Interview » Mit dem Botschafter von Australien S.E. Peter Martin Tesch

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im Focus
Australien
Offizieller Name
Commonwealth von Australien
Hauptstadt
Canberra
Fläche
7,7 Mio. km²
Bevölkerung
22,5 Mio.
Bevölkerungsdichte
2,9 Einwohner pro km2
Amtssprache
Englisch
Nationalfeiertag
26. Januar
Staatsform
Parlamentarisch-Demokratische Monarchie
Staatsoberhaupt
I.M. Elizabeth II., Königin von Australien
Regierungschef
Premierministerin Julia Gillard
Nationalhymne
Advance Australia Fair

“Australien hat eine beneidenswerte Lebensqualität”

ES IST EIN KONTINENT fast doppelt so groß wie die EU, auf dem aber nur 22,5 Millionen Menschen leben. Es gehört zu den trockensten Ländern der Welt, hat aber Schneefelder so groß wie die Schweiz. Australien ist ein Land der Extreme und Superlative. Trotz stabiler Wirtschaft, florierendem Tourismus und erfolgreichem Bildungssystem hat Down Under aber auch Herausforderungen zu meistern. Im Interview mit dem Diplomatischen Magazin sprach der Botschafter von Australien S.E. Peter Martin Tesch über den ökologischen Kurs seiner Heimat, neue Energien und die freie Volkswirtschaft. 2012 werden Deutschland und Australien 60 Jahre diplomatische Beziehungen auf Botschafterebene feiern.
I

n Australien lebt es sich am besten. Das ist das Fazit der Studie „Better Life Index“ der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Was macht die Lebensqualität in Australien aus?

Schmeicheleien sind ein netter Start für ein Interview! Egal, ob es sich nun in Australien am besten lebt oder nicht, wir haben eine beneidenswerte Lebensqualität. Unsere reizvolle Work-Life- Balance bewerten Touristen stets äußerst positiv. Wir sind eine produktive Nation mit gut ausgebildeten, hart arbeitenden Menschen, die jede freie Zeit genießen. Wir sind reich an natürlichen Ressourcen und haben jahrzehntelang unsere robuste, moderne und global wettbewerbsfähige Wirtschaft reformiert und diversifiziert. Aufgrund unseres Klimas führen wir einen ziemlich gesunden Outdoor-Lebensstil. Australier sind positiv, optimistisch, gesellig und immer bereit, Freunden, aber auch Fremden zu helfen. Wir glauben, dass jeder eine Chance verdient und die Möglichkeit, et- was aus sich zu machen. Wir haben eine offene und einladende Kultur, die wiederspiegelt, dass wir eine Einwanderernation sind. Fast die Hälfte unserer Bevölkerung stammt aus Übersee oder hat zumindest ein Elternteil, das im Ausland geboren wurde. Die erfolgreiche Multikultur hat unsere Gesellschaft bereichert.

Die Lebensqualität in Australien schätzen viele Einwanderer. Eine der am schnellsten wachsenden Städte ist Melbourne mit wöchentlich 1.000 neuen Einwohnern, die zu den 3,8 Millionen dazukommen. Mit dem Zustrom gehen Probleme einher: Wohnungsnot, mangelnde Wasserversorgung, Umweltverschmutzung. Wie soll das reguliert werden?

Bei der „Global Liveability Survey” der Economist Intelligence Unit wurde Melbourne 2011 als lebenswerteste Stadt auf der Welt eingestuft. Insgesamt waren vier australische Städte unter den Top 10 der 140 bewerteten Städte. Australien ist eines der weltweit am stärksten urbanisierten Länder. Zweifellos haben wir einige ernste Infrastruktur- und Stadtplanungsprobleme. Das nachhaltige Wirtschaftswachstum hatte großen Einfluss auf die Zahl von erschwinglichen Mietobjekten. Mit der wachsenden Bevölkerung steigt auch der Bedarf an Wasserressourcen in unseren Städten, dazu kommen Dürren und Klimaveränderungen. Im Rahmen der Initiative „Wasser für die Zukunft“ unterstützen wir mit 12 Milliarden Australischen Dollar (AUD, ca. 9 Mrd. Euro, d. R.) Wasserprojekte und haben landesweit nun einen effizienteren Wasserverbrauch, einschließlich Entsalzung, Wasserrecycling, Regenwasserernte und Erforschung neuer Technologien.

