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Autor
Rolf Morrien
Der Analyst Rolf Morrien ist seit 2002 Chefredakteur des Börsendienstes „Der Depot-Optimierer“ und Autor der Bücher „Das Anti-Crash-Buch“ und „Börse leicht verständlich“.

Chefredakteur bei
Der Depot Optimierer
Ihr aktueller Geldanlage- Dienst für bessere Performance in jeder Börsenphase. www.morriens-boersenbriefe.de
Industrie 4.0: Technische Innovationen als Kurstreiber an der Börse
I

n den Sommermonaten kommt in den Börsenmedien fast jedes Jahr ein Thema auf, mit dem das berühmte „Sommerloch“ gefüllt werden soll: Wann erfolgt der nächste Crash? Diese Diskussion ist fast schon beruhigend. Denn je mehr Investoren über einen Crash reden und schreiben und sich entsprechend positionieren, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Crash tatsächlich zeitnah droht. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Kurseinbrüche besonders dann sehr ausgeprägt waren, wenn fast alle Anleger in Party-Laune waren – wie zum Beispiel in der Boomphase 1999/2000. Ab März 2000 folgte dann der Crash, der die Aktienkurse drei Jahre lang nach unten zog. Crash-Phasen gehören mit zum Börsenleben. Sie lassen sich nicht vermeiden, aber man kann sich als Anleger halbwegs schützen, wenn man in kritischen Phasen die Investitions-Quote reduziert und die Cash-Quote erhöht. Das Problem: Wie erkenne ich eine kritische Phase?

Einige Crash-Propheten vertreten die These, eine kritische Phase sei schon jetzt erreicht, da es seit Jahren keine bahnbrechenden Innovationen gibt. Technischer Fortschritt und eine verbesserte Produktivität seien die Basis für den Börsenaufschwung. Bleiben die Innovationen aus, müsse auch der Aktienmarkt leiden. Ich teile die Meinung, dass Innovationen eine Triebfeder der Börse sind, ich teile jedoch nicht die Einschätzung, dass wir aktuell in einer innovationslosen Zeit leben. Ich analysiere in der täglichen Arbeit nicht nur das Zahlenwerk in den Geschäftsberichten, sondern besichtige auch so viele produzierende Unternehmen wie möglich. Ganz oben auf meiner Liste stehen große Fabriken wie das BMW-Werk in München, das mit Führung besucht werden kann. Falls auch Sie bei einer BMW-Tour dabei waren oder aus eigenen beruflichen Erfahrungen Fabriken kennen, wissen Sie, dass sich die Produktion in den modernen Betrieben radikal verändert hat. Roboter übernehmen immer mehr Arbeiten und automatische Inspektionssysteme prüfen im Bruchteil einer Sekunde die Qualität der Waren. Hinzu kommt die Vernetzung der Maschinen. Die Maschinen „sprechen miteinander“, sodass Arbeitsabläufe optimiert werden können. Die Folgen: Es kann nicht nur viel schneller als früher produziert werden, sondern auch viel individueller. Selbst Einzelanfertigungen sind in einer modernen Fabrik heute möglich. Das große Thema „Industrie 4.0“ zeigt, dass noch immer riesige technologische Entwicklungssprünge möglich sind. Die Fabriken können schneller, besser und günstiger produzieren und die Ausrüster prächtig verdienen. Das hat selbstverständlich auch Folgen an der Börse. Wer die Industrie-4.0-Gewinner im Depot hat, kann sich in den meisten Fällen über rasante Kurssteigerungen freuen.

DAS VERBIRGT SICH HINTER DER VIERTEN INDUSTRIELLEN REVOLUTION
Die Bezeichnung „Industrie 4.0“ soll die vierte industrielle Revolution zum Ausdruck bringen. Die erste industrielle Revolution bestand in der Mechanisierung mit Wasser- und Dampfkraft, darauf folgte die zweite industrielle Revolution: Massenfertigung mithilfe von Fließbändern und elektrischer Energie, daran anschließend die Digitale Revolution: Der Einsatz von Elektronik und IT zur weiteren Automatisierung der Produktion wurde üblich. Der Begriff Industrie 4.0 wurde erstmals 2011 auf der Hannovermesse in die breitere Öffentlichkeit getragen. Dahinter steckt im Bereich der Industrieproduktion vor allem die verstärkte Individualisierung (bis zur Losgröße 1 = Einzelstück) der Produkte unter den Bedingungen einer hoch flexibilisierten (Großserien-)Produktion. Was konkret unter Industrie 4.0 zu verstehen ist und welche Auswirkungen das auf die Aktienkurse hat, lesen Sie im 2. Teil der kleinen Industrie-4.0-Serie in der nächsten Ausgabe.

text Rolf Morrien

Bilder: 1 = BMW Group | 2 = Jochen Zick / action press