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im Focus
Namibia
Offizieller Name
Republik Namibia
Hauptstadt
Windhuk
Fläche
824.292 km²
Bevölkerung
2,3 Mio.
Bevölkerungsdichte
2,7 Einwohner pro km2
Amtssprache
Englisch
Nationalfeiertag
21. März
Staatsform
Republik
Staatsoberhaupt
Präsident Hifikepunye Pohamba
Regierungschef
Premierminister Nahas Angula
Nationalhymne
Namibia, Land of the Brave

“Wir versuchen, neue Märkte für unsere Produkte zu erschließen”

Namibia ist ein Staat der Kontraste. Mit einer Fläche doppelt so groß wie Deutschland, hat es nur knapp 2,2 Millionen Einwohner. Namibia ist eine der führenden globalen Bergbaunationen, kann sich die Wertschöpfung jedoch nicht genügend zunutze machen, da es an der Produktverarbeitung mangelt. Obwohl das Land zu den reicheren Ländern Afrikas zählt, ist die Wirtschaft durch hohe Arbeitslosigkeit und niedrige Löhne gekennzeichnet. Im Interview mit dem Diplomatischen Magazin erklärt Namibias Botschafter S.E. Neville Melvin Gertze, wie ökonomische Initiativen und neue Bildungsstrategien zur Lösung von Namibias wirtschaftlichen und sozialen Problemen beitragen sollen.
E

xzellenz, Namibia ist ein multinationaler Staat mit mehr als 30 verschiedenen Sprachen und Dialekten. Gibt es eine nationale Identität? Wie sieht diese aus?

Eine der größten Herausforderungen der namibischen Regierung nach dem Erlangen der Unabhängigkeit war es, eine Nation zu versöhnen, die auf eine lange Phase der Teilung zurückblickt. Dies bildet die Grundlage unserer Identität. Die Stärke des namibischen Volkes ist die Vielfalt. Der Gründer unserer Republik Präsident S.E. Dr. Sam Nujoma sagte, „ein vereintes Volk, das nach dem gemeinsamen Wohl aller Mitglieder der Gesellschaft strebt, wird immer als Sieger hervorgehen.“ In diesem Zusammenhang sind wir, trotz verschiedener Kulturen, ethnischer und sprachlicher Hintergründe, als Nation daran interessiert, nie wieder ein geteilter Staat zu sein. Dabei werden wir von dem Vorhaben angetrieben, den Traum eines industrialisierten Namibias zu realisieren, so wie es in unserer National Vision 2030 festgeschrieben wurde.

Namibia zählt weltweit zu den führenden Bergbaunationen: Diamanten, Uran, Zink, Flussspat, Gold, Kupfer, Blei, Salz und weitere Mineralien werden abgebaut. Die namibische Regierung beginnt nun, die Mineralrechte zu verstaatlichen und dem Unternehmen „Epangelo“ zu übertragen. Welche kurz- und langfristigen Auswirkungen hat dies?

Im April 2011 erklärte das namibische Kabinett Uran, Gold, Kupfer, Kohle, Diamanten und seltene Mineralien zu strategischen Rohstoffen. Neue Lizenzen zu Erkundung und Abbau dieser strategischen Mineralien werden an Epangelo übertragen, ein privates Unternehmen, welches dann als Gemeinschaftsunternehmen für die an der Erkundung und Entwicklung dieser Ressourcen interessierten Partner eintreten kann. Es ist wichtig zu erwähnen, dass dieser Kurswechsel, der auf eine öffentlich-private Partnerschaft zwischen Epangelo und Investoren abzielt, schon existierende Erkundungs- und Abbaulizenzen nicht im Geringsten beeinflusst.

Die neue Bergbau-Strategie treibt Namibias nationale Entwicklung voran, um die „Vision 2030“ zu verwirklichen. Sie zielt darauf ab, unser Land in eine florierende und industrialisierte Nation zu verwandeln. Der Bergbausektor, der 25 Prozent des nationalen Einkommens und 15 Prozent des BIP ausmacht, leistet einen bedeutenden Beitrag zu Namibias Wirtschaft. Unglücklicherweise ist der Beitrag des Bergbaus zum nationalen Einkommen nicht proportional zu seinem Anteil am BIP, da Namibia hauptsächlich von den Lizenzgebühren der Bodenschätze profitiert. Zusätzlich werden namibische Mineralien in ihrer Rohform exportiert, was bedeutet, dass dem namibischen Volk die Möglichkeit verwehrt bleibt, an der gesamten Wertschöpfungskette des Bergbaus zu profitieren.