„Während der Krise lag unser Wirtschaftswachstum bei 2,5 Prozent“

Australiens Volkswirtschaft gehört zu den freiesten der Welt. War Australien daher relativ krisenfest?

Seit den frühen 1980er Jahren haben sämtliche australische Regierungen die Wirtschaft reformiert und modernisiert. Eine Kombination aus solider Politik und anhaltender Nachfrage nach natürlichen Ressourcen durch boomende asiatische Volkswirtschaften hat uns in den letzten 20 Jahren ein kontinuierliches Wirtschaftswachstum beschert. Australien ist eines von nur vier OECD-Ländern, das 2010 eine Rezession vermeiden konnte. Während der Krise lag unser Wirtschaftswachstum bei 2,5 Prozent. Unsere durchschnittliche Arbeitslosenrate von 5,2 Prozent war eine der niedrigsten in der OECD. Wir haben einen gut regulierten und umsichtig bewirtschafteten Finanzsektor. Keine einzige australische Bank brach während der Krise zusammen oder benötigte staatliche Unterstützung. Zu den zehn größten Banken der Welt mit einem Rating von AA oder höher, gehören vier australische Banken. Selbstverständlich wirkten sich unsere Handelsverbindungen und Wirtschaftsverflechtungen mit den aufstrebenden Volkswirtschaften in Asien positiv auf unser Wachstum und unsere Beschäftigung aus. Aber auch die anhaltende Instabilität in Europa und der schwache Aufschwung in den USA haben einen Einfluss auf die australische Wirtschaft. Jeder einzelne Haushalt prüft seine Ausgaben noch sorgfältiger, und Unternehmen sind vorsichtiger bei ihren Personalentscheidungen. Die Reserve-Bank hat ihre Wachstumsprognosen von vier auf 3,25 Prozent für 2011/2012 gesenkt. Jedoch ist die Regierung entschlossen 2012/2013 wieder einen Haushaltsüberschuss zu erzielen, nachdem der Haushalt zeitweise ins Minus geriet, um den Folgen der globalen Wirtschaftskrise entgegenzuwirken.

Die große Fläche des Landes in Verbindung mit dem kleinen Binnenmarkt prädestiniert Australien zum Exportland für Primärprodukte. Diese Tatsache macht das Land aber auch empfindlich gegenüber starken Schwankungen der Weltmarktpreise. Wie wird hier versucht entgegen zu steuern?

Australien ist tatsächlich ein bedeutender Exporteur von Primärprodukten. Dienstleistungen und die verarbeitende Industrie machen ein Drittel unseres Gesamtexportes aus. Viele unserer Lieferverträge sind langfristig angelegt und reflektieren keine kurzfristigen Preisentwicklungen. Unsere Regierung arbeitet intensiv an der Steigerung der australischen Dienstleistungsexporte. Diese machen 2010/2011 rund ein Sechstel des Gesamtexportes aus und hatten einen Wert von 50,6 Milliarden AUD (ca. 38 Mrd. Euro). In den kommenden Jahren wird der Dienstleistungssektor voraussichtlich weltweit am stärksten wachsen. Für dessen Ausweitung werden dann Offshore-Märkte immer interessanter. Australiens Exportschlager sind Bildung und Erholungstourismus, aber wir exportieren auch technische oder andere unternehmensbezogene Dienstleistungen sowie Gewerbe und Business-Travel. Auch die verarbeitende Industrie ist ein wachsender Exportsektor. 2010/2011 machte er 13,8 Prozent der australischen Exporte aus. Hersteller exportieren ein breites Spektrum an Produkten wie Pharmazeutika, Teile von Flug-, Raum- sowie Kraftfahrzeugen. Hierzulande ist dies oft sehr überraschend – besonders für die, die denken, dass wir nur deutsche Autos importieren!

Die Förderung von Kohle, Eisenerz, Gold, Diamanten, Uran und anderen Mineralien ist von großer Bedeutung. Australien hat das reichhaltigste Vorkommen der Welt an seltenen Erden. Wie wichtig ist der asiatische Absatzmarkt?

