Editorial »

Vorerst kein Trennungsschmerz
Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

Anfang Oktober löste das Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien ein politisches Erdbeben in Spanien aus, bei dem sich laut Regionalregierung 90 Prozent der etwa 2,2 Millionen Wähler für eine Loslösung von Spanien ausgesprochen hatten. Dabei muss aber auch bedacht werden, dass die Wahlbeteiligung bei nur knapp über 40 Prozent lag. Bei vergleichbaren Unabhängigkeitsreferenden wie in Schottland 2014 mit knapp 85 Prozent oder etwa der kanadischen Provinz Québec 1995 mit mehr als 93 Prozent, die nebenbei auch scheiterten, war die absolute Zahl der Unabhängigkeitsbefürworter deutlich höher. Das heißt folglich: Nicht jeder Katalane ist gleichzeitig ein Separatist. Die Sache ist viel komplizierter.

Daher ist es besonders spannend, dass wir aus aktuellem Anlass diesmal Spanien im Botschafterinterview vorstellen. Nach dem Ende der Militärdiktatur 1975 und dem Eintritt in die Europäische Gemeinschaft 1986 hat sich das Land zu einer der stabilsten Ökonomien in Europa entwickelt, was vor allem dem Tourismus und der Automobilindustrie zu verdanken ist. Im Interview berichtet die Botschafterin, I.E. María Victoria Morera Villuendas zudem über erneuerbare Energien, die Bekämpfung der hohen Jugendarbeitslosigkeit und eben das Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien.

Im weiteren Verlauf des Magazins berichten wir unter anderem über die Frankfurter Buchmesse und stellen São Paulo im Städteportrait vor. Außerdem erweitern wir unsere Konsularplätze erstmals um den Standort Düsseldorf. An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal ganz herzlich für die vielen Glückwünsche und Belobigungen zu unserem neuen Layout bedanken, die von Botschaften, Ministerien, Autoren und Lesern eingegangen sind. Das freut uns sehr! Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre!

Dr. Irene ErnstHerausgeberin und Verlegerin

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