet hat, bis hin zur Durchführung von Großereignissen.

Mithilfe des Social-Responsibility-Programms „Generation Amazing“ konnten wir zum positiven Wandel im Leben von Tausenden von Kindern in Ländern wie Nepal, Pakistan, Libanon und Jordanien beitragen, indem wir in die positive Energie des Fußballs investiert und die Führungsqualitäten der Teilnehmer entwickelt und verfeinert haben. Die Herausforderung von 2022 eröffnete die Möglichkeit, die kreativen Fähigkeiten der arabischen Welt zu erweitern, um den Herausforderungen der Weltmeisterschaft 2022 und anderer großer Sportereignisse in der ganzen Welt gerecht zu werden. Die Gewinner präsentierten großartige Ideen für die gegenwärtigen Produkte, und in einer Gruppe von Gründerzentren in Katar werden Anwendungen entwickelt, die ihnen die Möglichkeit geben, ihre Projekte und Lösungen zu verwirklichen, die die Welt 2022 erleben wird.

Für Touristen ist besonders die Hauptstadt Doha ein Magnet, wo es beispielsweise das Museum für Islamische Kunst sowie das Arabische Museum für moderne Kunst zu bestaunen gibt. Welche Highlights würden Sie persönlich empfehlen?

Katar ist einer der sichersten Orte in der Welt, und Touristen werden sich aufgrund der freundlichen und einladenden Art seiner Menschen und der gut entwickelten Infrastruktur niemals fremd fühlen. Das Ziel von Katar in diesem Bereich ist es, sich in der Kulturszene neu zu erfinden und sich in ein weltbekanntes Kulturzentrum zu verwandeln. So gibt es bereits jetzt viele Museen zu besichtigen, wie das Museum für Islamische Kunst und das Arabische Museum für moderne Kunst. Die katarische Regierung arbeitet daran, noch weitere Museen wie das Katarische Nationalmuseum, das im Dezember eingeweiht wird, zu eröffnen.

Tatsächlich ist der Souq Waqif einer der schönsten Orte – er stellt wie der Falcon Souq das soziale Herz Dohas dar. Besucher können sowohl Falken mit ihren Trainern als auch die historische Stadt Al Zubara sehen, wo traditionelle Steinhäuser stehen. Der Kalksteinsand zeugt vom Erbe des Ortes und seiner Bewohner. Er wurde um den alten Palast von Scheich Abdullah bin Jassem Al Thani herum gebaut. Schließlich empfehle ich Touristen, die Kulturhauptstadt Katara zu besuchen, um Katars pulsierende und zeitgenössische Kunstszene kennenzulernen.

Weitere touristische Highlights sind die berühmte Bananeninsel, die einen idealen Ruhe- und Entspannungsort abseits des Lärms der überfüllten Städte bietet, sowie die ruhigen Camping-Wüstennächte und die langen Spaziergänge entlang der weißen Sandstrände, die sich über die gesamte Küstenregion Katars erstrecken.

Interview Markus Feller

Bilder: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 = Mohamed El-Sauaf