Es ist immer noch nicht sicher, wie groß unsere Vorkommen an selten Erden tatsächlich sind. Der Rohstoffsektor ist einer der Bereiche, der die meisten deutschen Unternehmen anzieht. Es stimmt, dass die asiatischen Märkte seit Mitte der 1970er-Jahre immer bedeutsamer in Australien geworden sind. Damals wendeten wir uns unserer eigenen Region zu – als Antwort auf Europas Marktintegration, die uns anfangs die Tür zu den europäischen Märkten verschloss. Als ein führender Anbieter von Rohstoffen, die bei den asiatischen Staaten sehr gefragt sind, trägt Australien zum rapiden Wachstum Asiens bei. Unser Export von Eisenerz nach Asien stieg 2010/2011 um 66 Prozent, der Export von Kohle um 20 und von Erdgas um 32 Prozent. Sieben unserer größten Exportmärkte liegen in Asien und der bilaterale Handel mit China belief sich 2010 erstmals auf über 100 Milliarden AUD (ca. 75 Mrd. Euro). Neben Asien spielt auch der Markt in Europa oder Nordamerika zukünftig eine wichtige Rolle, beispielsweise beim Bezug von Waren und Investitionen. Unter den Ländern, von denen Australien Produkte importiert, steht Deutschland an fünfter und das Vereinigte Königreich an siebter Stelle. 33 Prozent der Investitionen in Australien kommen aus der EU.

„Die EU ist unser wichtigster Wirtschaftspartner, wenn man HANDEL und INVESTITIONEN zusammen nimmt.“

Seit 25 Jahren ist die EU wichtigster Wirtschaftspartner Australiens mit gemeinsamen Zielen in Klima- und internationaler Sicherheitspolitik. Agrarisch möchte Europa jedoch den eigenen Markt schützen, während Australien den Zugang zu den europäischen Märkten stärken möchte. Könnte das das Verhältnis trüben?

Natürlich war dies ein Thema zwischen Europa und Australien. Dabei ging es nicht nur um den direkten Zugang zu den Märkten, sondern auch um weite Verzerrungen auf den globalen Märkten. Vor kurzem hat sich unsere Beziehung zu der EU jedoch wesentlich intensiviert. Die EU ist, wie Sie sagen, unser wichtigster Wirtschaftspartner, wenn man den Handel und die Investitionen zusammennimmt. Seit 2008 gibt es einen formellen, partnerschaftlichen Rahmen, der eine Richtung für unsere zukünftige, bilaterale Zusammenarbeit vorgibt. Folgende Bereiche werden berücksichtigt: gemeinsame Außenpolitik und globale Sicherheitsinteressen, ein multilaterales Handelssystem und bilaterale Handels- und Investitionsbeziehungen, Interessen im Asien-Pazifik-Raum, Energiefragen und Klimawandel, Wissenschaft und Innovation, Bildung und Kultur. Bei ihrem Besuch in Brüssel im Oktober 2010 schlug Premierministerin Julia Gillard ein vertragliches bilaterales Rahmenabkommen zwischen Australien und der EU vor, auf das die EU positiv reagierte.

Der Bildungssektor ist inzwischen Australiens Haupteinnahmequelle in Milliardenhöhe – noch vor dem Tourismussektor. Insbesondere Studierende der Südostasiatischen Oberschichten nehmen die australischen Bildungsangebote gerne an. Wo liegt das Erfolgsgeheimnis des britischen Bildungssystems?

Während der vergangenen drei Jahrzehnte hat sich Australien zu einem weltweit führenden Studien-Standort entwickelt. Wir haben einen der höchsten Anteile an internationalen Studenten im höheren Bildungssystem und zählen über 2,5 Millionen Alumni weltweit. Die australische Regierung investiert jährlich mehr als 200 Millionen AUD (ca. 150 Mio. Euro) in internationale Stipendien. Damit unterstützt sie in Australien rund 5.000 Studenten, Forscher und Fachleute bei der beruflichen Entwicklung – und Australier, die diese Ziele im Ausland haben. Über 6.500 Deutsche studierten 2010 in Australien, darunter 1.400 Schüler. Deutschland schickt mehr Studenten nach Australien als jedes andere europäische Land. Deutsche und australische Universitäten arbeiten aktiv in der Forschung und beim Studentenaustausch zusammen.

Der Tourismus ist der größte Arbeitgeber des Landes (ca. 500.000 Beschäftigte) und der Wirtschaftssektor mit den höchsten Steigerungsraten. Was macht ihr Land für Touristen so attraktiv?