Die neue Bergbaupolitik soll das ändern, indem sie anstelle von Pächtern die Regierung und das Volk Namibias zu bedeutsamen Teilnehmern und Aktionären macht. Außerdem sichert sie dem namibischen Volk ein Eigentumsrecht an den Bodenschätzen. Das ist keine Nationalisierung, sondern eine Strategie, welche es allen relevanten Teilhabern ermöglicht, Wachstum und Risiken des Bergbaus zu teilen.

„Für unsere Regierung ist Kernenergie eine Alternative zu Namibias Energieproblemen“

Obwohl Namibia über zwei große Uranminen verfügt, fehlen eigene Energiekapazitäten: Die Stromversorgung beruht zur Hälfte auf Importen aus fünf anderen Ländern des südlichen Afrikas. Ist Atomstrom keine Option?

Unsere Energieerzeugung zu steigern, ist ein dringendes nationales Anliegen. Der Großteil von Namibias Energie wird durch hydroelektrische und kohlebetriebene Kraftwerke generiert. Für 2014 erwarten wir aufgrund gesteigerter Bergbauaktivitäten einen Anstieg der Nachfrage um das Doppelte auf beinahe 930 Megawatt. Hinzu kommt, dass wir auch denen in der namibischen Bevölkerung Elektrizität bieten müssen, die bisher noch nicht an das nationale Netz angeschlossen sind.

Für unsere Regierung ist Kernenergie eine Alternative zu Namibias Energielösungen. In den letzten Jahren sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass es keine alleinige Energielösung gibt, die all unseren wirtschaftlichen, sozialen und umweltpolitischen Zielsetzungen gerecht wird. Daher glauben wir für die Zukunft an einen ausbalancierten Mix der verschiedenen Stromarten zur Versorgung, was bedeutet, dass wir sowohl in konventionelle als auch erneuerbare Energieförderungsprojekte investieren.

Die Hälfte aller Erwerbstätigen in Namibia ist in der Landwirtschaft beschäftigt. Fischerei spielt eine große Rolle. Demgegenüber ist die verarbeitende Industrie nur schwach ausgeprägt, sodass ein großer Teil der Konsumgüter und Maschinen eingeführt werden muss. Wie kann sich hier etwas ändern?

Der Mangel an bedeutender Fabrikation in Namibia ist ein Erbe unserer Geschichte. Seit der Unabhängigkeit hat sich die Regierung bemüht, die Wirtschaft umzustrukturieren, die weiterhin von Güterimporten für den Inlandsverbrauch und Rohstoffexporten dominiert wird. Die Regierung hat insbesondere einen nationalen Entwicklungsplan und eine Reihe Fotos Mohamed El-Sauaf von Industrie-, Handels- und Investitionsstrategien zusammengestellt, welche die Entwicklung von Industrie im ganzen Land fördert. Es gibt mehrere Mittel, die Fabrikation in Namibia zu unterstützen und anzuregen: Das Ministerium für Handel und Industrie zum Beispiel erleichtert die Entwicklung und das Wachstum von kleinen und mittleren Unternehmen durch verschiedene Programme. Diese stellen Kreditgarantien und -finanzierung, Unternehmenstraining, subventionierten Zugang zu Durchführbarkeitsstudien, Geschäftspläne und weitere theoretische Voraussetzungen zur Verfügung. Das Ministerium für Handel und Industrie regelt außerdem die Freihandelszonenordnung, welche großzügige Anreize für exportorientierte Hersteller anbietet.

Obwohl Namibia zu den reicheren Ländern Afrikas zählt, ist die Wirtschaft durch eine hohe Arbeitslosigkeit (30–40 Prozent) und niedrige Löhne gekennzeichnet: Das monatliche Pro-Kopf-Einkommen liegt lediglich bei etwa 120 Euro. Namibia weist weltweit die gößte ungleiche Einkommensverteilung auf: Zehn Prozent der Bevölkerung verfügen über 65 Prozent des Einkommens, die ärmsten 10 Prozent nur über 0,5 Prozent des Einkommens. Wie soll hier Abhilfe geschaffen werden?

