15. Jahrestag der Sonderverwaltungszone Hongkong » Ein Interview mit dem Repräsentanten Ivan K. B. Lee

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15. Jahrestag der Sonderverwaltungszone Hongkong
2012

jährt sich die Gründung der Sonderverwaltungszone Hongkong zum fünfzehnten Mal. Mit voller Unterstützung der Zentralregierung der Volksrepublik China und durch gemeinsame Anstrengungen der Hongkonger Bürger sind das Prinzip „Ein Land, zwei Systeme“ und das Grundgesetz erfolgreich eingeführt worden. Hongkonger verwalten Hongkong mit einem hohen Maß an Autonomie. Die Wirtschaft floriert und festigt dadurch die Position der Stadt als internationales Finanz-, Handels- und Schifffahrtszentrum. Die Lebensgrundlage der Menschen hat sich verbessert, die Gesellschaft ist stabil und die Demokratie entwickelt sich schrittweise und kontinuierlich. Die Wirtschaft Hongkongs ist die freieste weltweit und das Unternehmensumfeld gehört zu den dynamischsten und freundlichsten in der Region. Im Interview mit dem Diplomatischen Magazin stellt der Direktor des Wirtschafts- und Handelsbüros Hongkong, Berlin (HKETO Berlin) Ivan K. B. Lee diese prosperierende Metropole vor.

Herr Lee, Hongkong ist eine Sonderverwaltungszone von China. Könnten Sie diesen Status kurz erklären?

Die Sonderverwaltungszone Hongkong (SVZ Hongkong) wurde am 1. Juli 1997 errichtet. Es wurde vereinbart, dass gemäß dem Prinzip „Ein Land, Zwei Systeme“ das existierende kapitalistische System und die entsprechende Lebensweise 50 Jahre unverändert bestehen bleiben. Das Grundgesetz, unser Verfassungsdokument, legt die Beziehung zwischen der Zentralregierung und der SVZ Hongkong sowie die Grundrechte und Pflichten der Hongkonger Bürger, die politische Struktur der SVZ und andere wichtige Punkte fest. Gemäß dem Grundgesetz lenkt Hongkong auch weiterhin seine eigenen externen Wirtschafts- und Handelsangelegenheiten. Der 15. Jahrestag der Gründung der SVZ Hongkong ist für unsere Stadt ein bedeutendes historisches Jubiläum. Dieser sehr wichtige Meilenstein in Hongkongs Entwicklung ist nicht nur für die Bürger der Stadt, sondern für das ganze Land ein fröhliches Ereignis.

Könnten Sie die Rolle und Aufgaben des HKETO Berlin erläutern?

2008 gegründet, ist das Büro in Berlin die erste ausländische Repräsentanz, die seit Hongkongs Wiedervereinigung mit China 1997 von der Regierung der SVZ eröffnet worden ist. Es ist die offizielle Repräsentanz der Regierung der SVZ für Handelsbeziehungen und andere Wirtschafts- und Handelsfragen in Deutschland sowie Österreich, Polen, Slowenien, Tschechien, Ungarn, der Schweiz und der Slowakei. Entsprechend der „Verordnung über die Gewährung von Privilegien und Immunität“, die am 28. Februar 2009 vom Bundesrat verabschiedet wurde, wird HKETO Berlin Rechtsfähigkeit zugesprochen und es werden Privilegien und Befreiungen gewährt. Zu den Hauptaufgaben von HKETO Berlin gehört es, die Handelsinteressen Hongkongs und das Image der Region zu fördern sowie unsere Grundsätze gegenüber Regierungen, Parlamenten und dem Wirtschaftssektor zu erklären. Des weiteren stärken wir das gegenseitige Verständnis zwischen Meinungsbildnern, Politikern, Akademikern und Medien. Als neuer Direktor von HKETO Berlin, seit Januar 2012, freue ich mich darauf, die engen bilateralen und ökonomischen Beziehungen zwischen Hongkong und den acht Staaten in diesem Teil Europas zu fördern.

Warum haben Sie Berlin als Standort gewählt?