Der Tourismus im Allgemeinen ist einer der Hauptgeschäftsbereiche Australiens. Einige Dinge, die ich bereits angesprochen habe, können hier erneut angebracht werden: die Schönheit und die Vielfalt der Natur meines Heimatlandes, die Verbindung aus städtischem und ländlichem Lebensstil, die Vielfalt und Offenheit der Menschen. Sie werden konkurrenzfähig und umfassend angeboten.

Durch Tourismus und intensive industrielle Fischerei besteht akute Gefahr einer Störung des ökologischen Gleichgewichts unter anderem des Great Barrier Reefs. Auch machen Nutztiere wie Schafe und Rinder genau wie die wilden Kamele und Kaninchen einheimischen Tieren den Lebensraum streitig. Welche Lösungsmöglichkeiten sehen Sie hier?

Unser Kontinent hat tatsächlich eines der zerbrechlichsten Ökosysteme der Welt, und Australien ist eines der Länder mit der größten biologischen Vielfalt. Das weltweit größte Korallenriff, das Great Barrier Reef, ist als Welterbe gelistet, und ein sorgfältiger Umgang mit diesem Ökosystem hat für uns höchste Priorität. Die Great Barrier Reef Marine Park Authority (GBRMPA) leitet Maßnahmen, die definieren, welche Tätigkeiten an welchen Orten durchgeführt werden können. Damit soll der Schutz der Meeresumwelt garantiert und mögliche gegenläufige Tätigkeiten voneinander getrennt werden. Der Meeresnationalpark oder die „Grüne Zone“ in der das Fischen erlaubt ist, nimmt 33 Prozent des Great Barrier Reef Marine Park ein. 2010 stellte die australische Regierung mit der „Australia’s Biodiversity Conservation Strategy 2010-2030“ einen richtungsweisenden Rahmen für den Schutz der australischen Artenvielfalt vor. Hauptproblempunkte waren Ackerbau, landwirtschaftliche Produktion und eingeführte Arten wie Kamele und Kaninchen. Diese invasiven Arten unterstehen einem Aktionsplan, der Strategien zur Reduzierung der Population und des Einflusses auf das Ökosystem einschließt. 2008 stellte die australische Regierung die „Caring for Our Country” Initiative vor, mit der das Umweltmanagement der australischen Landschaft verbessert werden soll. Dem Schutz der Biodiversität und der Küstenumwelt sowie die Einführung nachhaltiger landwirtschaftlicher Praktiken wurde national Vorrang eingeräumt. Die Umsetzung der Ziele setzt eine gute Zusammenarbeit mit der Gemeinschaft voraus, nicht zuletzt weil 60 Prozent der australischen Landschaften in Privatbesitz sind oder für landwirtschaftliche Zwecke gepachtet wurden.

Australien

Natur, Kultur & Lebensart

Erschienen beim Dumont Reiseverlag, 160 Seiten, 24,95€

ISBN: 978-3-7701-8900-7
Down Under vor der Kamera

Australien ist ein Kontinent der Gegensätze. Besiedelt nur von wenigen Einwohnern über 50.000 Jahre lang, dann „sagen umwobenes Land“, britische Strafkolonie, schließlich ein Paradies für Emigranten und Aussteiger und trotzdem bedeutende Industrienation. In dem aufwendigen, liebevoll zusammengetragenen Bildband wird das archaische, unzugängliche Australien ebenso wie das Junge und Aufstrebende packend porträtiert. Kurze informative Texte und spannende Bildbeschriftungen nehmen den Leser mit auf ein Abenteuer in Down Under.

Bildnotiz(en):

von Mohamed El-Sauaf

Australien ist weltweit das drittgrößte Exportland von Uran, und es gibt kein Atomkraftwerk. Ist Ihr Heimatland ein Gegner der Atomenergie?

Obwohl wir einen Forschungsreaktor haben, gibt es bei uns keine einheimische Kernkraftindustrie. Hauptgrund ist, dass wir ein reiches Angebot an billiger und leicht zugänglicher Kohle haben. Die regierende Laborpartei hat sich über Jahre hinweg klar gegen Nuklearenergie in Australien ausgesprochen. Wir unterstützen jene Länder die Atomkraft für friedliche Zwecke nutzen, dies allerdings innerhalb eines Rahmens bei dem die höchsten internationalen Normen für nukleare Sicherheit auch eingehalten werden. Wir engagieren uns seit langem international für die Nicht-Verbreitung von Kernwaffen und für nukleare Sicherheit.