Arbeitslosigkeit ist weiterhin eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Obwohl Namibia eines der reichsten Länder Afrikas ist, besteht die Wirtschaft hauptsächlich aus dem Bergbau. Obwohl Namibia reich an Mineralien ist, fällt der Wertzuwachs woanders an. Wenn ein größerer Anteil des durch Mineralien erwirtschafteten Wertes im Inland bliebe, würde der Wohlstand den lokalen Gemeinschaften zugutekommen. Unsere Regierung strebt nun eine kurzfristige Lösung an, um die Auswirkung der Arbeitslosigkeit auf unsere Wirtschaft zu mindern und um Arbeitsplätze durch ein gezieltes Interventionsprogramm namens „Target Intervention Program for Employment and Economic Growth“ (TIPEEG) zu schaffen. TIPEEG wurde im letzten Jahr vorgestellt und umfasst ausgedehnte öffentliche Arbeitsprogramme, die strategische Infrastrukturen entwickeln und zugleich Arbeitsplätze in entscheidenden Bereichen wie Landwirtschaft, Transport, Tourismus und Wohnbau schaffen. Ich bin zuversichtlich, dass dieses Programm zusammen mit unseren fünfjährigen Entwicklungsplänen weitere Regierungsprogramme zur Verminderung der Arbeitslosigkeit unterstützt.

Namibia ist Mitglied der Southern African Customs Union (SACU), der ältesten Zollunion der Welt. Es gibt ein Freihandelsabkommen mit der Europäischen Freihandelsassoziation und ein Kooperationsabkommen mit den USA. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit?

Namibia hat einen kleinen einheimischen Markt und ist sehr abhängig vom internationalen Handel. Sie haben die Vereinigten Staaten erwähnt. Tatsächlich ist Namibia ein begehrtes Land im „African Growth and Opportunities Act“ (AGOA), einem einseitigen Handelsabkommen, welches über 6.400 unterschiedlichen Produktlinien zollfreien Zugang ohne Sollvorgaben zu US-Märkten gewährt. Mehr und mehr namibische Unternehmen werden auf die Vereinigten Staaten aufmerksam und sind bereit, sie als alternativen Exportmarkt zu erwägen. Außerdem werden Länder wie China, Brasilien und Indien interessanter. Dies ist eine neue Entwicklung, da traditionell Europa der Hauptabsatzmarkt ist. Natürlich bleibt Europa ein wichtiges Exportziel für namibische Produkte, insbesondere für Rinder, Fisch und Trauben. Jedoch denke ich, dass es für jedes Land riskant ist, an einen Markt allein gebunden zu sein. Deshalb versuchen wir, unsere Handelspartner zu diversifizieren und neue Märkte für unsere Produkte zu erschließen.

Wir verhandeln momentan über ein neues Wirtschaftspartnerschafts-Abkommen mit der EU. Wir verfolgen ein Abkommen, welches uns ermöglicht, regionale Integration zu vertiefen, den Süd-Süd-Handel und die Zusammenarbeit auszudehnen und legitime politische Werkzeuge zu benutzen. Damit wollen wir wirtschaftliche und soziale entwicklungspolitische Instrumente zum Schutz von Unternehmen in den Startlöchern oder zur Wertesteigerung durch die Erhebung von Exportsteuern fördern.

Der Tourismus trug 2010 14 Prozent zum BIP bei und ist damit der zweitwichtigste Wirtschaftszweig des Landes. Es wurden mehr als 11 Milliarden Namibia-Dollar umgesetzt. Was macht Namibia für Touristen attraktiv?

Kürzlich las ich einen Artikel, in welchem jemand sagte, dass Touristen Namibia wählen, weil sie etwas anderes suchen, etwas Neues, Abenteuerliches, jedoch Risikofreies mit politischer Sicherheit. Ich denke, das erfasst die Erfahrungen, die viele Touristen in Namibia machen. Seit der Unabhängigkeit 1990 hat Namibia Frieden und Stabilität genossen, und dies ist etwas, das Touristen schätzen. Tatsächlich nehmen viele unsere exzellente Infrastruktur in Anspruch und erkunden das Land auf eigene Faust. Wir haben den Touristen wirklich viel zu bieten und als Botschafter Namibias in Deutschland bin ich besonders erfreut über die Tatsache, dass rund 80.000 deutsche Touristen jedes Jahr Namibia besuchen. Die Reiseverbindung zwischen Namibia und Deutschland ist durch unsere nationale Fluglinie Air Namibia bequem, die gegenwärtig sechsmal pro Woche zwischen Frankfurt und Windhuk fliegt. Ab März dieses Jahres wird es täglich einen Flug geben.

