IFAIR » Kleine Schritte auf der COP23 – Ernährungsumstellung wird Teil der Klimaschutzverhandlungen

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KLEINE SCHRITTE AUF DER COP23
Ernährungsumstellung wird Teil der Klimaschutzverhandlungen

Wir werden unsere Klimaziele nicht erreichen, ohne die Art und Weise zu ändern, wie wir essen. Die Ernährung im globalen Norden hat aufgrund des übermäßigen Konsums von Fleisch- und Milchprodukten einen immensen Einfluss auf den Klimawandel, und auch Verbraucher in Schwellenländern wie China, Brasilien und Saudi-Arabien erhöhen ihren Konsum tierischer Produkte stark. Immer mehr Akteure aus zivilgesellschaftlichen Organisationen und der Wissenschaft weisen auf dieses Problem hin, aber ihre Handlungsaufforderungen sind in internationalen Klimaverhandlungen wie der COP23 nur sehr zögerlich aufgegriffen worden. Diese Entwicklung muss aber an Fahrt aufnehmen, wenn wir eine globale Klimakatastrophe verhindern wollen.

Es steht außer Frage, dass das Ziel des Pariser Abkommens, den weltweiten Temperaturanstieg deutlich unter 2 °C zu halten und vorzugsweise gar auf 1,5 °C zu begrenzen, ohne die Reduzierung der Treibhausgasemissionen von Lebensmitteln unmöglich ist. Das Nahrungsmittelsystem ist für ein Drittel der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich, wobei Fleisch- und Milchprodukte den größten Anteil der Emissionen ausmachen. Die Fleisch- und Milchindustrie produziert mindestens genauso viele Emissionen wie der gesamte Verkehr auf der Welt: sagenhafte 14,5 Prozent. Die jüngste Aktion zum Klimawandel fand vom 6. bis 17. November 2017 in Bonn statt. Auf der COP23 trafen sich 196 Regierungen, um die Durchsetzung des Pariser Abkommens voranzutreiben. So wurden etwa die Leitlinien für die Umsetzung der verschiedenen Punkte der Vereinbarung weiterentwickelt und der thematische Schwerpunkt auf Transparenz, Anpassung, Emissionsminderung, Klimafinanzierung und technologische Innovation gelegt. Die Konferenz war ein wichtiger Schritt, um konkretere Verpflichtungen für Klimaschutzmaßnahmen festzulegen und die finanziellen Details zu vereinbaren.

Zudem lässt ein Blick auf die Nebenveranstaltungen hoffen, dass die Ernährungsumstellung bald in die Hauptverhandlungen einbezogen wird. Die skandinavischen Länder, die öffentlich anerkannt haben, dass das Welternährungssystem direkt oder indirekt mit jedem einzelnen der SDGs (Sustainable Development Goals, Anm. der Red.) verbunden ist, organisierten den „Nordic Food Day“. Sie schufen damit einen interaktiven Raum für diejenigen Konferenzteilnehmer, die sich auf die Nachhaltigkeitsförderung von Ernährungssystemen konzentrieren. Verschiedene Veranstaltungen an diesem Tag ermöglichten den Teilnehmern, sich über Ideen auszutauschen und über eine Neufassung der Lebensmittelpolitik zu diskutieren. Andere Akteure wie die Food and Climate Coalition und die FAO (Food and Agriculture Organization der UN) haben ebenso Parallelveranstaltungen veranstaltet, die sich mit nachhaltiger Landwirtschaft, Innovation und Politik beschäftigten.

Darüber hinaus war das Thema auch integraler Bestandteil des Konzepts der COP23. Die Organisatoren zielten darauf ab, die Konferenz komplett klimaneutral auszurichten, und neben der Schwerpunktsetzung auf nachhaltige Veranstaltungsorte, virtuelle Partizipation und die Kompensation unvermeidbarer Emissionen war nachhaltiges Catering ein wichtiger Beitrag. Mindestens 60 Prozent des Essens auf der COP23 war vegetarisch – das ist doppelt so viel wie auf der COP21 in Paris. Die Menüs wurden auf vegetarische, biologische und regionale Gerichte ausgerichtet und zogen Wege mit ein, um Lebensmittelmüll zu reduzieren. Daher, wenn nicht durch zentrale Panels, berührten hochrangige Teilnehmer zumindest nachhaltige Kost auf ihren Tellern.

Obwohl die Ernährungsumstellung in den Hauptverhandlungen nicht berücksichtigt worden ist, waren die Parallelveranstaltungen ein bedeutender erster Schritt. Die Hoffnung besteht, dass die am Rande der COP23 erfolgten Anstrengungen in den kommenden Jahren zu einem zentralen Teil der Verhandlungen werden. Regierungen müssen verstehen, dass wir aufhören müssen, unseren Planeten zu verspeisen, und beginnen, die Ernährungsumstellung als wichtige Klimaschutzstrategie zu betrachten.

AUTORIN: Theresa Lieb

ist eine Masterstudentin des Studiengangs Environmental Change and Management an der Universität von Oxford, wo sie sich auf nachhaltige Ernährung in Schwellenländern konzentriert. Zuvor hat sie am Leiden University College in Den Haag Internationale Entwicklung studiert und in Brasilien mit der GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit) und der KfW-Entwicklungsbank zusammengearbeitet. Lieb kam 2013 als PR-Managerin zu IFAIR, initiierte 2015 das LACalytics- Programm von IFAIR und ist mittlerweile IFAIR-Vorstandsmitglied.

DIE YOUNG INITIATIVE ON FOREIGN AFFAIRS AND INTERNATIONAL RELATIONS (IFAIR) E. V.

hilft jungen Menschen, die internationalen Beziehungen von morgen zu gestalten. Dazu schreibt IFAIR regelmäßig Projekte aus, bietet über ihren Open Think Tank www.ifair.eu eine Plattform zum Austausch und vernetzt ihre Mitglieder mit wichtigen Akteuren aus der Praxis. Für das Diplomatische Magazin analysieren Mitglieder von IFAIR jeden Monat ein Thema aus den internationalen Beziehungen.

Bilder: 1 = nars co (flickr.com) | 2 = Écologique Solidaire (flickr.com) | 3 = Scripps Institution of Oceanography (flickr.com)