„Unsere Regierung hat einen Plan für eine Zukunft mit sauberer Energie“

Der Strom in Australien wird zu 80 Prozent mit Kohlekraftwerken gewonnen. Dies führt allerdings zu einem hohen Ausstoß von Treibhausgasen und trägt zur globalen Erwärmung bei. Erneuerbare Energien haben in Australien viel Potenzial, es wir jedoch kaum investiert. Wird sich hier etwas ändern?

Ungefähr 75 Prozent unserer Elektrizität produzieren wir durch die Verbrennung von Kohle, während der Anteil der Erneuerbare Energien an der australischen Stromversorgung rund acht Prozent beträgt. Unsere Regierung hat einen umfassenden Plan für eine Zukunft mit sauberer Energie entwickelt. An zentraler Stelle steht die Einführung eines Preises für Kohlenstoff am 1. Juli 2012. Dieser soll die derzeitige Verschmutzung auf die billigste und effektivste Weise reduzieren und Investitionen in saubere Energiequellen fördern. Ziel ist, dass bis 2020 mindestens 20 Prozent unserer Elektrizität durch erneuerbare Energiequellen generiert wird. Australien hat eine der weltweit besten Windressourcen und ist der Kontinent mit der höchsten durchschnittlichen Sonneneinstrahlung pro Quadratmeter. Um Australiens großes Potenzial an erneuerbaren Energiequellen nutzen zu können, werden wir mit Hilfe des Kohlenstoffpreises und dem so genannten Renewable Energy Target (RET) Innovationen und Milliarden hohe Investitionen in erneuerbare Energien vorantreiben. Dies fördert die Entwicklung von Großprojekten wie Windparks, aber auch die Einrichtung kleinerer Anlagen wie Solarstrom- und Solarthermie-Anlagen. In Verbindung mit dem Preis für Kohlenstoff sollen mit dem RET bis 2020 rund 20 Milliarden AUD (ca. 15 Mrd. Euro) in Großprojekte investiert werden, darunter liegen viele im regionalen und ländlichen Australien.

Die Aborigines stellen Schätzungen zufolge 2,4 Prozent der Bevölkerung; 70 Prozent von ihnen leben in den Städten. Woran liegt es, dass sie zum ärmsten Teil der Gesellschaft gehören. Wie kann ihre Situation verbessert werden?

Die Regierung und unsere Nation als Ganzes sind sich durchaus bewusst, dass es weiterhin in vielen Gesellschaftsbereichen eine inakzeptable Kluft zwischen den indigenen und nicht-indigenen Australiern gibt. Aber wir machen Fortschritte bei der Verbesserung der Lebensbedingungen der indigenen Australier. Das „Closing the Gap“ Programm, dass die Regierung 2008 initiiert hat, stellt 4,6 Milliarden AUD (3,5 Mrd. Euro) für die Verbesserung von Lebenserwartung, Gesundheit, Bildung und Beschäftigung der Indigenen bereit. Am 3. November 2011 gab die Regierung bekannt, dass in Zusammenarbeit mit indigenen Australiern ein neuer „National Aboriginal and Torres Strait Islander Health Plan“ entwickelt wird, um die Regierung darin zu unterstützen, in Bezug auf die Lebenserwartung und den Gesundheitszustand, eine Gleichstellung zwischen indigenen und nicht-indigenen Australiern zu erreichen.

Zuletzt eine Frage zum Sport: Während in den meisten Ländern eine einzige Sportart eine erhöhte Aufmerksamkeit genießt, hat Australien gleich vier Nationalsportarten. Sind Australier besonders sportlich?

Ohne Zweifel, ja! Sport ist sehr bedeutend und eine wichtige Konstante in unserem gesellschaftlichen Leben. Aufgrund unseres Klimas und Lebensstils können wir Australier eine Vielzahl an Sportarten betreiben. Es stimmt, Cricket, Rugby, Tennis und Fussball sind neben dem sogenannten Australian-Rules-Football, welcher ein dynamischer und sehr spannender Sport ist, der dem Gaelic Football ähnelt, die beliebtesten Sportarten. Große Sportevents – einschließlich der FIFA Fußballweltmeisterschaften 2006 und 2011 in Deutschland und 2010 in Südafrika – bieten eine gute Möglichkeit für Australier, Kontakte zu Deutschen zu knüpfen.

text Beate Baldow