Über die Freiheit des religiösen Glaubens » Ein Überblick über die Gespräche der Weltreligionen in Astana

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Der Autor
Matthias Dornfeldt
ist Dozent für Energiepolitik und Diplomatie im Berlin Center for Caspian Region Studies der Freien Universität Berlin. Von 2009 bis 2011 war er Leiter des Leadership- Programmes des Aspen Institute Deutschland e. V.
Über die Freiheit des religiösen Glaubens
Ein Überblick über die Gespräche der Weltreligionen in Astana
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nde Mai stand die kasachische Hauptstadt Astana wieder ganz im Zeichen des Gesprächs zwischen den Weltreligionen. Zum vierten Mal trafen sich führende Vertreter aller bedeutenden Glaubensrichtungen zum Gedankenaustausch im größten Land Zentralasiens. In der Abschlusserklärung wurde die Bedeutung des interreligiösen Dialoges für die globale Konfliktprävention hervorgehoben. Zentrale Themen des Kongresses waren die Freiheit des religiösen Glaubens und die Rolle von Führungskräften bei der nachhaltigen Entwicklung der Welt. Darüber hinaus wurde die Bedeutung der Frau im Islam und im Christentum thematisiert.

Im Jahre 2003 fand in Astana zum ersten Mal das Gipfeltreffen der religiösen Oberhäupter statt. Damals waren die Beziehungen zwischen islamischer und nichtislamischer Welt geprägt von den terroristischen Anschlägen der Al-Qaeda und somit auf einem Tiefpunkt angelangt. Die erste Begegnung dieser Art diente als Plattform für den interreligiösen Austausch und trug wesentlich zur Entspannung zwischen beiden Seiten bei. Im Mittelpunkt der internationalen Begegnung standen Diskussionen über gemeinsame Werte. Als Ergebnis wurde eine Deklaration verfasst, die den Wunsch der Religionen nach Kooperation als Instrument des friedlichen Zusammenlebens aller Erdbewohner unterstrich.

Die nächste Zusammenkunft fand drei Jahre später wieder auf kasachischem Boden statt. Dabei standen weniger theologische, als politische Themen auf der Agenda, wie die Rolle der Religionsführer bei der friedlichen Lösung von Konflikten. Der Fokus lag auf dem israelisch-palästinensischen Konflikt. Allerdings konnten nur kleine Fortschritte zwischen beiden Seiten in Astana erzielt werden.

Der dritte Kongress 2009 wurde nicht nur von Geistlichen, sondern auch von hochrangigen Politikern aus aller Welt besucht. Neben Vertretern aus muslimischen Ländern waren die Staaten Frankreich, Spanien, Norwegen sowie die Vereinigten Staaten von Amerika angemessen repräsentiert. Ehrengast war Shimon Peres, der Präsident Israels. Das Motto „Peace and harmony as the choice of mankind“ bildete die Grundlage für Debatten über die Integration von islamischen Werten in die Kultur des christlichen Abendlandes. Darüber hinaus ging es um die zwischenmenschliche Solidarität in Krisenzeiten. Zudem wurde über Religion und Multikultur diskutiert, ein Thema, welches mittlerweile in Europa einen intensiven Diskurs erfährt.

Kasachstan als Gastgeberland hat Vorbildcharakter für das interreligiöse Zusammenleben. Die zentralasiatische Republik ist die Heimat von mehr als 130 Ethnien. Die über 16 Millionen Einwohner gehören 42 Glaubensrichtungen an. Trotz der zahlreichen, unterschiedlichen Konfessionen gibt es zwischen ihnen keine Spannungen, denn gegenseitiger Respekt bestimmt das Alltagsleben.

Die wachsende Bedeutung des Treffens der Oberhäupter der Weltreligionen, eine global angesehene Initiative von Kasachstan, zeigt deutlich, dass in einer wirtschaftlich instabilen Welt der Stellenwert der Religionen wächst. Es ist an der Zeit, die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren und der Religion wieder einen angemessenen Stellenwert im Leben der Menschen zuzubilligen. Der friedliche interreligiöse Dialog trägt dazu bei.

foto Ken and Nyetta (flickr.com) | text Matthias Dornfeldt

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