Die namibische Verfassung von 1990 war eine der ersten weltweit, die den Umweltschutz als vorrangiges Staatsziel mit aufgenommen hat. Welche Ziele wurden erreicht, welche gilt es zu erreichen, Stichwort: „Robbenernte“?

Tatsächlich sind in Artikel 95 der namibischen Verfassung die Erhaltung von Ökosystemen, essenzielle ökologische Prozesse und die biologische Vielfalt von Namibia herausgestellt. Zudem sind wir durch diesen Artikel verpflichtet, lebende natürliche Ressourcen auf einer nachhaltigen Basis zum Wohle aller Namibier zu nutzen. Was die Robbenjagd betrifft, steht sie im Einklang mit unseren Prinzipien eines nachhaltigen Umgangs mit natürlichen Ressourcen. Wir befinden uns hier ein wenig in einem Dilemma, da wir einerseits einen Fischfangsektor haben, der einen bedeutenden Teil des BIPs ausmacht (10 Prozent) und andererseits stehen wir vor der Herausforderung, mit Robbenkolonien umzugehen, die große Mengen Fisch verzehren und den Unterhalt derjenigen einschränken, deren Existenz von dieser Ressource abhängt. Das Grundprinzip der „Robbenernte“ ist also, einen Mittelweg zu finden zwischen der Entwicklung der Fischfangindustrie – und zwar so, dass sie einen dauerhaften Beitrag zur Wirtschaft des Landes garantiert – und der konsumtiven Nutzung der Robben als Naturressource und Öko-Tourismusattraktion.

„Eine Investition in Bildung sehen wir als eine Investition in unsere Nation“

In Namibia ist das Recht auf Bildung in der Verfassung verankert und der Regierung so wichtig, dass sie jährlich 20 Prozent ihres Budgets dafür ausgibt. Die Umsetzung ist jedoch schwierig. Viele Völker Namibias sind Nomaden, viele Kinder verstehen nur ihren Dialekt. Was hoffen sie mit dieser Strategie zu erreichen?

Das Bildungsrecht wurde in die Verfassung aufgenommen, um die Regierung zu verpflichten, korrigierende Maßnahmen zu ergreifen, um die Herausforderungen in diesem Bereich zu erfüllen und gleichen Zugang zu Bildung für alle Namibier zu schaffen. Tatsächlich ist es ein Grundsatz dieser Strategie gewesen, die Budgetverteilung zu verändern. Eine Investition in die Bildung sehen wir als eine Investition in unsere Nation. Seit 2006 haben wir ein fünfzehn Jahre dauerndes Bildungs- und Trainingsverbesserungsprogramm (ETSIP) eingeführt, das darauf abzielt, Lehrmethoden zu erweitern und unseren Lernenden mehr Fähigkeiten mit auf den Weg zu geben. Die Bildungsstrategie hat sich daher in den letzten Jahren gewandelt. Schwerpunkte sind Kindheitsentwicklung, Ausbau der Kapazitäten während der Schuljahre und Förderung von Erwachsenenbildung als Teil des lebenslangen Lernens. Unter der Führung des Präsidenten Hifikepunye Pohamba haben wir den Schwerpunkt auf eine ganzheitliche Bildung gesetzt, die hauptsächlich Fähigkeiten unterstützt, die für ein Wirtschaftswachstum gebraucht werden. Wir glauben, dass dies die Lösung für viele sozioökonomische Herausforderungen ist. Wir setzen den Fokus daher Foto Mohamed El-Sauaf verstärkt auf berufliche Bildung und Fortbildung, die Einrichtung von kommunalen Bildungszentren und die Unterstützung von Innovation und Forschung.

Kai-Uwe Küchler, Livia und Peter Pack
Abenteuer Namibia

Erschienen im Stürtz Verlag, 128 Seiten, 19,95€

ISBN: 978-3-8003-4604-2
Der „Diamant Afrikas“

Die Brandung bricht über den Resten eines Schiffs zusammen, durch das Landesinnere ziehen blutrote Wanderdünen und in Windhuk werden im Thüringer Hof Bratwürste gegessen. Im Bildband Namibia schildern Livia und Peter Pack mit über 230 Fotografien von Kai-Uwe Küchler ihre Erlebnisse auf Reisen vom Sperrgebiet-Nationalpark im Süden, entlang der Skelettküste, durch die Namib-Wüste bis zum Etosha-Park im Norden. Erhältlich mit „Ting“-Funktion, bei der man auf einem „HörStick“ Kommentare der Autoren bekommt, bietet das Buch den Lesern ein visuelles und akustisches Abenteuer.