Im Rahmen der EU-Erweiterung hat die Regierung der SVZ Hongkong entschieden, zusätzlich zu den drei anderen europäischen Vertretungen in Brüssel, London und Genf ein Büro zu eröffnen, das das neue Wirtschaftsreund Handelspotenzial in Zentral- und Osteuropa ausschöpfen soll. Deutschland ist Hongkongs größter Handelspartner innerhalb der EU. Der Handel mit Deutschland stieg zwischen 2007 und 2011 um durchschnittlich 4,7 Prozent pro Jahr. Der Gesamthandel lag im ersten Quartal 2012 bei 3,1 Milliarden Euro. Als Hauptstadt Deutschlands, in der sich die Bundesbehörden und Botschaften befinden, ist Berlin ein idealer Standort. Darüber hinaus ist die Stadt ein Tor zu Zentral- und Osteuropa, ähnlich wie Hongkong das Tor zu China ist. Mit der Wahl dieses Standortes zeigen wir, dass wir auf Regierungsebene mit den Marktteilnehmern und wachsenden Volkswirtschaften in Zentral- und Osteuropa zukünftig noch enger, stärker und zeilgerichteter zusammenarbeiten wollen.

Wie gestaltet sich Hongkongs Rolle als Tor zu Festlandchina?

Durch seine geographische und geopolitische Lage ist Hongkong die logische erste Adresse für ausländische Unternehmen, die Zugang zum chinesischen Markt suchen. Hongkong ist der größte externe Investor in China. Etwa 55,9 Milliarden Euro beziehungsweise rund 60 Prozent aller Direktinvestitionen, die 2011 nach China flossen, kamen aus der SVZ Hongkong. Seit 1997 hat Hongkong ein viel stärkeres strategisches Netzwerk an Kooperationsbeziehungen mit Festlandchina ausgebaut, um so seine Position als Tor zu China zu untermauern.

Darüber hinaus hat das Freihandelsabkommen „Mainland and Hong Kong Closer Economic Partnership Arrangement“ (CEPA), das am 1. Januar 2004 in Kraft getreten ist, unsere Stellung in der ökonomischen Entwicklung Festlandchinas gestärkt. Das CEPA bedeutet bessere Zugangsmöglichkeiten für aus Hongkong kommende Waren und Dienstleistungen auf dem Festland-Markt. Durch dieses einzigartige Abkommen gelangen Hongkonger Produkte, sofern sie den CEPAHerkunftsregeln entsprechen, zollfrei auf den chinesischen Markt. Das CEPA ist nationalitätsneutral. Das heißt, dass auch ausländische Firmen profitieren, die in Hongkong eine Repräsentanz eröffnet, in die Freihandelszone investiert beziehungsweise ein Unternehmen in Hongkong gekauft haben oder mit diesem eine Partnerschaft eingegangen sind.

In dem im März 2011 verabschiedeten Fünf-Jahres-Plan – mittlerweile der zwölfte –, der Chinas Aktionsplan für die ökonomische und soziale Entwicklung zwischen 2011 und 2015 darstellt, widmete die Zentralregierung Hongkong erstmals ein ganzes Kapitel, zusammen mit der SVZ Macao. Das Kapitel beschäftigt sich mit der bedeutenden Funktion und Position Hongkongs in der nationalen Entwicklungsstrategie. Das zeigt die Unterstützung der Zentralregierung bei der Festigung und dem Ausbau von Hongkongs Position als Chinas globalem Finanz-, Handels- und Schifffahrtszentrum sowie bei der Entwicklung zu einem Umschlagplatz für Transaktionen in der chinesischen Währung Renminbi (RMB). Als Chinas globales Finanzzentrum ist Hongkong ein Testgebiet für die Internationalisierung des RMB. Die Währung wird immer häufiger auch außerhalb von Festlandchina verwendet. Hongkong baut weiterhin auf seine Rolle als Standort, an dem der RMB als eine Abrechnungs-, Investitions- und Finanzierungswährung genutzt wird.

Wir feiert Ihr Büro den 15. Jahrestag der Sonderverwaltungszone?

HKETO Berlin plant eine Reihe von Veranstaltungen. Es wird beispielsweise in verschiedenen europäischen Städten ein Hong-Kong-Film-Festival mit aktuellen Blockbustern aus Hongkong geben. In Berlin findet das Festival zwischen dem 5. und 8. Juli im Kino in den Hackeschen Höfen statt. Der Hongkonger Kinderchor wird durch Deutschland reisen und in der Berliner Lindenkirche am 23. August sowie im Hamburger Miralles Saal am 26. August Konzerte geben. Auch in anderen Städten organisieren wir Festakte.

fotos 1,3 = HKETO Berlin ; 2, 4-9 = Mohamed El-Sauaf | text Tanja Schmidt

Bilder: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9 = unbekannt