Börse » Schwellenländer: Interessante Aktienmärkte mit Wachstumspotenzial

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SCHWELLENLÄNDER: INTERESSANTE AKTIENMÄRKTE MIT WACHSTUMSPOTENZIAL

Im Wirtschaftsleben haben wir uns an das „Duell“ Europa versus USA gewöhnt. Am Aktienmarkt vergleichen wir die US-Indizes Dow Jones, S&P500 und Nasdaq mit dem EuroStoxx50 oder dem deutschen Leitindex DAX. Am Devisenmarkt steht der Vergleich US-Dollar versus Euro im Mittelpunkt des medialen Interesses. Diese Konzentration auf „reife“ und bekannte Märkte ist verständlich, doch an der Börse verzichten Sie auf Rendite- Chancen, wenn Sie sich einseitig auf Westeuropa und die USA konzentrieren. Als Argument für die Emerging Markets (auch Schwellenländer oder Wachstumsmärkte genannt) sprechen die Wachstumszahlen: Während sich westliche Industriestaaten über ein Wachstum der eigenen Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandsprodukt; kurz BIP) von ein bis drei Prozent freuen, kommen Schwellenländer wie China und Indien auf Wachstumsraten von rund sechs Prozent. Die steigende Wirtschaftskraft kommt auch in den Unternehmen an. Laut einer Auswertung der Deutschen Bank gehen die Analysten davon aus, dass die Unternehmensgewinne in den Industriestaaten im laufenden Jahr um durchschnittlich rund 13 Prozent zulegen werden. Das ist ein extrem guter Wert. Aber es geht noch besser: Der erwartete Gewinnsprung in den Schwellenländern liegt zum Teil bei über 20 Prozent.

An der Börse gilt fast immer die Regel, dass Unternehmen, die den Gewinn stark steigern, auch ein höheres Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) aufweisen. Eine Art „Wachstumsprämie“. In diesem Fall ist es jedoch anders. Die Gewinne der Schwellenländer-Unternehmen steigen schneller, aber die Aktien sind günstiger bewertet. Das KGV des MSCI Emerging Markets Investable Markets Index liegt bei nur 12,2. Das bedeutet: Sie können aktuell an der Börse ein hohes Gewinnwachstum relativ günstig einkaufen. Privatanleger lassen die Chancen, die die Emerging Markets bieten, leider oft liegen. In den Gesprächen höre ich immer wieder zwei Argumente: Erstens, ich bekomme keine ausreichend guten Informationen über Unternehmen in China, Indien oder auch Indonesien. Und zweitens, die Schwankungen in diesen Märkten sind mir zu hoch. Beide Argumente kann ich sehr gut verstehen. Es gibt aber Ausweichstrategien: Investieren Sie zum einen schwerpunktmäßig in Fonds. Durch die Streuung auf 50 bis 100 Unternehmen im Fondsportfolio sinkt die Abhängigkeit von einzelnen Unternehmen. Und: Machen Sie aus der Not eine Tugend! Profitieren Sie von den oft größeren Kursschwankungen in den Schwellenländern. Wie das ganz einfach geht, zeige ich Ihnen jetzt.

Dank des Cost-Average-Effekts (Durchschnittskosten-Effekts) sind Sie als Anleger nicht abhängig von den Launen des Marktes. Dem liegt eine ganz einfache Logik zugrunde: Mit einem Fondssparplan agieren Sie antizyklisch. Fallen die Kurse, erhalten Sie automatisch mehr Fondsanteile für Ihre monatliche Sparrate. Bei steigenden Preisen ist es umgekehrt. Auf diese Weise erzielen Sie einen geringeren Durchschnittskostenpreis für die erworbenen Fondsanteile. Ein einfaches Beispiel: Wenn Sie 100 Euro pro Monat in den Sparplan investieren und der Fondskurs steigt von 75 auf 100 Euro, kaufen Sie in dem Monat nur einen Fondsanteil. Fällt der Kurs dagegen auf 50 Euro, kaufen Sie zwei Anteile. Wenn Sie monatlich immer eine feste Summe investieren, kaufen Sie automatisch in Boom-Phasen weniger Aktien oder Fondsanteile, in Crash-Phasen dagegen viele. Am Ende führt das zu einem für Sie attraktiven Durchschnittskurs bei den Käufen. Diese Strategie können Sie wunderbar bei Schwellenländer- Fonds anwenden. Daher meine Empfehlung: Investieren Sie nicht einmalig große Summen in die Schwellenländer-Aktien, sondern bauen Sie die Position über mehrere Jahre auf.

AUTOR: Rolf Morrien

Der Analyst Rolf Morrien ist seit 2002 Chefredakteur des Börsendienstes „Der Depot-Optimierer“ und Autor der Bücher „Das Anti-Crash-Buch“ und „Börse leicht verständlich“.


Bilder: 1 = burhan rehman (flickr.com) | 2 = AAcerbo (flickr.com)