Bildnotiz(en):

von Mohamed El-Sauaf

Über 20 Prozent der Bevölkerung sind mit HIV infiziert, sodass die Lebenserwartung derzeit unter 50 Jahren liegt. Es gibt lediglich 30 Ärzte pro 100.000 Einwohner. Was wird zur Eindämmung von HIV unternommen? Wie wird die medizinische Situation verbessert?

HIV und AIDS stellen weiterhin eine der größten sozioökonomischen Herausforderungen dar, die mit vielen Vorteilen unseres Landes kollidiert. Aus diesem Grund hat die Regierung eine Vorgehensweise ausgearbeitet, die Personen und Agenturen aller Sektoren involviert – einschließlich der Gesellschaft, der Öffentlichkeit und die mit HIV infizierten Menschen. Die Folgen der Krankheit für unsere Bevölkerung sind verheerend. Seit Namibia von der Weltbank als Land mit gehobenem mittlerem Einkommen eingestuft wurde, werden wir von weniger Spendenprogrammen unterstützt als andere Länder im subsaharischen Afrika. Deshalb werden viele Behandlungseinrichtungen von Ehrenamtlichen und Nichtregierungsorganisationen geleitet. Natürlich wird die Regierungsstrategie zur Verminderung der Auswirkung von AIDS durch unsere internationalen Entwicklungspartner ergänzt. Deutschland insbesondere hat durch die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit maßgeblich dazu beigetragen, die Arbeit der namibischen Regierung im Gesundheitswesen zu unterstützen mit speziellem Augenmerk auf AIDS. Wir legen besonderen Wert auf die Prävention neuer Infektionen und die Mutterzu-Kind-Übertragungen. Wir haben ein antiretrovirales Programm für Menschen entworfen, die mit HIV und AIDS leben. Für dieses schnell initiierbare Behandlungsprogramm hat Namibia internationale Anerkennung erhalten.

Im Januar 2008 startete ein zweijähriges Pilotprojekt in der namibischen Tausend-Seelen-Gemeinde Omitara. Alle Einwohner bekommen monatlich einen Betrag von 100 Namibia-Dollar bedingungslos ausgezahlt. Das Projekt wurde bis 2011 verlängert, hat jedoch mit dem Austritt des Nationalen Gewerkschaftsverbands (NUNW) einen Rückschlag erlitten. Hintergrund ist die Debatte über ein bedingungsloses Grundeinkommen (Basic Income Grant) für die Bevölkerung. Kann dies die Lösung für die sozialen Probleme Namibias sein?

Seit der Unabhängigkeit hat die namibische Regierung eine Reihe sozialer Sicherheitsmaßnahmen eingeführt. Die Debatte um das bedingungslose Grundeinkommen kam während einer Zeit, als makroökonomische und soziale Herausforderungen, die durch die globale Finanz- und Wirtschaftskrise entstanden, einer gründlichen Suche nach angemessenen politischen Antworten für nationale Herausforderungen bedurften. Die Regierung hat bereits eine Reihe von sozialen Sicherheitsnetzen für Frauen, Kinder und Senioren in Form von allgemeiner Altersrente, Beihilfe für Waisen und gefährdete Kinder angelegt. Allerdings können wir keine unhaltbare Situation unterstützten, in der übermäßige Abhängigkeit von der Regierung die Norm ist. Das ist auf lange Sicht ungeeignet und deshalb sind für uns alternative Lösungen vorrangig.

„Wir müssen die produktiven Bürger ermutigen, sich aus der Abhängigkeit vom Staat zu lösen“

Wo könnten andere Lösungen liegen?

Nun, meiner Meinung nach ist es eine realistischere Langzeitlösung, den Schwerpunkt auf Bildung und Unterstützung von kleinen und mittleren Unternehmen zu legen. Wir müssen die produktiven Bürger unseres Landes und insbesondere unsere Jugend ermutigen, innovativ zu sein, eigene Fähigkeiten zu entwickeln, sich wirtschaftlich so zu verbessern, dass sie nicht nur sich selbst, sondern auch die Familie ernähren können und auch dazu, sich aus der Abhängigkeit vom Staat als einzige Versorgungsquelle zu lösen.

text Beate Baldow

Bilder: 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 = unbekannt